Wie der Gasstreit zwischen Moskau und Kiew eskalierte.

Über Wochen und Monate hatte sich der Gasstreit zwischen Moskau und Kiew aufgeheizt. In der Nacht zum Mittwoch legten beide Seiten den Konflikt nun überraschend bei. Die Entwicklung der Krise im Zeitablauf:

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8. Juni 2005: Der russische Energiekonzern Gasprom kündigt an, das langjährige Sonderabkommen mit der Ukraine aufkündigen und den Gaspreis für das Nachbarland von 50 Dollar pro 1000 Kubikmeter auf "europäisches Niveau" anheben zu wollen.

8. Juli: Das russische Parlament fordert einstimmig radikale Gaspreiserhöhungen für ehemalige Sowjetrepubliken, die keine kremltreue Regierung mehr haben.

22. November: Moskau verlangt eine Preiserhöhung für die Ukraine von 50 auf 160 Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas. Kiew lehnt ab.

23. November: Die Ukraine kündigt an, notfalls Gas aus den Transitpipelines für sich abzuzweigen, wenn Russland ihr nichts mehr liefere. Gasprom-Vize Alexander Medwedew spricht von "Diebstahl" und "Piraterie".

13. Dezember: Gasprom-Chef Alexander Miller sagt, die Ukraine werde ab Januar 2006 kein Gas mehr erhalten, wenn sie die Preiserhöhungen nicht akzeptiere. Als Kompromiss schlägt er den Einstieg der Gasprom in die Bewirtschaftung der Transitpipelines durch die Ukraine vor.

14. Dezember: Die Ukraine will maximal 80 Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas zahlen. Gasprom erhöht seine Forderung daraufhin auf das Weltmarktniveau von 230 Dollar.

29. Dezember: Der russische Präsident Wladimir Putin will der Ukraine einen Kredit von 3,6 Milliarden Dollar einräumen, wenn diese die Weltmarktpreise bezahlt. Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko lehnt ab.

30. Dezember: Juschtschenko schlägt Putin vor, den Gaspreis bis zum 10. Januar auf bisherigem Niveau zu lassen und die Verhandlungen fortzuführen. Gasprom lehnt ab.

31. Dezember: Putin schlägt vor, die Ukraine drei Monate lang zum bisherigen Preis zu beliefern, wenn diese danach den verlangten Weltmarktpreis zahlt. Kiew lehnt ab.

1. Januar 2006: Gasprom stellt seine Gaslieferungen an die Ukraine ein.

2. Januar: Gasprom beschuldigt Kiew, 118,7 Millionen Kubikmeter Gas aus den Lieferungen nach Europa für sich abgezweigt zu haben. Die Ukraine dementiert, droht diesen Schritt jedoch an. In Westeuropa kommt es zu Lieferausfällen. Die EU ruft beide Länder zu Verhandlungen auf.

3. Januar: Russland erhöht seine Liefermengen wieder; die Lage in Europa normalisiert sich. Am Abend kommen Vertreter der Gasprom und des ukrainischen Energiekonzerns Naftogas in Moskau zu Gesprächen zusammen.

4. Januar: Die Unternehmen einigen sich in der Nacht auf einen Kompromiss: Der russische Gaspreis beträgt rückwirkend zum 1. Januar 2006 pro 1000 Kubikmeter 230 Dollar; durch Beimengungen von Gas aus Zentralasien wird die Ukraine jedoch tatsächlich nur 95 Dollar pro 1000 Kubikmeter bezahlen.

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(sueddeutsche.de/AFP)