Börsen Niedergang in Oklahoma

Die guten Zeiten sind vorbei: Fracking-Anlage in den USA.

(Foto: Spencer Platt/AFP)

Der Gasförderer Chesapeake profitierte lange vom Fracking. Nun droht der Energiefirma die Pleite.

Von Kathrin Werner, New York

Einst war Chesapeake Energy der Liebling der Börse. Das Unternehmen stand für alles, was gut war an dem Boom der neuen Gasfördermethode Fracking: Fracking machte viele Menschen in kurzer Zeit reich. Fracking schaffte Tausende Arbeitsplätze nach der Finanzkrise, als Jobs dringend benötigt wurden. Fracking machte die Vereinigten Staaten weniger abhängig von Energieimporten. Und Fracking, so schien es, nahm den großen Ölmultis einen Teil ihrer Macht und übertrug diese an Unternehmen wie Chesapeake: gegründet 1989 in der Stadt Oklahoma City mit einem Startkapital von gerade mal 50 000 Dollar. Chesapeake stieg zum zweitgrößten Gasförderer der USA auf.

Das war einmal: Die guten Zeiten für die Branche und für Chesapeake sind vorbei, im vergangenen Jahr sind 40 Energiefirmen in den USA in die Insolvenz gerutscht. Mehr werden folgen, so glauben Beobachter. Die Börse fürchtet, dass ihr einstiger Liebling Chesapeake zu den Firmen gehört, die es nicht durch die jetzige Krise schaffen. Der Aktienkurs des Unternehmens hat seit Beginn des Jahres 55 Prozent an Wert verloren. Eine Aktie kostet nur noch etwa zwei Dollar, Mitte 2014 waren es noch mehr als 30 Dollar. Der Preisverfall wird immer schneller.

Am Wochenende gab es Medienberichte, wonach Chesapeake Sanierungsexperten von der Kanzlei Kirkland & Ellis angeheuert habe, um nach Möglichkeiten zu suchen, die Schulden von mehr als zehn Milliarden Dollar loszuwerden. Daraufhin brach der Aktienkurs um 50 Prozent ein und erholte sich nur leicht, als Chesapeake mitteilte, schon seit Jahren mit Kirkland & Ellis zusammenzuarbeiten. Die Investoren fürchteten, dass die nächste Möglichkeit, die Schulden zu tilgen, der Antrag auf ein Insolvenzverfahren nach Chapter 11 des amerikanischen Konkursrechts sein könnte. Eine Insolvenz sei aber nicht geplant, teilte Chesapeake mit. Noch gebe es andere Möglichkeiten, die Schulden zu bezahlen.

Ursache der Misere sind die niedrigen Preise für Öl und Gas. Chesapeake hat sich zwar für die vergangenen Jahre so gut es ging dagegen abgesichert, trotzdem traf der Preisverfall das Unternehmen hart. Chesapeake braucht Analysten zufolge einen höheren Gaspreis, um mit Gewinn zu wirtschaften. Eine Million britische Wärmeeinheiten, das branchenübliche Vergleichsmaß, müsse mindestens drei Dollar kosten, derzeit sind es etwa 2,10 Dollar. Schuld daran sind Überproduktion, hohe Lagerbestände und der bislang vergleichsweise warme Winter.

Ein Teil der Schulden Chesapeakes ist im März fällig. Im letzten Quartal 2015 schrieb das Unternehmen einen Verlust von 4,7 Milliarden Dollar, das war der dritte Quartalsverlust in Folge. Das Unternehmen hat bereits 15 Prozent der Stellen gestrichen. Trotz der schlechten Zahlen dürfte Chesapeake allerdings noch genug Geld haben, um den im März fälligen Teil der Schulden von 500 Millionen Dollar zu zahlen, der Bargeldbestand lag Ende September bei 1,8 Milliarden Dollar. Analysten nannten den Kurseinbruch vom Montag eine Überreaktion der Börse. Andere, kleinere Unternehmen stünden der Insolvenz deutlich näher. Der Starinvestor Carl Icahn zählt zu Chesapeakes größten Aktionären.

Andere Energiefirmen könnten von Chesapeakes Sparbemühungen hart getroffen werden, zum Beispiel die Unternehmen, mit denen Chesapeake Verträge über den Transport und die Lagerung von Erdgas abgeschlossen hat. Dazu zählen Williams Companies und Energy Transfer Equity, deren Aktienkurse sind bereits eingebrochen. Die Zeiten, in denen Investoren den Fracking-Boom liebten, sind mittlerweile vorbei.