Carsten Maschmeyer und die Hannover-Connection Wulffs Revier

Hauptsache prominent: Der Fall Wulff gewährt den Deutschen Einblick in ein Netz von Unternehmern, Politikern und Wissenschaftlern. Und mittendrin sitzt Carsten Maschmeyer, ein Mann, der sich von ganz unten hochgearbeitet hat. Wie der Aufsteiger in Hannover Karrieren förderte - auch die des heutigen Bundespräsidenten.

Von Hans-Jürgen Jakobs

Er wollte doch nur helfen. So wie es Usus ist in "seinem" Hannover, der Hauptstadt Niedersachsens. Und da hatte nun mal sein Freund, der Ministerpräsident, im Herbst 2007 ein gewisses Problem, weil dessen Gesprächsband "Besser die Wahrheit" im Buchhandel den Status von Altpapier zu bekommen drohte - und was lag da näher, als rasch für fast 43.000 Euro ein paar verkaufsfördernde Anzeigen in regionalen Blättern wie der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung zu schalten?

"Der nächste Kanzler muss ein Niedersachse sein", lautete der Slogan einer Anzeigenkampagne, die Carsten Maschmeyer (rechts) im Landtagswahlkampf 1998 zugunsten des SPD-Kandidaten Gerhard Schröder finanzierte. Christian Wulff, Schröders damaliger Rivale, gab sich entrüstet. Im Jahr 2007 leistete Maschmeyer dann Hilfe für den Wahlkämpfer Wulff. Er habe hiervon nichts gewusst, sagt Wulff nun. Damals zeigten sich die beiden gern Seite an Seite.

(Foto: dapd)

Schließlich sollten doch alle mitbekommen, was der zur Wiederwahl im Januar 2008 kandidierende Christdemokrat Christian Wulff an Wahrem zu verkünden hatte. Weil derzeit der zum Bundespräsidenten aufgestiegene Wulff im Zentrum einer eifrigen Affärenberichterstattung rund um seine Privatgeschäfte steht, die womöglich so privat gar nicht waren, kam auch die Buchpromotion ans Licht der Öffentlichkeit - und damit Neues von Carsten Maschmeyer, 52.

Die Deutschen nehmen wieder mal Einblick in ein eigenartiges Netzwerk der Gefälligkeiten und Eitelkeiten, das Politiker genauso einschließt wie Unternehmer, Künstler und Wissenschaftler. Hauptsache: prominent. Mitten drin sitzt Carsten Maschmeyer als ein Mann, der sich von ganz unten hochgearbeitet hat, auf die ganz harte Tour des Chefs eines Strukturvertriebs, der Vertreter erfolgreich dazu animiert hat, immer mehr Versicherungspolicen, Immobilienfonds und andere Geldprodukte zu verkaufen - und der bei Motivationsterminen den Einpeitscher gab oder schon mal auf dem Elefanten einritt. So brachte es der Gründer des Allgemeinen Wirtschaftsdiensts (AWD) zum Milliardär. Irgendwann konnte er sich alles leisten, vor allem den menschlichen Umgang mit Größen der Republik, die der normale Bürger vom Fernsehen oder von der Zeitung kennt.

Seit einiger Zeit ist Maschmeyer mit dem TV-Star Veronica Ferres liiert. Er hat in Hannover wie selbstverständlich mit der Rockband Scorpions zu tun oder mit Jürgen Großmann, dem Noch-Chef des RWE-Konzerns und Eigentümer des Stahlwerks Georgsmarienhütte. Im Weinkeller von Maschmeyers Villa am Maschsee in Hannover seien Industriefusionen besprochen worden und Ideen zur Agenda 2010 entstanden, offenbarte er in einem Porträt in der Welt am Sonntag - das er danach bereute, weil verdächtig viel von 300 Jahre alten Eichentüren, einem Butler in der Funktion eines "Happymakers" und von einem "Garagenwein" für 7000 Euro die Rede war, den man am besten erst gar nicht herausholt.

Es war die Selbstenthüllung eines sozialen Aufsteigers, der nach all den Millionen auf den Konten nur noch eins will: Schulterklopfen. Das Phänomen Maschmeyer ist ohne die Gier nach Gunst nicht zu verstehen, eine Gier, die er mit viel Geld geflutet hat. Je höher der Rang des Bewunderers, desto zufriedener der Häuptling der "Hannover-Connection".

Eine geradezu unheimliche Nähe ist da entstanden, eine Kohäsion des Erfolgs, die seinesgleichen sucht. "Ich habe eher den Ruf, großzügig zu sein", sagt Maschmeyer von sich. So einer will einfach immer helfen - und dafür geliebt werden. Unterschiede zwischen CDU und SPD macht er dabei nicht.

Dem Sozialdemokraten Gerhard Schröder, einem langjährigen Wulff-Antipoden, hat er 1998 im damaligen Landeswahlkampf auch eine Anzeigenserie spendiert, für 650.000 Mark, und zwar mit der griffigen Aussage: "Der nächste Kanzler muss ein Niedersachse sein." So wollte Maschmeyer den ihm viel zu links orientierten Oskar Lafontaine als SPD-Kanzlerkandidaten verhindern, was ja auch klappte: Schröder wurde Regierungschef der Republik. Seinen Gönner, der eigentlich unbekannt bleiben wollte, hat der Kanzler dann vor zehn Jahren bei einer Weihnachtsfeier kennengelernt und 2004 auf einer AWD-Veranstaltung die Ehre gegeben, was die anwesenden Vertriebsleute verzückte.