China Peking macht Reporter für Börsen-Crash verantwortlich

  • Ein Reporter soll die jüngsten Turbulenzen an der chinesischen Börse verschuldet haben. Nach Angaben der chinesischen Staatsmedien habe er bereits "gestanden".
  • Zudem hat die Regierung in Peking fast 200 Menschen wegen angeblicher Verbreitung von Gerüchten im Internet bestraft.
  • Die chinesischen Börsen sind am Montag wieder auf Talfahrt gegangen.

Geständnisse nach Börsenturbulenzen

Ein Finanzjournalist hat nach Angaben der chinesischen Staatsmedien inzwischen "gestanden", durch seine Berichterstattung über Wertpapiere und Termingeschäfte die jüngsten Turbulenzen an der chinesischen Börse verschuldet zu haben. Wang Xiaolu von der Zeitschrift Caijing habe zugegeben, dass die von ihm verbreiteten "falschen Informationen" zu "Panik und Unruhe" an den Aktienmärkten geführt und das Vertrauen der Anleger "ernsthaft untergraben" hätten, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Damit habe er dem Staat und den Investoren große Verluste verursacht. Wang war nach dem jüngsten Börsencrash wegen Verbreitens falscher Informationen festgenommen worden.

Der Nachrichtenagentur zufolge räumten zudem mehrere Verdächtige ein, Insiderhandel begangen zu haben. Demnach sind ein Mitarbeiter der Börsenaufsicht und vier hochrangige Manager des größten chinesischen Brokerhauses Citic betroffen.

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Was die chinesische Regierung als Gerüchte definiert, betrifft die Arbeit vieler Journalisten. Denn oft handelt es sich bei den angeblichen Gerüchten schlicht um schlechte Nachrichten - und die sind nicht erwünscht. Aktienanalysten die zu negativ über die jüngsten Börsenturbulenzen berichten, wissen: es drohen Konsequenzen. Die Staatsführung hat großes Interesse an stabilen und hohen Börsenkursen, weil nur so das Geld der Kleinanleger weiter an die Märkte strömt.

Strafen für Online-Gerüchte

Die chinesische Regierung hat 197 Menschen wegen angeblicher Verbreitung von Gerüchten in Internet bestraft. 165 Online-Konten seien gesperrt worden, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Strafen gab es unter anderem für die Veröffentlichung des Gerüchts, dass "ein Mann in Peking wegen des Kurssturzes an den Börsen in den Tod gesprungen ist".

Geahndet wurde zudem die Information, dass "mindestens 1300 Menschen durch die Explosionen von Tianjin getötet" worden seien. Offiziell liegt die Zahl der Toten bei der Katastrophe vom 12. August bei 150. Die Behörden versuchen schon seit zwei Jahren, gegen die Verbreitung von Gerüchten im Internet vorzugehen. Nun war bei Xinhua die Rede von einer Sonderkampagne. Es blieb aber unklar, wie lange diese dauerte.

Vor zwei Jahren wurde in China ein neues Gesetz eingeführt, wonach die Verbreitung von Gerüchten mit einer Freiheitsstrafe von drei Jahren geahndet werden kann, wenn Beiträge im Internet mehr als 500 Mal geteilt oder 5000 Mal angesehen werden. Menschenrechtler kritisieren die immer schärfen Internetregeln im Land.

Chinas Börsen sacken wieder ab

Die chinesische Regierung muss derzeit mit vielen negativen Nachrichten umgehen. Die Aktienmärkte des Landes sind seit Juni um etwa 40 Prozent gefallen, weil sich das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt abkühlt und die Landeswährung Yuan im August überraschend abgewertet wurde.

Am Montag setzte sich die Talfahrt an der Börse fort: Zwar eröffnete der wichtige Shanghai Composite Index nur leicht mit einem Minus von 0,89 Prozent, fiel aber innerhalb von einer Stunde um etwa drei Prozent. Ähnlich erging es dem Shenzhen Component Index. Der ChiNext für Technologiewerte, der dem Nasdaq in den USA ähnelt, fiel sogar um mehr als drei Prozent.

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