Ein Kommentar von Michael Kuntz

Im italienischen Kleinwagen über den Highway - darauf haben die Amerikaner nur gewartet. Nicht nur darum wird es Fiat-Chef Sergio Marchionne schwer haben. Da reicht es nicht, charmant zu sein.

Fiat-Chef Sergio Marchionne traut sich was. Als Zwanzig-Prozent-Partner bei Chrysler will er den drittgrößten amerikanischen Autokonzern erst aus der Insolvenz und dann zu neuer Blüte führen.

Fiat, Chrysler, Sergio Marchionne; AP

Es könnte eng werden im Cinquecento: Auf Fiat-Chef Sergio Marchionne wartet eine große Fracht. (© Foto: AP)

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Angeblich warten die Amerikaner nur darauf, künftig mit niedlichen italienischen Kleinwagen wie dem in Polen produzierten Cinquecento über ihre achtspurigen Highways zu donnern. Noch vor den amerikanischen Käufern wird Marchionne aber die Chrysler-Händler davon überzeugen müssen, dass Amerika bisher auf etwas verzichten musste, was viele haben wollten.

Schon das könnte schwierig werden: Denn der amerikanische Autohändler ist freier als etwa der deutsche, vertritt oft mehrere Marken und muss nichts anbieten, wovon er nicht überzeugt ist. An Chrysler hat sich im Übrigen zuletzt sogar der Finanzinvestor Cerberus verhoben, obwohl er auch schon Zugriff auf europäisches Wissen seines Ex-Eigners Daimler erhielt und mit dem gefeuerten VW-Manager Wolfgang Bernhard einen Mann für radikale Lösungen beschäftigt hatte.

Nett und charmant sein, das allein kann Marchionne nicht davor bewahren, bei Chrysler zu scheitern - so wie vor ihm Jürgen Schrempp als Architekt einer Welt AG und der heutige Daimler-Chef Dieter Zetsche als Sanierer.

Der napoleonische Carlos Ghosn galt mehrere Jahre als der Mann für alle Problemfälle in der Autoindustrie. Heute ist er froh, wenn Renault und Nissan gemeinsam einigermaßen über die Runden kommen.

Fiat und Chrysler, das ist schon schwierig, Fiat plus Chrysler plus Opel - das würde noch schwieriger. Bei so viel Fracht im Cinquecento könnte wohl auch Marchionne den Kleinwagen nur noch mit Mühe in der Spur halten.

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(SZ vom 2. Mai 2009/bre)