Für den Rettungsplan tut Chrysler alles: Der Konzern will der US-Regierung seine Überlebensfähigkeit unter Beweis stellen - und setzt Medienberichten zufolge auf einen radikalen Sparkurs.

Der notleidende US-Autobauer Chrysler plant einem Zeitungsbericht zufolge eine radikale Verschärfung seines Sparkurses. Ein Rettungsplan mit neuen drastischen Kostensenkungen solle der US-Regierung wie gefordert bis Ende März Chryslers Überlebensfähigkeit beweisen. Das Management habe dies in einer Händlerpräsentation angekündigt, berichtete das Wall Street Journal .

Bild vergrößern

Gebeutelter Autokonzern: Jetzt will der drittgrößte amerikanische Autobauer Chrysler offenbar mittels eines brachialen Sparkurses ums Leben kämpfen. (© Foto: AFP)

Anzeige

Der drittgrößte amerikanische Autobauer bekommt vom Staat wie die Opel-Mutter General Motors milliardenschwere Überbrückungskredite. Im Gegenzug müssen die Hersteller drastisch sparen und in den nächsten Monaten einen glaubwürdigen Plan zur Rückkehr in die Gewinnspur vorlegen. Falls den Autokonzernen dies nicht gelingt, will die Regierung das Geld zurückfordern.

Chrysler-Chef: Erfoglreiche Sanierung ist möglich

Chrysler wolle sich gesund schrumpfen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Insider. So habe Chrysler-Topmanager Jim Press den Händlern gesagt: "Wir müssen kleiner werden." Das bedeute auch eine "massive Reduzierung" der Fixkosten.

Chrysler hat bereits scharfe Einsparungen und einen drastischen Stellenabbau hinter sich. Der Hersteller litt zuletzt mit einem Absatzeinbruch um fast 50 Prozent am stärksten unter der steilen Talfahrt am US-Automarkt. Mehrheitseigner ist der Finanzinvestor Cerberus. Knapp 20 Prozent an Chrysler gehören noch dem deutschen Daimler-Konzern, der sich von dem Restanteil trennen will.

Chrysler-Chef Bob Nardelli hatte sich zuvor optimistisch gegeben. In einem Schreiben erklärte er, er halte eine Sanierung des Autoherstellers für möglich. Das Vorhaben sei "vernünftig und machbar", heißt es in dem Schreiben an die Chrysler-Mitarbeiter. Der von der US-Regierung zugesagte Notkredit über vier Milliarden Dollar verschaffe Chrysler den nötigen Spielraum, um die Wende zu schaffen.

USA rutschen immer tiefer in die Rezession

Für Optimismus ist allerdings in den USA derzeit nicht viel Anlass: Neue Daten zeigen, dass das Land immer tiefer in die Rezession rutscht. Den Daten zufolge hat sich die Lage am US-Arbeitsmarkt weiter rapide verschlechtert.

In der vergangenen Woche stellten so viele Amerikaner einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe wie seit 26 Jahren nicht mehr. Angesichts der düsteren Aussichten und schrumpfender Einkommen setzten die US-Bürger zudem vermehrt auf Sparen als auf Geld ausgeben. Die Konsumausgaben sanken im November den fünften Monat in Folge. Damit dürfte die US-Wirtschaft wohl im vierten Quartal geschrumpft sein. Der private Konsum macht etwa zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts aus.

Dem Handelsministerium zufolge stieg die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenversicherung in der Woche bis zum 20. Dezember auf 586.000. Von Reuters befrage Volkswirte hatten lediglich mit einem Anstieg auf 560.000 gerechnet. In diesem Jahr haben in den USA bislang fast zwei Millionen Menschen ihre Arbeit verloren.

Die Amerikaner, die Arbeit haben, gehen mit ihrem Einkommen immer vorsichtiger um. So stieg die Sparrate im November auf 2,8 Prozent des verfügbaren Einkommens. Im Oktober lag sie noch bei 2,4 Prozent. Das ist zwar immer noch ein relativ niedriges Niveau, zeigt aber, dass die Amerikaner ihr Geld lieber auf dem Konto ansammeln, anstatt den Konsum anzukurbeln.

Das untermauern auch die Daten zu den Konsumausgaben im November. Diese gingen um 0,6 Prozent und damit den fünften Monat in Folge zurück. Da auch die Einkommen leicht rückläufig waren, brachten die billigeren Preise keine Erleichterung.

"Yes, we can" - Obama gegen die Krise

Der künftige US-Präsident Barack Obama hat indes seine Landsleute zu gemeinsamen Anstrengungen im Kampf gegen die Wirtschaftskrise aufgerufen. "Es herrschen harte Zeiten für viele Amerikaner, die mit (den Folgen) der schleppenden Wirtschaft zu kämpfen haben", sagte er in einer am Mittwoch veröffentlichten Feiertagsbotschaft.

Millionen Amerikaner seien ohne Arbeit; viele hätten Probleme, ihre Rechnungen zu bezahlen. Viele in Not geratene Hausbesitzer seien in Gefahr, ihre Häuser zu verlieren. Für viele Menschen sei "die Zukunft unsicher", heißt es in der für Samstag geplanten Rundfunkrede.

Doch wenn die Amerikaner zusammenstünden und gemeinsame Anstrengungen unternähmen, "dann weiß ich, dass wir die Menschen zurück an die Arbeit bringen und dem Land eine neue Richtung geben können". Nur so könne das Land "durch diese Zeit der Krise kommen", sagte Obama weiter.

Obama hat bereits ein massives Konjunkturprogramm mit einem Volumen von bis zu 800 Milliarden Dollar angekündigt. Damit sollen bis zu drei Millionen Arbeitsplätze neu geschaffen oder gerettet werden.

Leser empfehlen 

(dpa/Reuters/AP/hai)