Britischer Verlagskonzern Pearson Spekulationen über Verkauf der "Financial Times"

Der britische Verlagskonzern Pearson will möglicherweise seine traditionsreiche Wirtschaftszeitung "Financial Times" losschlagen. Das berichtet ausgerechnet die Agentur Bloomberg, die selbst zu den potenziellen Käufern des lachsfarbenen Blattes gehört. Pearson dementiert. Doch vollkommen abwegig wäre ein Verkauf nicht.

Die Financial Times ist eine der traditionsreichsten Wirtschaftszeitungen - und berühmt für ihr rosa Papier. 

(Foto: dpa)

Die Autoren der Financial Times reagierten augenzwinkernd: "Well, how to headline this one ..." (frei übersetzt: "Tja, wie sollen wir das jetzt betiteln ..."), überschrieben sie auf ihrer Website eine Meldung, die über ihren eigenen Verkauf spekuliert. Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg hatte berichtet, die renommierte Wirtschaftszeitung stehe zum Verkauf.

Ihr Besitzer, der britische Verlagskonzern Pearson, wolle noch im laufenden Jahr Kaufangebote einholen. Mindestens eine Milliarde Dollar (rund 750 Millionen Euro) Verkaufserlös erhofften sich die Briten, berichtete Bloomberg unter Berufung auf Personen, die mit dem Vorgang vertraut seien. Leser der Wirtschaftszeitung kommentierten daraufhin: "Wer wird wohl der nächste Boss der FT?". Die Antworten: "Rupert Murdoch" und "Silvio Berlusconi".

So weit ist es wohl noch nicht. Pearson ließ den Bericht umgehend dementieren: "Wir haben schon oft betont, dass die FT ein geschätzter und wertvoller Teil von Pearson ist. Und wir äußern uns nicht zu Gerüchten und Spekulationen über unser Portfolio", sagte ein Pearson-Sprecher. Um es dann doch zu tun: "Diese konkrete Geschichte von Bloomberg ist falsch." Bloomberg konterte: "Wir stehen zu unserem Bericht", so eine Sprecherin.

Immerhin gelten ausgerechnet Bloomberg und Konkurrent Thomson Reuters als mögliche Bieter für die FT - was beide Häuser nicht kommentierten. Auch wohlhabende Privatleute aus Russland, dem Nahen Osten und aus Asien sollen den Berichten zufolge ihr Interesse angemeldet haben.

Vollkommen abwegig erscheinen die Spekulationen nicht, denn Pearson hat einen tiefgreifenden Umbau seiner Strukturen eingeleitet. Branchenbeobachter vermuten, der Medienkonzern könnte sich stärker auf das Geschäft mit Bildungsangeboten und -medien konzentrieren, das als Wachstumsmarkt gilt. Gerade erst haben die Briten begonnen, ihre Buchverlagssparte Penguin mit dem zum deutschen Konkurrenten Bertelsmann gehörenden Verlag Random House zu verschmelzen. Die beiden Konzerne schaffen damit den weltweit größten Buchverlag.

Die Führung liegt künftig bei Bertelsmann. Jenem deutschen Medienkonzern, dem über seine Hamburger Verlagstochter Gruner + Jahr auch die Financial Times Deutschland gehört. Pearson hatte seinen 50-Prozent-Anteil an der deutschen FT-Schwesterzeitung 2008 an Gruner + Jahr verkauft, räumt den Deutschen aber weiterhin die Markenrechte ein.

Pearson-Chefin Marjorie Scardino hat angekündigt, ihren Posten zum Jahresende zu räumen. Einen Verkauf der FT hatte sie stets ausgeschlossen ("Nur über meine Leiche"). Die FT-Group trägt nach Bloomberg-Angaben rund acht Prozent zum Umsatz und rund zwölf Prozent zum Gewinn des Pearson-Konzerns bei.

Mit Scardinos Weggang könnte der Weg frei werden, das traditionsreiche Wirtschaftsblatt abzustoßen. Die FT wäre dabei trotz der Krise im Mediengeschäft ein attraktives Objekt. Denn sie gilt als Vorreiter bei der Transformation einer etablierten Zeitungsmarke in die digitale Welt. Schon früh hatten Redaktion und Verlag damit begonnen, digitale Ausgaben etwa für Tablet-Computer zu entwickeln und ein Bezahlmodell für das Onlineangebot aufzubauen.