Chef für Vatikanbank gesucht Heiliger Schleudersitz

Die geheimnisumwitterte Vatikanbank sucht einen neuen Chef. Als Favorit gilt wie bereits 1999 und 2006 ein Deutscher: Hans Tietmeyer war Bundesbankpräsident und soll der Vatikanbank endlich die Aufnahme auf die "Weiße Liste" der OECD sichern. Tietmeyer selbst weist die Spekulationen jedoch zurück.

Von Ulrike Sauer, Rom, und Helga Einecke, Frankfurt

Nun schlägt die Stunde von Hans Tietmeyer. Der frühere Bundesbankpräsident, 81, ist wieder dran - als Wunschkandidat für den Chefposten der geheimnisumwitterten Vatikanbank IOR. Sein offizieller Titel lautet: "aussichtsreichster Kandidat". Nun schon zum dritten Mal. Wie 1999 und 2006 wird in Italien eifrig über einen bevorstehenden Wechsel des Deutschen an den Heiligen Stuhl spekuliert. Bei den Tietmeyers nahm man das Gerede stets mit erstaunter Belustigung auf.

Hans Tietmeyer, ehemaliger Präsident der Bundesbank, gilt als Favorit für den Chefposten der Vatikanbank. "Da ist nichts dran", sagt der Umworbene jedoch selbst.

(Foto: DPA/DPAWEB)

Im Vatikan ist man von dieser Gelassenheit himmelweit entfernt. Nach dem Ausbruch des Enthüllungsskandals Vatileaks regieren im Zentrum der katholischen Weltkirche Angst und Chaos. Und ausgerechnet jetzt muss Papst Benedikt XVI. einen Nachfolger für IOR-Chef Ettore Gotti Tedeschi suchen, der am vergangenen Donnerstag vom Aufsichtsrat der Bank gefeuert worden ist. "Die Entscheidung wird nicht schnell fallen", heißt es hinter den Mauern des Kirchenstaats. Es gäbe weder eine Kandidatenliste noch einen engeren Kreis und schon gar keinen Favoriten für die Gotti-Nachfolge, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters. So füllen Spekulationen das Vakuum.

Dabei drängt die Zeit. Die Augen internationaler Kontrollorganisationen sind im Moment auf die Papstbank gerichtet. Der Vatikan bemüht sich seit drei Jahren um eine Aufnahme auf die "Weiße Liste" der OECD, die eine Beachtung der Vorschriften im Kampf gegen Geldwäsche und Steuerbetrug attestiert. Nun wartet man darauf, dass der europäische Rat Moneyval grünes Licht gibt. Die Entscheidung soll bis Juli fallen.

IOR-Chef Gotti Tedeschi war am vergangenen Donnerstag aus seinem Amt entfernt worden wegen seines Versagens in der Bankführung, wie es in einer knappen Begründung hieß. Der Aufsichtsrat des Instituts aber führte in einem internen Schreiben neun Gründe für das Misstrauensvotum an. Es handelt sich um ein Schriftstück ungekannter Härte, das den 67-jährigen Banker erledigte und von der Mailänder Tageszeitung Corriere della Sera veröffentlicht wurde. Gotti, der über exzellente Medienkontakte verfügt, ließ die Angriffe nicht auf sich sitzen: "Ich bezahle für die Transparenz."

Tietmeyer weiß von nichts

Er war 2009 von Ratzinger berufen worden. Der Finanzethikprofessor erhielt den Auftrag, das abgeschottete Finanzinstitut zu öffnen und zu reformieren. Der Weg zur päpstlich gewünschten Transparenz erwies sich aber als weit und hindernisreich. Als Grund für Gottis Entlassung führte der Aufsichtsrat auch dessen "Unfähigkeit" an, "Erklärungen für die Verbreitung von Dokumenten aus seinem Besitz zu liefern". Dabei ging es um geheime Unterlagen, die das Anti-Geldwäschegesetz betrafen. Jenes Gesetz, das der Vatikanbank den Weg auf die "weiße Liste" ebnen soll.

Tietmeyer, der Mitglied der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften ist, kommentierte die Spekulationen gegenüber der Süddeutschen Zeitung gelassen. "Da ist nichts dran", sagte er. Man habe ihn gar nicht kontaktiert.