Coca-Colas Rückkehr nach Myanmar Flaschendrehen für die Freiheit

In der Nähe von Yangon wird jetzt Coca-Cola abgefüllt.

(Foto: dpa)

Wenn sich eine Diktatur öffnet, gibt es bald auch Soft Drinks aus den USA: Nach 25 Jahren eröffnet Coca-Cola wieder ein Werk in Myanmar. Ob sich Demokratie in Flaschen abfüllen lässt?

Dass Amerika mal wieder gewonnen hat, erkennt man daran, dass braune Zuckerflüssigkeit am Fließband produziert wird. Jetzt auch in Myanmar. Nach 25 Jahren hat Coca-Cola wieder ein Abfüllwerk in dem Land, das bis vor kurzem abgeschottet und wegen seiner brutalen Militärdiktatur von USA und EU mit Wirtschaftssanktionen belegt war. Die Führung öffnet das Land und die verstaatlichte Wirtschaft seit zwei Jahren Schritt für Schritt. Sie hat erkannt, dass der Kapitalismus so schlecht nicht sein muss, wenn sie die Kontrolle behält. Von China lernen, heißt für die Elite in diesem Fall: lernen, wie man Geld verdient.

Die Konzerne haben im Gegenzug erkannt, dass ein unerschlossener Markt von 60 Millionen Menschen auf sie wartet. Mit einem Mal steht ihnen ein ganzes Land offen. Coca-Cola ist das erste große amerikanische Unternehmen, das nach der Lockerung der Sanktionen große Summen in dem südostasiatischen Land investiert.

152 Millionen Euro will das Unternehmen in den kommenden fünf Jahren in das Werk in einem Vorort von Yangon investieren, der größten Stadt des Landes. Insgesamt soll die Produktion 22.000 Menschen in verschiedenen Stufen der Versorgungskette Arbeit bringen.

Damit auch ja niemand die historische Bedeutung unterschätzt, war die ehemalige amerikanische Außenministerin Madeleine Albright gekommen. Sie galt vor der Öffnung als eine der schärfsten Kritikerinnen der birmanischen Militärjunta. Jetzt trank sie bei der feierlichen Eröffnung aus einem Cola-Fläschchen.

Die ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright bei der Eröffnung des Werks in Yangon

(Foto: dpa)

Von Wandel durch Handel sprach Coca-Cola-CEO Muhtar Kent bei der Veranstaltung, und bei so einem Thema ist für Bescheidenheit kein Platz: "Für die Menschen von Myanmar verkörpert Coca-Cola den Optimismus einer strahlenden Zukunft, mit dem Versprechen auf bessere Tage und besseres Leben. Wir sind privilegiert, ein Teil dieser Reise zu sein."

Bleibt die Frage, was sich wirklich wandelt. Wahlen gibt es, Oppositionsführerin Ang Syu Kyi ist nach insgesamt 15 Jahren Hausarrest frei und sitzt im demokratisch gewählten Parlament. Doch immer noch sollen mehr als zweihundert Regimegegner in Haft sitzen, buddhistische Mobs überfallen immer wieder Angehörige der muslimischen Minderheit. Die Armee geht brutal gegen ethnische Minderheiten vor, oder, wie vor kurzem, gegen Einwohner, die sich gegen eine chinesische Kupfermine auflehnen. Die Junta schützt solche ausländischen Direktinvestitionen auf brutale Weise.

Coca-Cola wurde schon seit Jahren aus Nachbarländern importiert. Seit die USA 1988 Sanktionen verhängt hatten, hatte das Unternehmen aber nicht mehr im Land abgefüllt - im Gegensatz zum Rivalen Pepsi, der sich erst 1996 dem öffentlichen Druck beugte und abzog. Jetzt gibt es wieder Coca-Cola frisch vom Werk in Myanmar. Dass sich Demokratie nicht in Flaschen abfüllen lässt, werden wohl noch viele Burmesen bei aller derzeitigen Euphorie schmerzlich erfahren.

Linktipp: Der Podcast Planet Money hat gerade Myanmar besucht und beobachtet, wie die Leute langsam wieder Vertrauen in das Bankensystem fassen - und wie sie zögerlich die ersten Geldautomaten nutzen.