BMW koppelt die Bezüge der Topmanager an die Löhne der Fabrikarbeiter - ein wichtiges Signal, und zwar nicht nur an die eigene Belegschaft.
Es sind Meldungen, die einen ratlos zurück lassen. Ausgerechnet der amerikanische Versicherungskonzern AIG, der mit 170 Milliarden Dollar Steuergeldern vor der Pleite gerettet wurde, überweist wieder Millionenboni an seine Führungskräfte. Und in der Londoner City können sich die Investmentbanker schon wieder auf einen üppigen Geldregen freuen: Insgesamt 6,6 Milliarden Euro sollen demnächst ausgeschüttet werden. Das Argument der Finanzindustrie ist immer dasselbe. Die Großverdiener müssen mit Millionen motiviert werden, damit sie nicht zur Konkurrenz wechseln.
Der Lohn der Mitarbeiter am BMW-Band wirkt sich künftig auf die Managergehälter des Unternehmens aus. (© Foto: dpa)
Anzeige
Dass es gerade jener Berufsstand war, der mit seinen Zockereien vor zwei Jahren zuerst die Finanzkrise und dann die größte globale Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten angezettelt hat - es scheint schon wieder vergessen. Nicht nur Steuerzahler verlieren so den Glauben an das System - auch Tausende einfache Bankangestellte, die im Zuge der Krise ihre Jobs verloren haben. Der Münchner Autohersteller BMW macht nun vor, dass es auch anders geht. Im Gegensatz zu vielen Großbanken benötigen die Bayern keine Staatshilfen. Dennoch hat sich das Unternehmen als erster großer Dax-Konzern ein neues Vergütungsmodell verordnet, mit dem die Bezüge der Topmanager an die Entlohnung der Fabrikarbeiter gekoppelt werden. Der Abstand darf sich künftig nur noch innerhalb bestimmter Grenzen verändern.
Gewiss, wer bei BMW am Band steht, wird auch in Zukunft weniger verdienen als ein Topmanager. Aber er kann sicher sein, dass die Schere zwischen den unterschiedlichen Einkommen sich nicht unverhältnismäßig öffnet. Dies ist ein wichtiges Signal - nicht nur an die eigene Belegschaft.
- Thema
- Unternehmen RSS
(SZ vom 26.10.2009/mel)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Vorab möchte ich einiges klarstellen: Ich habe überhaupt nichts gegen einen leisttungsbezogenen Verdienst. Aber diese Lohn- und Boniexzesse sind gesellschaftsschädigend und erhöhen die Kluft zwischen Arm und Reich. Wir sind und bleiben eine Solidargesellschaft, manchmal etwas mehr und manchmal etwas weniger. Im Moment bewegt sich Deutschland auf dem Weg von Argentinien und Russland. 10% der Bevölkerung hat 80% Anteil am BIP. Dies ist eigentlich ein Wert, welcher einer Bananenrepublik gleichkommt, man nennt dies auch Oligarchie. Wenn wir diesen Weg weitergehen, wird es früher oder später zu sozialen Unruhen kommen und die Villen werden brennen...!
Ich weiss nicht, wie du zuhause erzogen wurdest, aber meine Eltern haben grossen Wert auf soziale Kompetenz gelegt und genau so führe ich meine Unternehmen seit rund 25 Jahren. Ich bezahle immer locker 10% über dem Branchentarifvertrag und meine Mitarbeiter sind das Kapital meiner Firmen. Belohnt werde ich über eine fast nicht stattfindende Fluktuation und eine Identifikation mit dem Unternehmen. Somit sind unsere Kunden immer ein Stück zufriedener, als die der Konkurrenz. Keiner meiner Angestellten musste je beim Sozialamt Zusatzleistungen beanspruchen.
Wieso ein Arbeitgeber alles aus seinen Mitarbeitern herauspressen muss, wird sich mir nie erschliessen. Wieso Arbeitnehmer vor Gier fast vergehen ist mir ewig schleierhaft. Jedes Vermögen über 20 Mio. ist asozial, da das Geld an eine Person gebunden ist. Vererben von Vermögenswerten sollte grundsätzlich verboten sein und an den Staat zurückfallen.
Ich bezeichne mich nicht als Linker, nicht als Alternativer, nicht als Radikaler, sondern als sozial kompatibler Mensch.
Zurück zu den Investmentbankern. Mit Luft zu handeln und dann auch noch zu motzen, wenns grandios in die Hosen geht, finde ich schon sehr verwegen! Jede Putzkolonne hätte den Hypo-Handel mit US-Immobilien als absurd abgetan, nur die Gier hat das grandios verhindert und immer mehr Banken in Deutschland wollten auch noch schnell dabei sein. Island hat sich in den Staatsruin geschossen.
Und du forderst tatsächlich Milde und Verständnis für deinen Berufsstand?
Apropos Derivate. Wie hiess die englische Bank, welche von Hongkong aus von einem einzigen Investmentbanker mit Derivathandel ins Off geschossen wurde? Barrings? Einige Milliarden Schaden?
Kannst du über deinen eigenen Tellerrand hinausschauen? Kannst du den volkswirtschaftlichen Schaden der Bankenbranche auch wirklich sehen?
Hallo Peter,
wieso musst du in deinen Beiträgen eigentlich immer beleidigend werden? Das ist nicht unbedingt das was man guten Stil nennt - nur weil du Investmentbanker nicht magst musst du sie nicht beleidigen... Danke!
So - ich erklrä dir gern nochmal wieso ein Mensch viel und der andere im Vergleich dazu wenig verdient - der eine hat Abitur gemacht, einen Dr., ein Dipl. oder einen Master gemacht, sich fortgebildet, hochgearbeitet und kann eine ganz spezielle Sache äusserst gut so wie nur wenige - ergo Menschen wie er sind rar. Der andere hat einen qualifizierten Realschulabschluss, eine gute Autoschlosserlehre und einige Fortbildungen, er kann unwahrscheinlich gut Autos montieren, so wie viele andere auch - ergo er ist nicht rar!
Nachfrage und Angebot bestimmen den Markt... und schon haben wir einen Preis für die einzelnen Mitarbeiter. Um den Dipl. streiten sich 10 Unternehmen, um die Stelle des Autoschlossers streiten sich 10 Arbeitnehmer.
Dass du Derivate nicht verstehst und sie daher als "fiktiv" bezeichnest mag dir verziehen sein, aber wie wärs wenn du etwas nicht verstanden hast dich entweder besser informierst oder nichts dazu schreibst?!
Du pauschalisierst ziemlich gewaltig und kommst darüber zu einem falschen Schluss... schau dir einfach mal eine Bankbilanz aus 2008 an und lies dir ganz genau die GUV durch und googel einfach jeden Begriff den du nicht kennst. Dann solltest du - sofern du unvoreingenommen an die Sache gehst - irgendwann bemerken, dass die Boni so wirklich gar nichts mit der Finanzkrise zu tun haben und die Kritik daran nur populär ist und schön davon ablenkt, dass die ganzen Politiker nicht die Eier haben uns Bankern mal wirklich sinnige Regulierung aufzuerlegen...
Weder Boni, noch ABS, CDS oder Derivate irgendeiner Form sind Schuld an der Finanzkrise - es ist der Umgang der viel zu ungezügelt ist... sonst könnte man auch Autokonzerne verklagen wenn jemand mit einem Auto zu tode kommt!
aber ich hoffe dass das Aktienpaket nicht mit inbegriffen ist....????
Das hat der Man am Band zufällig auch nicht!
BMW macht genau das, was dieses Land braucht: Vertrauen von der Basis (Belegschaft) aufbauen zu seinen Führungskräften.
Das Motto ist richtig: Kommt wieder auf den Teppich der Tatsachen zurück! Kommt endlich in der realen Welt an!
Die Steigerungen der Spitzengehälter und Bonis standen real nie zu der Leistung des mittleren und oberen Management!
Reithofer hat begriffen, dass diejenigen, die sich oft als "Leistungsträger" bezeichnen, gar keine Leistungsträger im eigentichen Sinne sind, sondern dass sie das machen, wofür sie sowieso schon hoch bezahlt werden.
Leistungsträger sind diejenigen bei BMW, die hier sozial und vorbildlich handeln und erkennen, dass diese Ungleichbehandlung gegenüber dem einfachen Arbeitnehmer zum Management zu Aufständen und Unruhen führen kann und zwar nicht nur bei BMB - sondern in der gesamten Bundesrepublik!
Diejenigen, die sich oft als Leistungsträger titulieren, vergessen, dass wir Millionen von Leistungsträgern haben, die in dieser Republik oft sogar ohne - oder bei geringem Gehalt, riesige Leistungen erbringen: Krankenschwestern, Erzieherinnnen, Sozialpädagogen, Hausfrauen, Pflegekräfte und Mütter (oft pflegen die auch noch die Alten)! Gerecht ist das nicht - und diejenigen, die hier meist von einer Leistungsgesellschaft reden, würden nicht im Traum daran zu denken, unentgeltlich oder für wenig Geld diese Arbeiten zu verrichten!!!
Das soziale Gewissen und die soziale Verantwortung scheinen bei BMW durch dieses Handeln, die Managergehälter an die tarifliche Lohnsteigerung zu binden, umgesetzt zu werden.
Hoffentlich wird das in dieser Republik durchgreifen!!!
Hm, deinen Argumenten kann ich soweit folgen, nur, die letzten Jahre haben doch gezeigt, dass dieses Bezahlsystem zu krankhaften Auswüchsen führt und nicht nur die eigene Bank in den Ruin treibt, sondern die weltweite Wirtschaft! Gerade diese Boni haben doch die Gier erst richtig angeheizt! Es gibt keinen "normalen" Grund, wieso ein Angestellter pro Jahr mehr als das 20xfache des einfachen Angestellten verdienen soll!
Diese völlig überrissenen Boni haben dazu geführt, dass die Finanzjongleure "fiktive" Gewinnpapiere erfunden haben und selbst Staatsbanken vor Gier alle Schranken haben fallen lassen.
Wie schreibst Du so schön: "...wenn ein Investmentbanker in einem guten Jahr einige Milliarden für sein Unternehmen verdient, wieso sollte er dann nicht einige Millionen dafür bekommen?!" Naja, wenn er zeitgleich für Verluste mit seinem Unterhemd haftet, kein Problem. Doch da sind diese Banker plötzlich einfach nur kleine Angestellte und schieben die Verantwortung ihrem Arbeitgeber zu... Hier versagen doch alle Kontrollmechanismen!!!
Die Jungs sollen für gutes Geld eine ausgezeichneten Job tun, dafür sind sie angestellt, voila. Wenn sie reich werden wollen, sollen sie sich doch selbständig machen, dann haben sie aber auch das Risiko. Investmentbanker sind jedoch prinzipiell kleine Feiglinge und benehmen sich wie Beamte!
Paging