Ein Kommentar von Marc Beise

Kaum steht eine Gruppe am Pranger: schwupps, kommt die Strafsteuer. Dabei wäre es besser, Bonuszahlungen an einen langfristigen Geschäftserfolg zu binden.

Da denkt man, es gebe nichts Neues auf der Welt, und wird doch immer wieder überrascht: Eine Strafsteuer in Höhe von 50 Prozent auf alle Bonuszahlungen ab einer bestimmten Höhe in Großbritannien - das ist doch was! Fragt sich nur, was aufregender ist: die Tatsache, dass eine westliche Regierung überhaupt auf eine solche Idee kommt - oder dass sie dafür auch noch allseits Beifall erhält; selbst Deutschlands Kanzlerin Merkel findet die Idee allen Ernstes "charmant".

London, Getty

Weihnachtstrubel in der Oxford Street in London: In der britischen Finanzmetropole werden die Bankerboni gerade heiß diskutiert. (© Foto: Getty)

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Der Grund für die breite, mitunter hämische Zustimmung erklärt sich natürlich mit dem Negativ-Image der Banker, das sich die Zunft selbst zuzuschreiben hat. Die Gier mancher ihrer Vertreter ist schwer erträglich. Dass großzügige Boni irrwitzige Risiken provoziert haben, ist bekannt. Und dass einige der eben erst vom Staat geretteten Institute weitermachen, als sei nicht gewesen, ist empörend. Der Verstand sollte gleichwohl eingeschaltet bleiben. Wer anfängt, Tagespolitik über das Steuerrecht zu regeln - das britische Gesetz soll für vier (!) Monate gelten -, der kann auch gleich misswirtschaftende Manager höher besteuern - oder wie wäre es mit erfolglosen Politiker, schlechten Lehrern, Börsengewinnern? Kaum steht eine Gruppe am Pranger: schwupps, kommt die Strafsteuer.

Besser wäre es doch, Bonus-Zahlungen an einen langfristigen Geschäftserfolg zu binden, um Missbrauch zu verhindern, ohne Leistungsanreize zu blockieren. In Deutschland wollen die Banken dies jetzt freiwillig organisieren, mit Hilfe der Bundesregierung. Auf eine solche Selbstverpflichtung hinzuwirken, ist tausendmal klüger, als das Steuerrecht zu deformieren. Aber klar: In Großbritannien wird bald gewählt; da heiligt der Zweck jedes Mittel.

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(SZ vom 11.12.2009/mel)