Braunkohletagebau RWE erwägt Aus für Garzweiler

Der Essener Stromkonzern RWE prüft, ob er den umstrittenen Braunkohletagebau Garzweiler in Nordrhein-Westfalen vorzeitig stilllegt - aus Kostengründen. Für viele bedrohte Dörfer würde das die Rettung bedeuten.

Von Markus Balser

Der Boom bei grünem Strom könnte in der deutschen Energiebranche einen größeren Umbau auslösen als bislang bekannt. So droht dem umstrittenen nordrhein-westfälischen Braunkohletagebau Garzweiler das Aus. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung erwägt Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern RWE aus Kostengründen die vorzeitige Schließung des gigantischen Bergwerks bis zum Jahr 2018.

Firmeninternen Szenarien zufolge könnte der größte Tagebau Europas noch so lange betrieben werden, bis die Kohle in den Regionen gefördert ist, aus denen die Anwohner dem Abbau bereits weichen mussten. Dies wäre 2017 oder spätestens 2018 der Fall. Nach Angaben aus der Konzernspitze prüft RWE, danach den Abriss weiterer Orte und neue Investitionen in den Ausbau des Reviers zu stoppen. Der Grund: Der Betrieb der großen Kraftwerke rund um Garzweiler rentiert sich immer seltener. Das wachsende Angebot von Wind- und Solarenergie lässt die Preise an den Strombörsen so stark fallen, dass Kraftwerke immer seltener am Netz sind.

Die Braunkohle steht wegen ihrer Umweltfolgen zudem immer stärker in der Kritik. Kohlekraftwerke gelten als wichtigster Verursacher des Klimawandels. Das Bundesverfassungsgericht prüft zudem in einem aktuellen Verfahren, ob Zwangsumsiedlungen für deutsche Tagebaue rechtens sind. Viele Experten rechnen damit, dass Kohlekraftwerke bei einer Neujustierung der Energiewende durch die künftige Bundesregierung angesichts dieser Probleme keine führende Rolle spielen werden.

Wichtiger Wirtschaftsfaktor

Den konzerninternen Überlegungen zufolge ist ein Komplettausstieg aus der Braunkohle bei RWE bislang kein Thema. Der benachbarte Tagebau Hambach solle in jedem Fall weiter betrieben werden, hieß es. Ein Aus für Garzweiler würde für viele bedrohte Dörfer am Niederrhein die Rettung bedeuten. Bis 2045 sollen allein für den Tagebau Garzweiler II 18 Siedlungen und Weiler verschwinden. Durch Garzweiler verlieren 7600 Menschen ihre Heimat.

RWE erklärte am Montag, es gebe keine "konkreten Planungen, 2017/2018 aus dem Tagebau Garzweiler auszusteigen". Braunkohle als heimischer Energieträger sei ein wichtiger Teil des Konzern-Portfolios: "Dass die Braunkohle wie die anderen konventionellen Energieträger durch die veränderten Marktbedingungen und vor allem die Einspeisung der erneuerbaren Energien wirtschaftlich unter Druck steht, darauf haben wir mehrfach hingewiesen."

Vor allem für Nordrhein-Westfalen ist die Braunkohle ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. An ihr hängen laut Experten im Umfeld der Tagebaue und Kraftwerke etwa 35.000 Jobs in NRW. Die Gewerkschaft Verdi warnt vor dem Verlust Tausender Stellen: "Es muss gelingen, die Braunkohle in die Energiewende einzubauen, sonst sieht es hier düster aus", warnte der Verdi-Funktionär und RWE-Aufsichtsrat Hans-Peter Lafos.