Interview: Melanie Ahlemeier, Stefan Braun und Thorsten Denkler

Niedersachsens Ministerpräsident Wulff über dilettantische Manager und wie viel die Rettung einer Bank kosten darf.

Christian Wulff, 49, ist seit 2003 Ministerpräsident von Niedersachen und seit 1998 stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU. Er gehörte lange zu dem Kreis der CDU-Ministerpräsidenten, die für eine Kanzlerschaft in Frage kommen könnten. Das änderte sich, als er im vergangenen Jahr ankündigte, schon deswegen nicht Kanzler werden zu wollen, weil er nicht glaube, dass er das könne. Kurz zuvor hatte er das Amt des CDU-Landesvorsitzenden an Fraktionschef David McAllister übergeben.

Christian Wulff, Foto: ddp

Christian Wulff ist Ministerpräsident in Niedersachsen - und will auch dort bleiben. (© Foto: dpa)

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sueddeutsche.de: Herr Wulff, viele gescheiterte Manager fordern trotz hoher Verluste ihrer Unternehmen schamlos Millionen-Abfindungen und Boni ein. Wie erklären Sie denen, was Moral ist?

Christian Wulff: Aufsichten haben versagt, Banken haben Produkte gekauft und verkauft, die sie nicht verstanden haben. Alle Eliten - in Banken, Aufsichtsbehörden und Politik - sind mitverantwortlich für die Krise. Jeder sollte sich in Demut und im Rahmen seiner Verantwortung entschuldigen. Das ist die entscheidende Voraussetzung dafür, verlorengegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.

sueddeutsche.de: Und dann wird alles gut?

Wulff: Nein. Man kann jetzt schon wieder sehen, wie die Grundlagen für eine neue Krise gelegt werden.

sueddeutsche.de: Sie meinen die Milliarden an neuen Staatsschulden für die Konjunkturpakete.

Wulff: Ich wundere mich, wie ich diffamiert werde, wenn ich sage, dass die Finanzkrise nicht allein mit Geld bekämpft werden kann. Wir müssen wieder mehr auf Werte wie Nachhaltigkeit, Sparsamkeit und Berechenbarkeit achten. Was einzelne Manager gezeigt haben, war Inkompetenz gepaart mit Dilettantismus. Ein Politiker wird für die kleinste Verfehlung zu Recht in die Wüste geschickt. Und einige Banker meinten, dass über ihnen nur der Himmel ist.

sueddeutsche.de: Die Hypo Real Estate scheint wie ein schwarzes Loch Milliarden an Steuergeld zu verschlingen. Wie viel darf die Rettung einer Bank kosten?

Wulff: So wenig wie möglich. Bei der Hypo Real Estate ist die Abwägung klar: Ihr Bankrott würde mehr kosten als ihre Erhaltung.

sueddeutsche.de: Ex-HRE-Chef Georg Funke ist auch so ein gescheiterter Manager, der seine Millionen nicht missen will. Er beharrt auf einer Forderung von 3,5 Millionen Euro. Ist das Gier oder sein gutes Recht?

Wulff: Ich habe dafür kein Verständnis. Selbst ich - ich bin ja kein Fachmann - habe schon früh verstanden, dass das Geschäftsmodell der HRE mit enormen Risiken verbunden ist. Die Blase musste platzen. Aber Herr Funke hat alles auf eine Karte gesetzt. Er hat das Unternehmen riskiert und Vermögen vernichtet - und zwar nicht nur das Vermögen der Eigentümer des Unternehmens, sondern der Gesellschaft.

sueddeutsche.de: Bei welchem Betrag ist Schluss für die HRE?

Wulff: Es wäre verwegen, über solche Grenzen eine Debatte zu führen. Es muss alles dafür getan werden, diese Bank zu retten. Letztlich hängt an der Hypo Real Estate auch ein Teil des guten deutschen Pfandbriefmarktes. Wir nehmen die Hypo Real Estate in staatliche Obhut, um das Geld der kleinen Leute zu schützen.

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