Bolivien Morales verstaatlicht spanische Energieunternehmen

Das verstaatlichte Energieunternehmen Electropaz: Bolivianische Soldaten schwenken die Landesflagge auf dem Dach des Gebäudes.

(Foto: REUTERS)

Boliviens Präsident Morales setzt die Verstaatlichungen fort: Er enteignet mehrere Tochterunternehmen eines spanischen Energiekonzerns und überführt sie in Staatsbesitz. Dieser Schritt sei notwendig, um für "gerechte" Energietarife zu sorgen, erklärte Morales.

Bolivien hat mehrere Tochtergesellschaften des spanischen Energiekonzerns Iberdrola verstaatlicht. Präsident Evo Morales unterzeichnete am Samstag ein entsprechendes Dekret für die Stromversorger Electropaz, Elfeo und Eldeser sowie den Verwaltungskonzern Cadeb, wie die lokale Nachrichtenagentur ABI berichtete. Anderen Medienberichten zufolge wurden lediglich zwei Unternehmen verstaatlicht. Auch die Investment- und die Dienstleistungssparten von Iberdrola in Bolivien wurden übernommen.

Soldaten bezogen vor den Firmenarealen der Unternehmen Stellung und hängten Schilder mit der Aufschrift "Verstaatlicht" auf. Er sei zu dem Schritt gezwungen worden, um die Strompreise stabil zu halten, begründete der Präsident sein Vorgehen.

Die Aktien der Tochtergesellschaften Iberdrolas sollen von dem staatlichen Unternehmen Empresa Nacional de Electricidad (Ende) übernommen werden. Electropaz, das größte der verstaatlichten Unternehmen, versorgt 470.000 Kunden in La Paz mit Strom. Iberdrola ist seit den späten 90er Jahren in dem lateinamerikanischen Land tätig. Ein Iberdrola-Sprecher wollte sich zunächst nicht äußern.

Rasche Entschädigung in Aussicht gestellt

Die spanische Regierung bedauerte die Entscheidung und rief zu einer angemessenen Bewertung der betroffenen Unternehmen auf, um eine gerechte Entschädigung der Anteilseigner zu gewährleisten. Morales' Erlass zufolge soll Iberdrola binnen 180 Tagen entschädigt werden.

Seit seinem Amtsantritt 2006 hat Morales mehrfach Unternehmen verstaatlicht. In einem ersten Schwung überführte er die Ölindustrie in Staatsbesitz. 2009 folgte der größte Telefonanbieter des Landes, der zuvor vom italienischen Konzern ETI kontrolliert wurde. Im Mai hatte Bolivien entschieden, eine Tochter des spanischen Stromkonzerns Red Electrica zu verstaatlichen. Kurz davor hatte Argentinien die Enteignung einer Tochter des spanischen Ölkonzerns Repsol angekündigt und damit den Zorn der ehemaligen Kolonialmacht auf sich gezogen.