Computerbranche Ermittler rücken bei Hewlett-Packard an

Die frühere HP-Vertriebstochter International Sales Europe ist ins Visier der Justiz geraten. Mehrere ehemalige Mitarbeiter befinden sich in Haft.

Von Thomas Fromm

Der weltweit größte Computerhersteller Hewlett-Packard (HP) ist ins Visier deutscher Staatsanwälte geraten. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung richten sich die Ermittlungen gegen Mitarbeiter der früheren HP-Vertriebstochter International Sales Europe (ISE), die bis 2007 für das Ost- und Südeuropageschäft des Unternehmens zuständig war. Deren Aufgaben wurden danach auf andere HP-Sparten verteilt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Dresden geht es unter anderem um den Verdacht von Scheinrechnungen.

Hewlett-Packard, Reuters

Hewlett-Packard soll bei den Ermittlungen nicht Beschuldigter, sondern Geschädigter sein.

(Foto: Foto: Reuters)

Insgesamt werde zurzeit gegen zehn amtierende und ehemalige Mitarbeiter des Konzerns wegen Untreue ermittelt. Drei davon seien bereits in Haft genommen worden, bestätigte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Dresden. Darunter befände sich auch der frühere ISE-Geschäftsführer.

Der Konzern sei bei den Ermittlungen allerdings nicht Beschuldigter, sondern Geschädigter, sagte der Sprecher weiter. Die Untersuchungen bezögen sich unter anderem auf den Verdacht der "Untreue zum Nachteil von Hewlett Packard".

Eine Sprecherin des Konzerns bestätigte die Ermittlungen auf Anfrage, wollte sich aber mit Blick auf die laufenden Ermittlungen zu Details nicht äußern. Allerdings richten sich die Untersuchungen nach ihren Angaben "ausschließlich gegen ISE". Der amerikanische Mutterkonzern sei von den Ermittlungen nicht betroffen. Man kooperiere eng mit der Staatsanwaltschaft.

"Etliche" Büros durchsucht

Aus Ermittlerkreisen hieß es, in der vergangenen Woche seien "etliche" HP-Büros in Deutschland sowie im europäischen Ausland durchsucht worden. Dazu gehörten auch der Standort Dornach bei München sowie die HP-Deutschlandzentrale in Böblingen. An den Ermittlungen sei zudem die sächsische Antikorruptionseinheit Ines beteiligt, heißt es in Dresden weiter.

Den Anfang nahmen die Ermittlungen bereits vor über zwei Jahren. Ausgelöst wurden sie seinerzeit offenbar durch Hinweise von der Steuerfahndung: Die Steuerprüfung bei einer Firma in Sachsen - offenbar handelte es sich um eine Kundin von HP - hatte seinerzeit Unregelmäßigkeiten bei Abrechnungen ergeben.

Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden bestätigte am Dienstag, dass auffällig häufig "überhöhte Rechnungen gestellt und akzeptiert" worden waren. Dies habe den Verdacht genährt, es könne Geld "zu anderen Zwecken abgezweigt" worden sein. "Es geht offenbar auch um Scheinrechnungen, die keinen realen Hintergrund haben", so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Dies weckt Erinnerungen an die Schmiergeldaffäre bei Siemens. Hier waren die Ermittler über dubiose Beraterverträge und Scheinrechnungen auf ein komplexes internationales Korruptionsnetzwerk gestoßen. Anfangs ging die Staatsanwaltschaft davon aus, dass eine Summe von rund 20 Millionen Euro veruntreut worden sei - ein Bruchteil der tatsächlichen Summe, wie sich später herausstellte. Bei HP ist nun von einer "vorläufigen Schadenschätzung von acht Millionen Euro" die Rede. Allerdings, so heißt es in Dresden, seien die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen.

HP hatte zuletzt herbe Umsatzeinbrüche wegen der Wirtschaftskrise verbucht. Vor allem das Geschäft mit Großabnehmern wie etwa Unternehmen stockte zuletzt, weil die Kunden kräftig sparen. Der in Palo Alto bei San Francisco beheimatete Konzern rechnet damit, dass sich die Märkte und damit auch die Computerverkäufe im kommenden Jahr wieder erholen.