Am sonst so kritikfreudigen CDU-Wirtschaftsrat zeigt sich: Geschlossenheit ist in Wahlkampfzeiten die große Tugend der Union.
Noch vor wenigen Wochen hätte niemand Bundeskanzlerin Angela Merkel geraten, mal kurz in der Luisenstraße 44 in Berlin-Mitte vorbeizuschauen. Hier sitzt, kaum einen Kilometer vom Bundeskanzleramt entfernt, der Wirtschaftsrat der CDU mit seinem Vorsitzenden Kurt Joachim Lauk. Der 62-Jährige ist ein Wirtschaftsliberaler, wie er im Buche steht. Er lehnte schon früh jede Hilfe für den Autobauer Opel ab. Staatsbeteiligung schloss er aus. Und Bürgerschaften könne es nur bei einem tragfähigen Zukunftskonzept geben. Opel aber werde "auf Dauer nicht in der Lage sein, profitabel zu arbeiten".
Bierdeckel auf einem Parteitag der CDU: Vor der Bundestagswahl macht die Union auf Harmonie - selbst in einst kontrovers diskutierten Fragen. (© Foto: dpa)
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Auch die gesetzlich jetzt mögliche Enteignung der angeschlagenen Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) fand der Baden-Württemberger falsch. Die wäre "Verrat am Profil der Union". Unions-Stammwähler könnten dadurch "größtmöglich" irritiert werden - dies hätte zur Folge, dass die FDP die 20-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl im September überspringe.
Zuletzt irritierte Lauk die Bundes-CDU mit dem Entwurf eines eigenen Wahlprogramms, in dem der Wirtschaftsrat für massive Steuersenkungen in der kommenden Legislaturperiode eintritt. Dieses Programm wurde zu einem Zeitpunkt präsentiert, als die Frage in der CDU gerade höchst umstritten war und die Kanzlerin sich zurückhielt.
An diesem Dienstag jedoch, zwei Tage nach der Europawahl und 110 Tage vor der Bundestagswahl, zeigte sich Lauk so handzahm wie lange nicht. Dabei läuft es gar nicht im Sinne des Wirtschaftsrates. Der Staat hat die HRE per Kapitalaufstockung quasi übernommen. Opel bekommt Milliardenhilfen alleine dafür, dass die Verhandlungen zwischen dem Investor Magna und dem US-Autokonzern General Motors weiterlaufen können. Und Steuersenkungen will die CDU zwar versprechen, aber ohne einen Zeitplan zu nennen.
"Privat geht vor Staat"
In der Jahrespressekonferenz des Wirtschaftsrates aber vermeldete Lauk Zufriedenheit - sowohl mit dem Krisenmanagement der Kanzlerin in Sachen Opel, als auch mit der Arbeit des CSU-Wirtschaftsministers Karl-Theodor zu Guttenberg. Gerade dies mutet ein wenig schizophren an, hat doch Guttenberg praktisch eins zu eins die Positionen des Wirtschaftrates vertreten, während ihn Merkel bei der Opel-Rettung hat auflaufen lassen.
Grundsätzlich bleibe er dabei, der Staat sei kein Unternehmer, sagte Lauk zwar und "Privat geht vor Staat". Aber Opel sei eben ein Ausnahmefall. Und die HRE sei auch ein Ausnahmefall. Außerdem sei es eben so gelaufen. "Jetzt ist es wichtig, nach vorne zu gucken." Also auf den Termin für die Bundestagswahl am 27. September.
Der Handelskonzern Arcandor ist für Lauk übrigens kein Ausnahmefall. Dabei stehen dort mit über 50.000 Mitarbeitern doppelt so viele Stellen auf dem Spiel wie bei Opel.
Kritik zwischen den Zeilen
Lauks Kriterien für staatliche Hilfe sind andere: Das Unternehmen müsse unverschuldet und krisenbedingt auf Schlingerkurs geraten sein. Und es müsse eine realistische Chance geben, dass das Unternehmen wieder auf geraden Kurs komme. Beides könne er bei Arcandor nicht erkennen. So sehen es dieses Mal allerdings auch Merkel und Guttenberg in großer Einmütigkeit. Und selbst die SPD scheint den Glauben an die Macht von Staatsgeld nach dem Europawahldebakel etwas verloren zu haben.
Immerhin, in der Frage der Steuersenkungen bleibt Lauk hart. In der kommenden Legislaturperiode müssten sie kommen, dann, wenn die Wirtschaft wieder brummt. Er rechnet damit spätestens in der zweiten Hälfte der Wahlperiode, also ab 2011. Vorher jedoch müsse es eine umfassende Steuerstrukturreform geben.
Wer an diesem Tag kritische Anmerkungen zu Merkels Politik hören will, der muss schon zwischen den Zeilen lesen. Etwa als Lauk gefragt wird, wie es denn um die Personalie Friedrich Merz stehe, dem von Merkel kaltgestellten letzten prominenten Wirtschaftspolitiker der CDU. Merz, der auch im Präsidium des Wirtschaftsrates sitzt, ist irgendwie ins Gespräch gekommen, deutscher EU-Kommissar in Brüssel zu werden.
Lauk sagte sehr deutlich: "Merz wäre eine schlagkräftige Besetzung." Dann fügt er verklausuliert hinzu: "Ich stehe aber unter dem Eindruck, dass es bei den dafür relevanten Personen kein Interesse gibt, dass er zum Zuge kommt." Die einzige relevante Person, die für Merz ein Interesse zeigen müsste, heißt: Angela Merkel.
- Opel-Rettung Der Widerstand wächst 31.05.2009
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(sueddeutsche.de/tob)
Streit um Parteispitze bei der Linken
Wirtschaftskriminalität-Bafin warnte rechtzeitig
Die Warnung der Bafin war rechtzeitig auf dem Tisch wurde allerdings von den Verantwortlichen nicht zur Kenntnis genommen. Offensichtlich hat man diese Erkenntnisse bewusst unter den Tisch fallen lassen. Armes Deutschland-Kriminelle bekommen auch noch staatliche Hilfe für Betrügereien. Überbewertungen von marof den Immobilien von 180 %- die Berater -Verkäufer und Verantwortlichen der HRE wussten genau was sie taten. Die Täter bekommen Abfindungen zurück bleiben hundertausende betrogene Anleger und der Staat segenet das ganze noch ab. Die Täter tragen Schlips- Liebe Politiker- Sie beklagen die geringe Wahlbeteiligung bei der EU Wahl? Jemanden wählen heisst Jemandem vertrauen. Wer die Menschen so belügt verdient keine Stimme.
ManagerSOS Karin Schneider
Mag sein, dass Herr Merz der bessere Wirtschaftsminister wäre - aber der allein würde nicht reichen. Die Probleme liegen tiefer als bei Opel, HRE und Arcandor zusammen. Noch gar nicht mit einbezogen sind ja Gesetze, die die Wirtschaft (insbesondere Startups und Kleinunternehmer) eher behindern als voran bringen. Und damit meine ich wohlgemerkt nicht die Abschaffung des Kündigungsschutzes - was ja wohl ein Lieblingsthema der CDU zu sein scheint. Es hilft auch nicht immer mehr Geld in das System zu pumpen!
Die sind Dinge, die uns in diesem Jahr zusätzlich herunterziehen (neu hinzugekommen z.B. die Verpackungsverordnung).
Nein, diese Partei hat für mich keine Wirtschaftskompetenz (vielleicht in Sachen Dinosaurierwirtschaft). Aber ansonsten gibt es zu viel Bürokratie, zu komplizierte Steuergesetze, immer mehr Abgaben, immer mehr "Beauftragte" in den Betrieben, zu viele Fallen (Abmahnwahnsinn, etc.).
Arbeitnehmer- und Kundenschutz sind genau so wichtig. Aber manchmal hat man den Eindruck hier herrscht nur noch Willkür!
"Zeigt sich handsam: der Vorsitzende des CDU-Wirtschaftsrats,"
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Was ist "handsam"? Oder sollte es "handsome" heißen? Nu ja, jedem sein Schönheitsideal.
Ich mag den Merz menschlich nicht.
Das sollte aber kein Hindernis sein, seine Kompetenz dort zu nutzen, wo es weiterhilft.
Vielleicht hat man in der CDU-Führung Angst vor kompetenten Leuten.
Die könnten möglicherweise rücksichtslos im eigenen Intetresse die Inkompetenz
manches politischen Kopfes aufdecken und so doch mehr schaden als Nützen.
Wenn ich es richtig einordne, ist wohl der CDU-Wirtschaftsrat das schlechte Gewissen
dieser Partei, das man irgendwo weggesperrt hat und nur von zeit zu zeit besucht.
Ein Ohr hat man für ihn nur ausnahmsweise.
Oder kann man das auch anders verstehen?
Paging