Erst herangezüchtet, dann fallengelassen: Biosprit war einmal das Lieblingsthema der Politik. Nun steht eine ganze Branche vor dem Aus.
Und sie bewegen sich doch, rein biologisch. Am Dienstag ist es ein Mercedes-Laster der Post am Potsdamer Platz in Berlin; er wird angetrieben vom neuesten Agrarsprit. Bis zu 80 Prozent weniger Kohlendioxid stößt der Lkw aus, verglichen mit herkömmlichem Kraftstoff. "Es gibt mehr als genug Motivation, sich mit biogenen Kraftstoffen zu beschäftigen", sagt Roland Dold, Entwickler bei der Truck-Sparte von Daimler, "schon des Klimas wegen."
Bund und Länder ringen um die Zukunft des Biosprits. Viele Hersteller bangen um ihre Existenz. (© Foto: AP)
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Das Gleiche allerdings gilt auch für die Bundesregierung, die sich mit den Treibstoffen nun schon seit Jahren beschäftigt. Selten geriet eine Technologie, geriet ein Hoffnungsträger derart unter die Räder der Politik. Und es ist noch nicht zu Ende. Rot-Grün war der Biosprit so wichtig, dass die Koalition ihn gleich mal von der Steuer befreite - und damit einen ungeahnten Boom auslöste.
Wie Pilze schossen Rapsmühlen und Biosprit-Importeure aus dem Boden, was wiederum der Nachfolge-Regierung bald unheimlich wurde. Sie begrenzte, entgegen der ursprünglichen Absprachen, den Steuerbonus. Gleichwohl setzten sie weiter auf den Sprit aus erneuerbaren Quellen.
Branche auf den Barrikaden
Nur sollten nun Quoten dafür sorgen, dass der deutsche Sprit weniger klimaschädlich ist. Bis zu 17 Prozent Anteil prognostizierte die Bundesregierung in ihrem Meseberger Klimaprogramm für das Jahr 2020. Das war Ende 2007.
Eine Nahrungsmittelkrise und eine Debatte um die Nachhaltigkeit der Biorohstoffe später sieht die Welt anders aus. An diesem Mittwoch tritt der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat zusammen. Er soll die Vorbehalte der Länder gegen ein neues, schärferes "Biokraftstoffquoten-Gesetz" ausräumen. Und die Branche ist, wie so oft in den vergangenen Jahren, auf den Barrikaden. Denn der Anteil des Agrarsprits soll auf 5,25 Prozent begrenzt werden -gegenüber 7,6 Prozent, die noch 2007 in Benzin und Diesel enthalten waren.
So will es der Bund. Viele Hersteller bangen um ihre Existenz. "Diverse Firmen sind schon insolvent", sagt Johannes Lackmann, Chef des Branchenverbandes VDB. "Weitere werden folgen." Die vielen Anlagen, die seit 2003 entstanden, sind nach Auffassung der VDB-Leute schon jetzt nur zu zwei Drittel ausgelastet. Kommt die Gesetzesnovelle, sind sie es nur noch zur Hälfte. "Dann werden 600.000 Tonnen weniger benötigt", sagt Lackmann, "ersetzt durch konventionellen Treibstoff unbekannter Herkunft."
Machtvolle Konkurrenz
Erst von der Politik herangezüchtet, dann fallengelassen: Eine ganze Branche steht vor dem Aus. Und die Konkurrenz ist machtvoll. Es ist der andere Biosprit, der synthetische. Die neue Diesel-Sorte etwa treibt den Mercedes-Laster der Post an, einen von 14 Lastwagen und Bussen, mit denen Daimler nun drei Jahre lang den neuen Kraftstoff testen will. Industriell gewonnen aus Palmöl und Biomasse, ist er dem fossilen Diesel verblüffend ähnlich.
Damit lässt er sich normalen Fahrzeugen problemlos in größeren Mengen verabreichen. Anders der bisherige Biodiesel: Er greift Dichtungen im Motor an und ist nur für umgerüstete Fahrzeuge bekömmlich - oder eben als Beimengung. Nur 200 deutsche Tankstellen verkaufen noch diesen reinen Biodiesel - gegenüber 1900 zu Zeiten der Steuerbefreiung. So sieht ein Absturz aus.
Vor allem aber ist der Synthetik-Sprit den Mineralölkonzernen sympathisch. War der bisherige noch vor allem in der Hand von Mittelständlern, lässt sich der synthetische Kraftstoff nur industriell herstellen - von der Mineralölindustrie. Die wettert schon jetzt nach Kräften gegen jede Erhöhung der Beimischung. Einstweilen fordern Autohersteller und Industrie nun eine "stringente und stabile Regulierung" für ihren neuesten Biosprit. Also das, was man der Vorgänger-Branche auch schon mal zugesagt hatte.
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(SZ vom 10.06.2009/kaf/tob)
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DFB-Elf vor der Europameisterschaft
Es hätte von vornherein klar sein müssen, dass der Biosprit der ersten Generation aus Nutz- und Futterpflanzen im großen Maßstab keine nachhaltige Lösung darstellen kann. Denn die eingesetzten Pflanzen benötigen die intensive Bewirtschaftung von konventionellen Feldflächen. Dass kostet viel Energie und Feldflächen haben geringere Kapazitäten als "CO2-Senken" im Vergleich zu ungenutzter Fläche.
Der Vorteil der Kraftstoffe der zweiten Generation liegt darin, dass sie auch aus Nicht-Nutzpflanzen gewonnen werden können. Die Kultivierung dieser anspruchslosen Pflanzen kommt mit weniger Energie aus. Es können auch Flächen verwendet werden, die aufgrund ihrer Bodenqualität etc für den Nutzpflanzenanbau nicht in Frage kommen. Sinn ergeben Anbau und Raffinierung wegen der geringen Energiedichte der Pflanzen nur in direkter räumlicher Nähe. Lange Transportwege sorgen für eine Nivellierung der CO2-Einsparung gegenüber fossilen Brennstoffen. Dezentrale Lösungen sind gefragt, die die jetzigen Organisationsstrukturen der Ölmultis vor Herrausvorderungen stellen und eine tragende Rolle von mittelständischen Unternehmen nahe legt.
Ein nachhaltiges Biokraftstoffkonzept kann nicht mit dem Drehen an einigen Steuerschräubchen umzusetzen sein. Es muss mit massiven Eingriffen verbunden sein, da es den Interessen einer mächtigen, unbeweglichen Lobby entgegen läuft.
Es war doch klar das die Oelmultis keine Kokurrez haben wollen,sie allein wollen den Markt beherrschen,das man Biokraftstoffe auch aus anderen Biomassen herstellen kann,weiss man mitlerweile.Nur es muss alles bei den Multis bleiben,es ist mit den Treibstoffen so,es ist die perfeckte Gelddruckmaschiene.
denn dadurch wird weltweit der Anbau von bspw. Palmöl gefördert.
Die Folge daraus ist, dass die für uns und unsere Zukunft lebensnotwendigen Urälder gerodert und durch Palmölplantagen ersetzt werden.
Mit so einer Politik fördert man den Klimawandel. Denn wenn die Urwälder abgeholzt sind, haben wir nichts mehr, was das CO2 aufarbeitet und in Luft umwandelt.
So kann man die Welt natürlich auch kaputt machen... Immer nach dem Motto: nach mir die Sinnflut
Liebe Wilma,
kannst du mal ein oder zwei Beispiele für "sollte besser das Original-Raps-...-Öl zum Einsatz kommen. Motoren, die das mit besserer Ausnutzung können, gibt es. Nebenbei fällt auch eine bessere Umweltverträglichkeit ab." diese EierlegendeWollMilchSau nennen?
Ich kenne nur wenige Motoren die in der Lage sind unraffinierte Öle zu verbrennen, Panzermotoren, alte Schiffsdiesel und alte Dieselmotoren - für ihren Wirkungsgrad und ihre Umweltverträglichkeiten sind diese Drecksschleudern eher wenig bekannt...
Ich weiss es ist "En Vouge" die bösen Konzerne zu verteufeln und ihnen die Schuld an allem zu geben - aber mal ganz im ernst, der Autohersteller der einen Motor baut der effektiver und umweltfreundlicher mit Biosprit läuft wäre schön blöd diesen nicht auf den Markt zu werfen... Allein der Prestigegewinn (Bluemotion etc.) eines solchen Produktes würde die möglichen Einbußen bei Beteiligungen an Mineralölgesellschaften wettmachen...
Bislang ist das Produkt Biosprit leider sehr unausgereift, was wohl hauptsächlich an der Kurzsichtigkeit in Wirtschaft und Wissenschaft liegen möchte - immerhin wär Öl spottbillig und "unendlich" verfügbar... Nun die gleiche Kurzsichtigkeit bei Biosprit an den Tag zu legen ist wirlklich bezeichnend für die Blödheit der Menschheit... man muss Biospirte noch deutlich weiterentwickeln bevor man an eine ernsthafte Substitution von Mineralölren denken kann!
Wo staatlich verordnete Wettbewerbsverzerrung und Subventionttis am Werk sind, sind die Abzocker und Trittbrettfahrer ganz in der Nähe.
Und der gemeine Steuerzahler oder Stromverbraucher gibt den unfreiwilligen Deppen.
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