Von jenen in der Mitte wurde im Wahlkampf viel geredet. Doch gedacht wird in der Politik vor allem von den Rändern her. In der Mitte wird dann abkassiert - das muss sich ändern.
Deutschland ist eine Demokratie, alle Staatsgewalt geht vom Volke aus, Artikel 20 Absatz 2 des Grundgesetzes. Am spektakulärsten äußert sich der Souverän bei Bundestagswahlen, aber er darf nur Kreuzchen machen und keine weiteren Handlungsanweisungen geben. Also wäre es schön, wenn er Alternativen hätte. Das ist am Sonntag in einer Woche eindeutig der Fall - dank der Linkspartei.
Damit die Deutschen kräftig Geld ausgeben und das Wachstum ankurbeln, brauchen sie mehr Geld in der Tasche - durch niedrigere Steuern. (© Foto: Reuters)
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Sie bietet sich als Begleiter in ein anderes Deutschland an, eines, das Geld übrig hat für fast alle. Für Arbeitslose, Geringverdiener, Rentner, Kinder, Ökofirmen soll ein Nachschlag drin sein. Nur nicht für die Besserverdiener, Erben, Unternehmer: Die müssten das alles nämlich bezahlen.
Schätzungen beziffern das Wunschkonzert der Linken auf 300 Milliarden Euro; so viel wie der jährliche Bundeshaushalt. Woran man schon erkennt, von den Kollateralschäden in der Wirtschaft ganz abgesehen, dass wir uns bei aller erfrischenden Exklusivität der Gedanken von Oskar Lafontaine und Gregor Gysi fernab der Realität bewegen.
Am Ende richtet sich der Blick dann doch wieder auf die Kandidaten der Volksparteien, Angela Merkel (CDU) und Frank-Walter Steinmeier (SPD). Die freilich versprechen in aller Eintracht ein "Weiter so", womöglich gar in der großen Koalition. Das könnte beruhigend wirken - wenn, ja wenn einer tatsächlich mit der bisherigen Politik zufrieden wäre.
Nicht einmal dann aber wird es für die Zukunft reichen. Was von vier Jahren schwarz-rote große Koalition bleibt, ist das reibungslose Reagieren auf die Finanzkrise. Selbst da aber konzentrierte sich die Koalition aufs Spendieren von Rettungsmilliarden, Bürgschaften und Konjunkturprogrammen: Strukturelle Entscheidungen, gar unbequeme Maßnahmen zur Sicherung der Zukunft waren Fehlanzeige. Das gibt wenig Hoffnung für die kommenden vier Jahre.
Die neue Regierung wird die Krise erben. Selbst wenn die Banken aus dem Gröbsten raus wären (was niemand zuverlässig weiß), wird die Realwirtschaft weiter darben. Die Arbeitslosigkeit wird deutlich steigen, die Zahl der Pleiten nach oben schnellen. Die Gefahr einer Kreditklemme ist groß.
Heute schon gäbe es Möglichkeiten, das zu verhindern, etwa den vorübergehenden beherzten Einstieg des Staates bei den Banken, wie ihn ausgerechnet Großbritannien und die USA, die beiden Referenzländer des Kapitalismus, vorgemacht haben. Es wird ferner eine neue und umfassende Regulierung der Banken gebraucht.
Die Kunst dabei wird sein, einen ausreichend konkreten Ordnungsrahmen zu schaffen, ohne das Prinzip einer Marktwirtschaft zu zerstören, in der sich viele Einzelinteressen zu einem guten Ganzen formen. Ähnlich weitblickend müsste die Finanzpolitik sein: erst durch eine treffsichere Ausgabenpolitik (Steuersenkungen!) Wachstum ankurbeln, dann heftig sparen, um das Defizit abzubauen. Warum nur sollte das in einer großen Koalition gelingen, die sich bei Streitfragen finanziell regelmäßig nach oben einigt?
Nötig sind Strukturreformen - vor allem am Arbeitsmarkt, ähnlich der Schröder'schen Agenda 2010, die 1,6 Millionen Arbeitsplätze geschaffen hat, aber auch bei den Steuern und im Sozialversicherungssystem. Über solche Systemreformen denken interessanterweise eher die drei kleineren Parteien nach: CSU, FDP und in Teilen auch die Grünen.
Sie sind es auch, die sich vor allem um die Mittelschicht sorgen: jene Hälfte der Bevölkerung, der es nicht wirklich schlecht, aber auch nicht sorgenlos gut geht, die aber das Wachstum des kommenden Aufschwungs tragen muss.
Von jenen in der Mitte wurde im Wahlkampf viel geredet, aber selten konkret und glaubwürdig. Stattdessen wird Politik vor allem von den Rändern her gedacht. Große Diskussionen gehen über Maßnahmen für die Armen und Abgehängten oder gegen die Reichen.
Beides hat seine Notwendigkeit - nur leider wird gleichzeitig über Steuern und Abgaben in der Mitte abkassiert, seit Jahren schon und immer dreister. Hier helfend einzugreifen durch Steuerentlastungen, weniger Bürokratie und bessere Rahmenbedingungen - das wäre die vornehmste Aufgabe der neuen Regierung.
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(SZ vom 19.09.2009/afi/hgn)
Gysi und Lafontaine beim Linke-Parteitag
Wieder mal ein typischer Beise-Beitrag:
Attraktiver Titel: Was geschehen muss
Dann aber nur gedankenlos auf die Linken einprügeln (die als einzige konkret sagen, was geschehen muss);
stirnrunzelnd und mit erhobenem Zeigefinger die Weiter so-Parteien CDU und SPD betrachten (die Fraktionsgemeinschaft CDU/CSU ignoriert Beise ganz einfach),
CSU, FDP und Grüne etwas loben, weil diese das System verändern wollen, indem sie die Agenda 2010 noch verschärfen, die über 1,6 Millionen 1 Euro-Jobs gebracht hat (Hurraa !!!), außerdem noch Lohndumping, Hartz IV und massive Jobunsicherheit, gerade bei der Mittelschicht, um die sich Herr Beise angeblich sorgt.
Die bedrohte Mittelschicht soll wohl nun dazu gebracht werden, ihre Hoffnungen auf die Mittelschichtvernichtungspartei FDP und die Grünen zu setzen.
Zum Thema was geschehen muss schreibt Beise überhaupt nichts.
Thema verfehlt. Setzen, sechs !
Die CSU, die FDP und die Grünen sind die Retter des Mittelstandes? Interessante Realität.
genau bei den Kindern wird ja abkassiert. Die Mittelstandsfamilien sind die Melkkuh, bei Hartz4 Familien ist ja nichts zu holen.
..sind Arme, Alte, Arbeitslose und Kinder Luxus, für die hat offenbar nur die Linke etwas übrig. Erben, Besserverdiener und Unternehmer sollen nach Beise geschützt werden, vor den Linken, denn die Armen müssen ja das künftige "Wachstum tragen".
Peinlich und schlecht dieser Kommentar von Herrn Beise. Ökonomoischen und politischen Sachverstand muss man mit der Lupe suchen, und man wird ihn nicht finden.
Ach ja, große Ankündigung "Was geschehen muss".... aber Beise sagt nicht einmal das, außer der nicht näher definierten Ankündigung von Arbeitsmarktreformen.
Politik dürfe nicht mehr von den Rändern bestimmt werden, genau Herr Beise, Politik ist was Leistungsträger oder? Randgruppen, wie Kinder, Geringverdiener, Arbeitslose und Rentner stören da nur.,.. Kinder haben ja auch kein Wahlrecht, aber vielleicht möchte Herr Beise den anderen genannten Gruppen das ja auch noch entziehen...