Chef des Baukonzerns Bilfinger Roland Koch schmeißt hin

Roland Koch, der ehemalige Ministerpräsident Hessens - bald auch ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Bilfinger.

(Foto: dpa)

Sein Wechsel von der Politik in die Wirtschaft ist vorerst gescheitert: Als Chef des Baukonzerns Bilfinger musste der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch einen Konzern umbauen - doch das misslang. Nun tritt er zurück.

Von Karl-Heinz Büschemann

Er wollte zeigen, dass das Umsatteln eines Politikers auf einen führenden Posten in der Wirtschaft möglich ist. Er wollte zeigen, dass Politik und Wirtschaft keine völlig voneinander getrennten Welten sind. Doch jetzt ist Roland Koch am Ende seiner zweiten Laufbahn.

Der 56-jährige ehemalige Ministerpräsident von Hessen, der vor drei Jahren Vorstandschef des Baukonzerns Bilfinger geworden ist, muss gehen. Der Ex-Politiker hat dem Aufsichtsrat angeboten, zu einer "einvernehmlichen Trennung" zu kommen. Die offizielle Entscheidung fällt im Kontrollgremium an diesem Donnerstag. Vorübergehend soll der frühere Vorstandsvorsitzende Herbert Bodner, der heute Mitglied des Aufsichtsrates ist, den Chefposten wieder übernehmen.

Die Entscheidung Kochs, sein Amt als Chef des Baukonzerns abzugeben, kommt überraschend. Sie steht aber in Zusammenhang mit unbefriedigenden Zahlen in dem Unternehmen, das zuletzt stark umgebaut worden war. So hat der Vorstand am Montag entschieden, die erst am 30. Juni veröffentlichte Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2014 schon wieder zu senken - auf 205 bis 220 Millionen Euro, 25 Millionen weniger als zuletzt.

Bereits im Juni hatte Koch eine Gewinnwarnung herausgeben müssen. Danach war es zu einem heftigen Kurseinbruch gekommen. Der Preis der Bilfinger-Aktie hat seitdem mehr als ein Viertel eingebüßt. Koch hatte offenbar nicht mehr genügend Rückhalt im Aufsichtsrat, der von dem früheren Vorstandssprecher der Dresdner Bank, Bernhard Walter, geführt wird.

Gescheiterte Karriere in der Wirtschaft

Koch erklärte zu seinem Rücktritt, für ein Unternehmen wie Bilfinger sei Berechenbarkeit am Kapitalmarkt "ein wichtiges Gut". Durch zwei kurz aufeinanderfolgende Gewinnwarnungen, für die er als Vorstandsvorsitzender einstehe, sei dieses Vertrauen erschüttert. "Ich hoffe, mit meinem Angebot eine schnelle Normalisierung herbeiführen zu können". Er habe auch feststellen müssen, dass er nicht mehr die volle Unterstützung im Aufsichtsrat hatte. "Wesentliche Teile des Aufsichtsrates" und er hätten bei der Beurteilung der nötigen Maßnahmen "nicht ausreichend" übereingestimmt.

Seitensprünge zahlen sich aus

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Der Aufsichtsratsvorsitzende Walter gab eine nüchterne Erklärung ab. "Ich betrachte das von Roland Koch vorgeschlagene Vorgehen im Unternehmensinteresse als fair, es verdient meinen großen Respekt." Der Dank gelte "auch seiner Arbeit in den letzten drei Jahren".

Damit ist die Karriere des Ex-Politikers in der Wirtschaft erst einmal gescheitert. Koch hatte sich zur Aufgabe gemacht, aus dem ursprünglichen Baukonzern ein Unternehmen zu machen, das sich im Wesentlichen um Serviceleistungen kümmern sollte. Doch dieses Geschäft ist von hartem Wettbewerb geprägt. Das Unternehmen Bilfinger, das gut 70 000 Mitarbeiter hat und 2013 einen Umsatz von 8,4 Milliarden Euro machte, war zudem in die Turbulenzen der Energiewende geraten. Stromversorger im In- und Ausland hatten in großem Umfang Aufträge storniert.

Sparprogramm mit massivem Arbeitsplatzabbau

Koch musste ein Sparprogramm mit massivem Arbeitsplatzabbau verkünden. Außerdem hatte er es mit einem anspruchsvollen Großaktionär zu tun. Im Oktober 2011, nur wenige Monate nach seinem Einzug ins Chefbüro, hatte der Finanzinvestor Cevian mitgeteilt, dass er 13 Prozent der Stammaktien von Bilfinger Berger erworben hatte. Die Schweden erhöhten ihren Anteil später auf über 20 Prozent.

Koch, der zu den erfolgreichsten CDU-Politikern der jüngeren Vergangenheit zählte, hatte im Mai 2010 für Aufsehen gesorgt, als er bekannt gab, sich aus der Politik zurückzuziehen. Sein Ministerpräsidenten-Amt gab er im August 2010 ab, im November trat er als stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU zurück. "An einem bestimmten Punkt tritt für Politiker ein Verschleißprozess ein, der größer ist als seine Gestaltungsmacht", erklärte der Politiker nach elf Jahren als Ministerpräsident. Experten interpretierten Kochs Rückzug aus der Politik als folgerichtigen Schritt eines noch ausreichend jungen Mannes, der keine Chancen mehr hat, doch noch als Nachfolger von Angela Merkel Bundeskanzler zu werden.

Wie lange Ex-Bilfinger-Chef Bodner nun an der Konzernspitze bleiben muss, ist offen. Der 66-jährige Österreicher hatte von 1999 an Bilfinger geleitet und umgebaut. Unter seiner Führung war das traditionsreiche Unternehmen in eine massive Krise geraten, als 2009 das Kölner Stadtarchiv beim U-Bahn-Bau einstürzte und zwei Menschen in den Tod riss. Bilfinger Berger wurde stark kritisiert. Roland Koch war damals noch in der Politik. Jetzt endet auch seine Zeit als Unternehmenschef - und zwar deutlich schneller als erwartet.