Branche in der Krise Siemens verabschiedet sich aus Solargeschäft

Es ist ein schlechtes Zeichen für die kriselnde Solarindustrie: Der Großkonzern Siemens zieht sich aus dem Geschäft mit der Sonnenenergie zurück. Die Hoffnungen waren groß, die Verluste allerdings auch. Besonders pikant: Siemens will sich zum Jahresende auch aus dem internationalen Prestigeprojekt Desertec verabschieden.

Solarpanels der Siemenstochter Solel - diesen Zukauf stoßt Siemens nun wieder ab.

(Foto: AFP)

Das Geschäft mit der Sonne sollte die Branche der Zukunft sein. Doch ein paar verlustreiche Jahre und einige Firmenpleiten später scheint diese Hoffnung zumindest für die deutsche Solarindustrie dahin. Insofern ist es nicht zuletzt von symbolischem Wert, wenn nun ein Großkonzern wie Siemens seinen erfolglosen Ausflug in die Solarenergie-Technik beendet.

Im Zuge des anstehenden Sparprogramms solle das Geschäft verkauft werden, teilte der Konzern mit. Die Erwartungen an die Solarenergie hätten sich nicht erfüllt. Gespräche mit Interessenten gebe es bereits, sagte ein Firmensprecher. Dabei geht es vor allem um das kleine Photovoltaikgeschäft der Münchner und den vor einigen Jahren übernommenen Solarthermie-Spezialisten Solel aus Israel.

Pikant ist allerdings, dass sich Siemens auch aus dem Prestigeprojekt Desertec zurückziehen möchte. Hierbei soll Solarstrom in sonnenreichen Regionen Afrikas erzeugt und anschließend für Europa nutzbar gemacht werden. Ein Siemens-Sprecher sagte der Süddeutschen Zeitung, dass der Abschied von Desertec zum Jahresende in keinem Zusammenhang mit dem Rückzug aus dem Solargeschäft stünde. Vielmehr habe das Planungskonsortium seinen Auftrag erfüllt - nun müsse das Vorhaben realisiert werden.

Die Krise in der deutschen Solarbranche dauert schon länger an. Die Unternehmen hierzulande haben mit der günstigeren Konkurrenz aus China und Kürzungen bei den Subventionen zu kämpfen. Q-Cells, First Solar, Sovello - die Liste der Insolvenzen in den vergangenen Monaten ist lang.

Für Siemens selbst hat der Abschied aus der Branche eher geringe Bedeutung. Bei den erneuerbaren Energien werde sich der Konzern künftig auf Wind- und Wasserkraft konzentrieren, hieß es. Von den Verkaufsplänen sind weltweit 680 Mitarbeiter betroffen. Elektrotechnische Komponenten wie Generatoren und Netztechnik werde es aber weiterhin von Siemens geben.

Der Konzern hatte vor allem auf Anlagen zur Stromerzeugung aus Sonnenhitze gesetzt und dafür eigens die israelische Solel für 418 Millionen Dollar gekauft. Die Strategie zahlte sich jedoch nicht aus. Solel machte mehr Verlust als Umsatz. Siemens musste etwa die Hälfte des Kaufpreises abschreiben. Insgesamt machte Siemens in seiner Sparte namens Solar und Hydro, die nun aufgelöst wird, weniger als 300 Millionen Euro Umsatz.