Bundesbankpräsident Weidmann sieht kein Ende der Schuldenkrise

Bundesbankpräsident Jens Weidmann

(Foto: Bloomberg)

"Es ist zu früh, den Sieg über die Krise auszurufen": Bundesbankpräsident Jens Weidmann warnt, sich von der entspannten Lage an den Finanzmärkten täuschen zu lassen. Er fürchtet das Verschleppen nötiger Reformen.

Trotz der Ruhe an den Kapitalmärkten ist die Eurokrise nach Ansicht von Bundesbankchef Jens Weidmann nicht ausgestanden. "Es ist noch zu früh, den Sieg auszurufen", sagte Weidmann am Donnerstag in einer Rede im kroatischen Dubrovnik. Auch wenn es an den Finanzmärkten anders erscheine, sei die Krise nicht vorüber.

Die Risikoaufschläge der am meisten von Problemen betroffenen Euro-Staaten seien in den vergangenen zwei Jahren deutlich gefallen, wodurch sie günstiger an frisches Geld kämen. Diese Entwicklung spiegele auch die Anerkennung der Märkte für Reformfortschritte wider.

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Doch sei es umso wichtiger, dass die Politik liefere und die angepeilten wirtschaftlichen Fortschritte auch erreiche: "Ihre Entschlossenheit zur Umsetzung von Reformen ist essenziell." In einem Umfeld niedriger Zinsen bestehe jedoch das Risiko, dass Anreize für ein Verschleppen von Reformen gesetzt würden: "Das jetzige Umfeld erfordert daher einen noch stärkeren politischen Willen."

Die Ursachen der Krise könnten nicht im Handumdrehen beseitigt werden. Da sich die Krise über Jahre aufgebaut habe, werde es auch seine Zeit brauchen, bis sie wieder abklinge. Die EZB hatte jüngst die Zinsen auf das Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt und Strafzinsen auf bei der Zentralbank geparktes Geld eingeführt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte diese Maßnahmen nach einem Treffen mit EZB-Chef Mario Draghi als klares Zeichen für das Andauern der Finanzkrise in der EU bewertet. Die Politik müsse durch die Fortsetzung des eingeschlagenen Reformweges einen Beitrag zur Überwindung der Krise leisten.