Von Adrienn Sümeg

Die Bio-Welle schwappt in die Naschecke: Erstmalig gab es jetzt auf der Internationalen Süßwaren-Messe in Köln eine "Bio-Straße".

Ob Schokolade, Popcorn oder Fruchtgummi - der Bio-Boom hat inzwischen fast alle Bereiche des Süßwarenmarktes erfasst. Derzeit liegt der Anteil von Bio-Produkten im Süßwarenbereich bei etwa zwei Prozent, schätzt Uwe Lebens, stellvertretender Vorsitzender des Arbeitskreises Internationale Süßwaren-Messe (AISM). "Aber in vier bis fünf Jahren könnte er 20 Prozent erreichen." Dieses Wachstumspotential haben auch viele der 1700 Aussteller auf der Süßwarenmesse (ISM) erkannt, die kürzlich in Köln über die Bühne ging.

Bild vergrößern

Ist Bio-Schokolade gesünder als normale? (© Foto: dpa)

Anzeige

Zahlreiche große und kleine Hersteller drängen in den Markt. Unternehmen wie Haribo, Mederer aus Fürth (Trolli-Gummibonbons) und Bahlsen werben mit der Produktion nach ökologischen Standards. Der Kölner Schokoladenfabrikant Stollwerck (Sarotti) hat seinen Umsatz mit Biotafeln 2007 im Vergleich zum Vorjahr nach eigenen Angaben mehr als verdoppelt.

Doch auf dem Weg zum Bioprodukt gibt es einige Hürden zu überwinden. Produkte müssen die Anforderungen des Bio-Siegels erfüllen, so der Sprecher des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI), Torben Erbrath. Produkte, die mit einem "Bio" oder "Öko-Siegel" versehen werden, entsprechen der EU-Öko-Verordnung. Das bedeutet, zertifizierte Produkte sind frei von Bestrahlung und gentechnischer Veränderung.

Darüber hinaus darf in der ökologischen Landwirtschaft kein chemisch-synthetischer Pflanzenschutz verwendet werden. Abwechslungsreiche Fruchtfolgen, artgerechte Haltung und Fütterung mit ökologisch produzierten Futtermitteln sind ebenfalls Bestandteile dieser Verordnung. Manche Lebensmittel tragen neben dem "Bio"-Siegel auch ein Zeichen der acht ökologischen Anbauverbände: Biokreis, Bioland, Biopark, Demeter, Ecovin, Gäa, Naturland oder Ökosiegel. Diese sind oft noch strenger als die EU-Norm.

Exklusivitätsrecht auf Rohstoffe

Eine weitere Hürde liegt in der Beschaffung von Bio-Rohstoffen. Die Nachfrage beispielsweise nach ökologisch angebautem Kakao ist derzeit größer als das Angebot. Manche Unternehmen lösen das Problem, indem sie sich ein Exklusivitätsrecht bei ausgewählten Kakaobauern und damit ihre Rohstoffversorgung sichern. Beispielsweise hat Ritter-Sport schon vor 18 Jahren begonnen, den ökologischen Anbau von Kakao in Nicaragua zu fördern und die Kleinbauern vor Ort zu unterstützen. In einer Branche mit knappen Ressourcen sind die richtigen Lieferanten entscheidend für den Unternehmenserfolg.

Anfang April bringt Ritter-Sport vier Sorten Bio-Schokolade auf den Markt. "Das ist für uns kein Modetrend, sondern eine Fortsetzung unserer Strategie", sagt der Chef des schwäbischen Familienunternehmens. Doch warum kommt Ritter Sport erst jetzt mit Bio-Schokolade? "Wir haben hart daran gearbeitet, Bio-Rohstoffe nach unseren Qualitätsanforderungen zu bekommen", sagt eine Sprecherin des Unternehmens zu sueddeutsche.de. Die Gesamtproduktion auf Bio umzustellen ist aufgrund der Rohstoffknappheit noch nicht möglich.

Mehrere kleinere Hersteller sind noch dabei, ihre Chancen im Einzelhandel auszuloten. "Wir haben testweise Figuren aus Bio-Schokolade hergestellt, aber ob es sich lohnt, damit in Serie zu gehen, muss sich erst zeigen", sagt Siegfried Helgert von der Confiserie Helgert in Altdorf bei Nürnberg. "Es müssen so viele Auflagen erfüllt werden, dass wir sehr große Abnehmer bräuchten."

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Süßwaren-Hersteller drängen in den Bio-Markt
  2. Süßwaren-Hersteller drängen in den Bio-Markt
Leser empfehlen