Bilfinger Berger: Roland Koch 1,5 Millionen Euro und ein Geschmäckle

Roland Koch soll Chef des Baukonzerns Bilfinger Berger werden. Dabei profitiert das Unternehmen von einem Projekt, für das Koch als hessischer Ministerpräsident massiv kämpfte.

Von D. Deckstein und M. Widmann

Noch herrscht einiges Rätselraten über eine der wohl interessantesten Personalien des Jahres: Wird der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) tatsächlich Chef des Mannheimer Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger Berger? Fest steht nur eines: Einen Vorstandsvertrag, wie mancherorts kolportiert, wird der 52-Jährige am Freitag definitiv nicht unterschreiben. Bis der ausgehandelt ist, gehen gewöhnlich mehrere Monate ins Land. Aber derzeit spricht immerhin einiges dafür, dass sich der zwölfköpfige Aufsichtsrat der Bilfinger Berger SE am Freitag für Roland Koch als Nachfolger des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Herbert Bodner, 62, entscheiden wird.

Hier und dort wird zwar etwas die Nase gerümpft über den mangelnden Branchen-Stallgeruch des Juristen und Politikers Koch, aber Herbert Bodner hatte selbst einmal gesagt: "Mein Nachfolger muss kein Bauingenieur sein." Das dürfte auch Bernhard Walter, 68, so sehen, der Chef des Bilfinger-Aufsichtsgremiums, als dessen Favorit Koch gilt. Für Marketing, Akquise, Menschenführung muss ein Bilfinger-Chef nicht mit der Maurerkelle in der Hand herumlaufen. Zudem kennen sich der frühere Chef der Dresdner Bank und der hessische Ex-Ministerpräsident seit vielen Jahren gut.

Dabei kann man Roland Koch eine gewisse Leidenschaft fürs Bauen nicht absprechen. Ob beim Umbau der Wiesbadener Staatskanzlei oder beim Neubau der Hessischen Staatsweingüter, der damalige Ministerpräsident ging da stets aktiv und engagiert an seine Bauherrnrolle. Als im August - also noch vor seinem tatsächlichen Rückzug aus dem Amt - die ersten Gerüchte kursierten, er sei als Chef von Bilfinger Berger im Gespräch, erschien das als durchaus plausibel. Sie wurden damals als "Unfug" dementiert.

Dem Ministerpräsidenten war von Beratern streng eingeschärft worden, über seine Ambitionen öffentlich kein Wort zu verlieren - schon deswegen nicht, um andere potentielle Arbeitgeber nicht zu vergraulen. Die, so ist aus Kochs Umfeld zu vernehmen, standen schon seit seiner Rücktrittsankündigung im Mai Schlange, um ihn mit Angeboten zu ködern.

Die Dementi-Phase hielt nicht lange. Ende August sagte Koch in einem Interview: "Ein Ministerpräsident darf und manchmal muss er auch bauen. Ich habe viele Stellen vorgefunden, an denen Bauen notwendig war. Ich will aber gerne einfügen, dass es mir auch Spaß gemacht hat." Und bald kam heraus, dass Koch seine Ambitionen auch mit dem Bilfinger-Aufsichtsrat besprochen hatte.

Vor einer Woche bestätigte Aufsichtsratschef Walter, dass man neben anderen Kandidaten auch mit Koch im Gespräch sei. Je länger eine Personalie in der Gerüchteküche schmurgelt, desto nachteiliger ist das für alle Beteiligten. Am Freitag, so heißt es, werde es zumindest in der Causa Koch ein Ende mit der Gerüchterei haben. Dann stünde nur noch die Frage im Raum, ob sich Vorgänger Bodner, dessen Vertrag bis Ende Juli 2011 läuft, vorzeitig zurückzieht.

Der Koch, der Landesfürst war

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