Buch von Facebook-Managerin Sandberg Sie hatte es leichter

Gewiss, Sheryl Sandberg hat es leichter gehabt als viele andere Frauen: In Florida wuchs sie als Tochter eines Augenarztes und einer Französisch-Lehrerin auf, studierte an der Harvard-Universität Wirtschaft. Mit Larry Summers hat sie einen einflussreichen Mentoren gehabt. Der Ökonom war einer ihrer Professoren in Harvard, später holte er Sandberg als Beraterin nach Washington. Erst zur Weltbank, später ins Regierungsviertel.

Auch deshalb, so heißt es nun in einer ersten Rezension im Wall Street Journal, sei Sandbergs Buch zwar eindrucksvoll, aber als Ratgeber für die allermeisten Frauen schlichtweg ungeeignet. Dass selbst eine erfolgreiche Managerin wie Sandberg schon heulend im Büro saß, dürfte manch einer Frau in schwachen Momenten Trost spenden. In jedem Fall machen persönliche Erlebnisse wie diese deutlich, welch ein Minenfeld die obersten Etagen für Frauen noch immer sind.

Sandberg ist niemand, der anderen den Weg vorschreibt. Dass es für Frauen schwerer als für Männer ist, sich zwischen persönlicher Erfüllung und beruflichem Erfolg zu entscheiden, hält sie jedoch für ein gravierendes Problem. Auch sie, so gestand sie damals, als sie im taillierten schwarzen Kleid auf der Bühne in Washington stand, fühle sich manchmal schuldig, wenn ihre kleine Tochter sie zum Abschied umarmt und fleht, sie möge nicht ins Flugzeug steigen und auf einer Dienstreise verschwinden. Wenn sich eine Frau für eine Karriere entscheidet, dann müsse sie mit solchen Situationen zurecht kommen.

"Verabschiedet euch nicht, ehe ihr euch wirklich verabschiedet"

Aber sie dürfe sich eben nicht dahinter verstecken. Sie dürfe nicht hinter ihren männlichen Kollegen zurückstecken, nur weil sie mit dem Gedanken spielt, irgendwann vielleicht einmal Kinder zu haben. "Verabschiedet euch nicht, ehe ihr euch wirklich verabschiedet", appellierte sie bereits auf der TED Konferenz an die Frauen. In ihrem Buch greift sie diesen Gedanken nun wieder auf: Frauen, so schreibt sie, treffen nicht die eine Entscheidung, einen Job zu beenden - so wie die Männer. Sie treffen viele kleine. Sie zögern, zaudern und wundern sich, wenn ein Mann das prestigeträchtigere Projekt übernimmt. Nicht zurücklehnen, sondern nach vorn, das ist ihre Botschaft. Sandberg hat sie gleich in den Titel gepackt.

Ihr Buch empfiehlt sie auch Männern zur Lektüre. Selbst ihr, der so viel an der Gleichberechtigung, passieren manchmal dieselben Fehler wie ihren männlichen Kollegen in den Chefetagen: Bei Facebook, so erzählte sie einmal, hielt sie eine Rede - und versprach am Schluss, auf zwei Fragen zu antworten. Erst danach sagte ihr eine junge Kollegin, dass sie an dem Tag gelernt habe, die Hand oben zu lassen. Denn tatsächlich ließ Sandberg dann doch vier statt zwei Fragen zu. Nur: Da meldeten sich nur noch die Männer. Der Managerin war das gar nicht aufgefallen.