Radeberger-Chef Ulrich Kallmeyer rechnet mit einer Pleitewelle in der Bierbranche. Er erwartet eine Serie von Übernahmen und Fusionen.
Ulrich Kallmeyer, 64, gilt als einer der erfolgreichsten Manager der deutschen Brauerei-Szene. Mit nüchternem Kalkül und Zukäufen machte er die Radeberger Gruppe zur Nummer eins unter den Bierherstellern. Er sieht die gesamte Branche in einer schwerwiegenden Finanzkrise. Die Schuld dafür gibt er zum einen den Herstellern selbst, zum anderen der Politik, die das umstrittene Rauchverbot in der Gastronomie durchgesetzt habe. Weiteren Schaden könnte nun noch das diskutierte Werbeverbot für Alkohol anrichten, befürchtet er.
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Mit einem Marktanteil von 15 Prozent ist die Radeberger Gruppe KG Deutschlands führende Brauerei-Gruppe. (© screenshot: www.radeberger.de)
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SZ: Herr Kallmeyer, das größte Bierfest der Welt ist in vollem Gang. Wann waren Sie zuletzt auf dem Oktoberfest?
Kallmeyer: Das ist bestimmt schon zehn Jahre her. Inzwischen ist mir dort, ehrlich gesagt, zu viel Remmidemmi.
SZ: Dann müssen Sie sich auch keine Gedanken darüber machen, ob Sie mit zwei Maß Bier noch fahren können.
Kallmeyer: Sie spielen auf die Worte des bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein an, den ich persönlich sehr schätze. Dieser Satz ist ihm wohl eher herausgerutscht. Haltbar ist eine solche Aussage sicher nicht.
SZ: Für die einen ist Bier Nahrung, für andere eine Droge. Deshalb wird derzeit heftig über ein Alkoholwerbeverbot diskutiert. Die Brauer fordern für sich eine Ausnahme. Ist das nicht scheinheilig?
Kallmeyer: Nein. Bier mit Spirituosen oder mit Wein zu vergleichen, ist problematisch. Der Alkoholgehalt von Bier ist viel niedriger, und nicht jeder, der am Abend zwei Flaschen davon trinkt, ist gleich ein Trinker. Ohnehin geht der Bierkonsum der Deutschen seit Jahren zurück. Statt über Verbote zu diskutieren, sollten wir uns überlegen, wie wir den Missbrauch einschränken.
SZ: Es heißt aber, dass gerade die Werbung Jugendliche zu Trinkgelagen animiert. Alles falsch?
Kallmeyer: Diesen Zusammenhang sehe ich nicht, zumindest was Bier betrifft. Die Jugend greift nicht zu Bier, um sich in Stimmung zu trinken, sondern "zum Vorglühen" zu harten Spirituosen, damit sie bei Parties, die erst abends um elf Uhr anfangen, nicht so viel Geld für Getränke ausgeben muss.
SZ: Sie sehen also keinen Grund, die Werbung für Bier zu verbieten?
Kallmeyer: Nein. Die meisten Menschen gehen schließlich verantwortungsvoll mit dem Genussmittel Bier um.
Auf Seite zwei: Die Auswirkungen des Rauchverbots auf den Bierkonsum.
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Gysi und Lafontaine beim Linke-Parteitag
Herr Kallmeyer scheint zu ignorieren, dass zu dem Rauchverbot auch die Preispolitik der Brauereien ursächlich für den Rückgang des Absatzes an Fassbier in Kneipen ist. Wer innerhalb von 1,5 Jahren die Preise um ca. 15% anhebt, muss sich nicht wundern, wenn sein Produkt für die wegbrechende Mittelschicht (das üblichen Kneipenklientel) langsam zum Luxus wird.
Ralph Göllner
Gastwirt