Brief von Homm an Wagenknecht "Sehr geehrte Frau Wagenknecht"

Sahra Wagenknecht hat sich bei der Bundesregierung für den einstigen Spekulanten Homm eingesetzt und die deutsche Botschaft in Rom gebeten, über die konsularische Betreuung des Häftlings Bericht zu erstatten. Dafür hat sich Homm in seinem Schreiben an die Linken-Politikerin bedankt. Ihn habe es "fast vom Stuhl gehauen" schreibt er. Lesen Sie den vollständigen Brief.

Sehr geehrte Frau Wagenknecht,

mich hat es fast vom Stuhl gehauen, wie ich gehört habe, dass Sie bereit wären, sich für mich in dieser tatsächlichen lebensbedrohlichen Lage einzusetzen. In den letzten 8 Monaten habe ich zwischen nacktem Überleben, Selbstmordgedanken sowie Hoffnung geschwankt. Vielleicht unterhalten wir uns eines Tages darüber. Obwohl es einige fundamentale Kernunterschiede bei gewissen Wirtschaftsthemen gibt, sollte

Deutschland froh sein, dass es die Linke gibt. Wer setzt sich denn sonst für die Belange der steigenden Anzahl der links (oder rechts) Liegengelassenen ein? Wer sonst macht denn nicht angepasste, kaum differenzierbare Opposition? Wer sonst hält uns davon ab, zu reinen Werksklaven und idiotisierten, konsumgeilen, seelenlosen, globalisierten Automaten zu mutieren? Als Mitglied des Abschaums (oder der Schande) unserer Gesellschaft möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken. Als Mensch bin ich bewegt. Danke.

Vielleicht kann ich eines Tages auch etwas für Sie oder Ihre Partei/Ihre Bewegung tun. Ich war wirklich über 2 Jahrzehnte Kabinettsmitglied Mammons. Mein Verständnis wirtschaftlicher, globaler Zusammenhänge ist nicht oberflächlich. Beim Thema Kapital und wie man es für Chancengleichheit, Beschäftigung und als wirklichen Antriebsmotor einsetzt, habe ich weitaus mehr Ahnung, als einem "Raider" zugetraut wird. Das ist halt größtenteils Sensationsgetrampel in den Medien.

Meine Denke ist unorthodox, aber nicht immer konfus und somit teilweise kreativ und nützlich. Über die eklatanten Rechtsverstöße, die zu meiner Verhaftung (fehlen Worte, die Red.), über die brutalen und schlechten Umstände, mit denen ich leben muss, können meine Vertrauten Sie besser und neutraler informieren.

Gehen Sie 100-prozentig davon aus, dass ich mich für menschliche, seelische, spirituelle Themen einsetze und nicht das geringste Interesse habe, in die Weltwirtschaft oder ins Finanzgeschäft zurückzukehren. Falls es mir gelingen sollte, wieder freien Fuß zu fassen, dann war diese Zeit im Vorzimmer der Hölle meine beste und wichtigste Lebenserfahrung. Grüßen Sie bitte Herrn Lafontaine von mir. Ich verbleibe somit positiv perplex und mit vorzüglicher Hochachtung.

Ihr Florian Homm

Diesen Brief hat Homm aus dem Gefängnis in Pisa an Sahra Wagenknecht geschrieben. Die Politikerin setzt sich wegen Homms Krankheit für den Ex-Finanzinvestor ein.