Dem schleichenden Brauereisterben in Deutschland fallen erstmals zwei Großbrauereien durch Produktionszusammenlegungen zum Opfer: Der Oetker-Konzern will die Traditionsmarken Brinkoffs und Berliner Kindl künftig in anderen Brauereien seines Bier-Imperiums mitbrauen.

Schweigend kamen die Mitarbeiter aus der Brauerei Brinkhoff. Am Dienstagmorgen hatte das Management die Belegschaft informiert: Die zum Oetker-Konzern gehörenden Brauerei in Dortmund soll geschlossen werden. In rund einem Jahr wird der Braubetrieb eingestellt.

Mitarbeiter der Brinkoffs-Brauerei verlassen die Betriebsversammlung im Dortmunder Stammhaus. (© Foto: ddp)

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Das Management will die Aktivitäten in Dortmund in der zweiten verbliebenen Brauerei der Stadt, der Dortmunder Actien Brauerei (DAB), konzentrieren. Ein Teil der Belegschaft solle dann bei der DAB unterkommen.

"Wir wussten ja, dass die Lage nicht gut ist", sagte einer der Mitarbeiter nach der Betriebsversammlung in der Brauerei. "Aber auch wenn wir das haben kommen sehen - wenn einem das jemand so konkret sagt, ist das wie ein Schlag mit einem Knüppel."

"Hoffnung hat hier jeder"

Beim Gedanken an seine Zukunft kann er nur mit den Schultern zucken - "keine Ahnung, was sein wird." Ob er hofft, bei der DAB eine neue Beschäftigung zu finden? "Hoffnung hat hier jeder, aber wer genau übernommen wird und wie das alles funktionieren soll, das weiß doch niemand." "Wir müssen die Pläne als gegeben hinnehmen", sagt ein zweiter Brinkhoff-Mitarbeiter.

Und andere möchten am Dienstag am liebsten gar nicht mehr reden. "Was soll ich erzählen?", fragt einer. "Keiner weiß, wie es weitergehen soll. Wir können nur sagen, dass wir heute nichts Angenehmes gehört haben."

Auch wenn das Management der Radeberger-Gruppe, die Biersparte bei Oetker, bereits Ende 2004 harte Sanierungsmaßnahmen angekündigt hatte, schienen viele der Bierbrauer und Angestellten geschockt.

Lebensinhalt

"Für Menschen, die hier 20, 30, 40 Jahre gearbeitet haben, ist das ihr Lebensinhalt. Natürlich stellen die sich nicht hin und sagen "Chef, auf die schlechte Nachricht haben wir schon gewartet"", sagte Manfred Sträter, Sprecher der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) am Dienstag.

Sträter kritisierte gleichzeitig die Führung von Oetker und Radeberger. "Die ganzen alten Brauereigebäude in Dortmund - Thier, Kronen und andere - das sind keine deutschen Bierdenkmäler, sondern Grabsteine des Missmanagements."

Bei der Biermarke Brinkhoffs habe der Konzern zum Beispiel eine verfehlte Preispolitik gefahren. "Auch wenn das Bier gut ist, darf man keine Preise verlangen, die sich niemand mehr leisten kann. Dann ist es klar, dass die Menschen auf Billigmarken ausweichen."

Betroffenheit auch in Berlin

Aber nicht nur bei der Brinkoffs-Belegschaft herrschte Betroffenheit. Oetker teilte zeitgleich mit, dass auch die Brauerei von Kindl in Berlin geschlossen werden solle.

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