Boeing 787 Dreamliner wird zum Albtraum

Es steht mittlerweile so schlimm um Boeing, dass einem der US- Flugzeughersteller leid tun muss.

Ein Kommentar von Jens Flottau

Mit so großen Versprechungen hatte Boeing am 8. Juli 2007 sein neues Langstreckenflugzeug 787 der staunenden Öffentlichkeit präsentiert. Doch mittlerweile ist klar, dass Kunden und Medien dort nur eine notdürftig installierte Attrappe zu sehen bekommen haben.

Die mittlerweile fünfte Verspätung - von Boeing auf den Streik und falsch installierte Nieten geschoben - macht ein fundamentales Problem deutlich.

Das extra für die 787 eingeführte Produktionsprinzip, viel mehr Arbeiten komplett an Lieferanten zu vergeben, ist grandios gescheitert. Und zwar aus zwei Gründen: Das Unternehmen sorgt bei seinen eigenen Mitarbeitern für so viel Unfrieden, dass der Nutzen schon längst im negativen Sinne überkompensiert worden ist.

Teile zu komplex

Schließlich hat der jüngste Streik, der auch mit dem überbordenden Outsourcing begründet wurde, Milliarden an Einnahmeausfällen gekostet. Darüber hinaus zeigt sich, dass viele Lieferanten nicht das können, was Boeing von ihnen verlangt hat. Nämlich in Eigenverantwortung komplexe Bauteile zu entwickeln.

Die Lehre muss jenseits möglicher personeller Konsequenzen sein, wieder mehr Arbeit in das Unternehmen zurückzuholen. Das ist tröstlich für die Mitarbeiter, aber letztlich auch für den Konzern selbst.

Denn das 787-Desaster zeigt, wie schwer es für neue Anbieter ist, auch nur einzelne Teile von Flugzeugen zu bauen.

An vielen Orten, in China, Russland und Japan, versucht sich die Industrie derzeit an neuen Flugzeugprojekten - deren Realisierung wird noch weit schwieriger werden.

Boeing hat Glück im Unglück, dass die meisten Kunden derzeit wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise keinen Bedarf an zusätzlichen Maschinen haben.

Wäre alles nach Plan gelaufen, würde der Hersteller in diesem Jahr rund 100 neue Langstreckenjets mitten in der größten Branchenkrise seit Jahren liefern.