Teheran meldet den Abschluss eines Vertrages zum Bau einer Schwebebahn-Trasse - bei den Herstellern des Hochgeschwindigkeitszuges weiß man aber von nichts.

Vertreter der deutschen Industrie haben am Donnerstag im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung Interesse am Bau einer Transrapid-Strecke in Iran signalisiert, nachdem iranische Nachrichtenagenturen zuvor gemeldet hatten, es sei ein Vertrag für ein solches Projekt mit einem deutschen Konsortium geschlossen worden.

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Der Transrapid ist mancherorts begehrt, nur in Deutschland ist die Technologie schwer umzusetzen. (© Foto: ddp)

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Zwar gibt es bislang keine konkreten Anfragen bei Siemens oder Thyssen-Krupp, denen die Patente für die Magnetschwebebahn gehören und ohne deren Beteiligung die Hochgeschwindigkeitsstrecke kaum zu verwirklichen wäre.

Allerdings hieß es aus Siemens-Kreisen: "Wenn alle Voraussetzungen gegeben wären, spräche aus Sicht der Industrie nichts gegen den Bau des Transrapid in Iran." Iran will die 800 Kilometer lange Strecke unbedingt bauen, die Teheran mit der ostiranischen Großstadt Maschad verbinden soll, einem wichtigen schiitischen Pilgerort.

Möglicherweise konventioneller Zug

Die iranische Nachrichtenagentur Mehr News Agency und die Zeitung Khorasan News hatten gemeldet, dass ein "endgültiger Vertrag" zwischen "dem Vorsitzenden des deutschen Investorenkonsortiums" und dem für Maschad zuständigen Gouverneur der Provinz Razavi-Khorasan in Beisein des iranischen Straßenbauministers unterzeichnet worden sei.

Gemeint mit dem Investorenkonsortium ist das Münchner Ingenieurbüro "Regierungsbaumeister Schlegel", das den Vertragsabschluss gegenüber der SZ bestätigt hat. Mögliche Investoren nannte die Firma nicht, räumte jedoch laut der Nachrichtenagentur Reuters ein, Siemens und Thyssen-Krupp seien bislang nicht einbezogen worden.

Laut Khorasan News sagte der iranische Straßenbauminister Hamid Behbahani bei der Vertragsunterzeichnung: "Die Planung für die Strecke ist derzeit in Deutschland im Gange." Es gehe um ein Volumen von "zehn bis zwölf Milliarden Euro". Die Investoren würden für 20 bis 30 Jahre die Nutzungsrechte halten, bevor Iran die Strecke übernehme. Irans Wirtschaftsministerium wird laut Mehr binnen eines Monats die Finanzierung ausarbeiten.

Ein Siemens-Sprecher sagte: "Wir sind bisher weder von Schlegel noch von iranischer Seite angesprochen worden. Wenn die aber tatsächlich einen Transrapid bauen wollen, dann geht es nicht ohne uns, weil nur wir die Patente und die nötigen Lizenzen haben." Möglich sei, dass ein konventioneller Zug geplant sei.

"Kein Auftrag, kein Projekt"

Dafür spreche, dass derzeit eine Oberleitung an der Trasse gebaut werde. Dann sei aber das Investitionsvolumen zu hoch gegriffen. Die Sprecherin von Thyssen-Krupp Technologies, Anja Gerber, sagte: "Es gibt keinen Auftrag aus Iran, kein Projekt und auch keine Gespräche." In der Industrie gilt als unwahrscheinlich, dass China das Projekt an den deutschen Konzernen vorbei bewältigen könnte, wie es Schlegel es angedeutet hat.

Branchenkenner halten es zudem für fraglich, ob eine kleine Ingenieurfirma wie Schlegel ein so komplexes Projekt bewältigen könnte. Ein Manager, der mit den Plänen für den Bau des Münchner Transrapids befasst war, äußerte Zweifel am angeblichen Vertragsabschluss: Bereits vor einigen Jahren habe Schlegel versucht, mit Iran ins Geschäft zu kommen.

Thyssen-Krupp und Siemens hätten sich damals auf Distanz gehalten. Die Nachricht sei wahrscheinlich ein PR-Gag von Schlegel: "Hier soll nur wieder Wind gemacht werden." Ein anderere deutscher Manager sagte aber, eine neue Strecke würde die Transrapid-Bauer wieder weit nach vorne bringen.

Proteste aus Israel und USA zu erwarten

Industrievertreter forderten, ein Projekt dieser Größe müsse "jenseits politischer Befindlichkeiten durchdacht werden". Geschäfte mit Iran sind politisch heikel, selbst wenn sie nicht durch Sanktionen verboten sind. Im Falle eines Abschlusses ist mit Protesten aus Israel und den USA zu rechnen.

Aus der Industrie hieß es, man glaube nicht, dass ein Transrapid "sicherheitskritisch" sei, allerdings müsse der Bau "auf jeden Fall mit der Regierung abgesprochen werden". Die Bundesregierung hat die deutsche Wirtschaft mehrmals angehalten, sie müssten bei Geschäften mit Iran "die politischen Implikationen berücksichtigen".

Womöglich liegt das Interesse an einem Bauvorhaben weniger in Iran als in Deutschland - in Lathen. Dort im Emsland steht die Teststrecke für den Transrapid.

Bund will keine Zuschüsse mehr zahlen

Nachdem der Bund sich vergangenes Jahr vom Transrapid-Bau verabschiedet hat, will er auch für die Strecke nicht mehr zahlen. Der Zuschuss, sechs und acht Millionen Euro im Jahr, soll auslaufen. Die Aussicht auf einen Großauftrag aus dem Ausland käme da gerade recht - als Begründung für den Weiterbetrieb. Potentielle Transrapid-Käufer jedenfalls tauchten jüngst immer wieder auf - aus den USA oder Brasilien, nun aus Iran.

Nur blieb es bei Mutmaßungen: "Es gibt keine Hinweise, dass irgendwo wirklich gebaut wird", heißt es in Berliner Regierungskreisen. Der Landrat des Emslandes, Hermann Bröring, nannte es dennoch "interessant und auch erfreulich, dass jetzt, wo die Schließung der Teststrecke in Lathen bevorsteht, konkretes Interesse von vielen Seiten besteht".

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(SZ vom 29.05.2009/pak)