China und Russland Zölle auf Stahl

Die EU-Kommission reagiert auf Dumping-Vorwürfe hiesiger Konzerne.

Die europäischen Stahlkonzerne hatten sich Strafzölle auf Billigimporte aus China und Russland gewünscht, nun reagiert die EU-Kommission. Sie wolle bestimmte Stahlerzeugnisse aus beiden Ländern vorläufig mit Einfuhrzöllen belegen, teilte die Brüsseler Behörde am Freitag mit. Bei drei weiteren Stahlprodukten aus China leitete sie zudem Anti-Dumping-Untersuchungen ein. Dabei soll festgestellt werden, ob ausländische Erzeugnisse in Europa zu einem künstlich niedrigen Preis verkauft werden. Die Zölle für die chinesischen Importe liegen zwischen 13,8 und 16 Prozent, für russische Einfuhren zwischen 19,8 und 26,2 Prozent.

Die Branche leidet unter einem Verfall der Stahlpreise, besonders Konzerne wie Arcelor-Mittal und Thyssen-Krupp haben zu kämpfen. Der deutsche Marktführer meldete beispielsweise am Freitag, seine Stahlsparte habe im letzten Quartal 2015 einen Verlust von 23 Millionen Euro gemacht. "Wir sehen sehr deutlich, dass die Verschlechterung unseres Ergebnisses aus den Stahlmärkten kommt", sagte Finanzchef Guido Kerkhoff. Es gebe aber Anzeichen, dass bei den Preisen der Tiefpunkt erreicht sei.

Deutschland und sechs weitere Länder hatten Brüssel kürzlich in einem Brief aufgefordert, gegen "unfaire Handelspraktiken" vorzugehen. EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström betonte mit Blick auf die jetzt getroffenen Entscheidungen: "Wir können nicht zulassen, dass unfaire Konkurrenz durch künstlich billige Importe unsere Industrie bedroht." Die europäischen Stahlunternehmen werfen vor allem China vor, den Weltmarkt mit Stahl zu überfluten. Die Chinesen, so der Vorwurf, verkauften in Europa zu Preisen, die unter den Produktionskosten lägen. Am Montag wollen Arbeiter aus europäischen Stahlwerken gemeinsam mit Managern der Konzerne bei der EU-Kommission gegen diese Handelspraxis demonstrieren. Auch die EU müsse sich mit Zöllen gegen die Importe schützen, wie sie auch von den USA eingeführt worden seien.