Von Stefan Weber

Auf dem Heimatmarkt fürchten deutsche Brauer die internationale Konkurrenz nicht. Aber selbst sind sie im Ausland auch kaum präsent.

Ulrich Kallmeyer versteht etwas vom Biergeschäft. Er ist Chef der Radeberger-Gruppe, die mit Marken wie Jever, Schöfferhofer und Berliner Kindl mit großem Abstand die Nummer eins unter den Brauereien in Deutschland ist.

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(© Grafik: SZ)

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Doch als ausländische Brau-Gruppen wie die belgisch-brasilianische Inbev vor ein paar Jahren in großem Stil deutsche Bieranbieter kauften, hoffte auch der altgediente Manager der zum Oetker-Konzern gehörenden Getränkegruppe noch etwas dazuzulernen: "Ich hatte auf ein Konzept gewartet, das ich hätte kopieren können."

Aber der Radeberger-Chef wurde enttäuscht. Bei all dem, was die internationalen Konzerne unternommen hätten, um ihre teuer erworbenen deutschen Töchter auf Rendite zu trimmen, sei nichts dabei gewesen, was sich zu kopieren gelohnt hätte, meint er. "Nur die Kosten drücken, das können wir auch."

Ausländische Brauereien tun sich schwer, in Deutschland Fuß zu fassen. Zwar zählen die Bundesbürger mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von zuletzt 111,7 Liter im Jahr zu den weltweit fleißigsten Biertrinkern. Aber anders als in Osteuropa, Asien oder Südamerika, wo der Bierabsatz kräftig steigt, geht der Konsum in Deutschland zurück.

Im vergangenen Jahr betrug das Minus gut drei Prozent; 2008 wird - ungeachtet der Fußball-Europameisterschaft - ein weiterer Rückgang um vier Prozent erwartet. Und in fünf Jahren, so prognostiziert Radeberger-Chef Kallmeyer, wird der Pro-Kopf-Verbrauch weniger als 100 Liter pro Jahr betragen.

Energiepreise belasten

Düster sind die Aussichten für die Brauer zum einen aus demografischen Gründen: Junge Leute trinken seltener Bier als ihre Väter und Großväter. Daran ändert auch die Beliebtheit der Biermischgetränke nichts.

Ihr Absatz steigt zwar nach wie vor in zweistelligem Tempo, und Mixgetränke sind für einige Brauereien ein einträgliches Nebengeschäft. Aber sie können den rückläufigen Trend nicht stoppen; der Anteil der Mischgetränke am gesamten Bierabsatz beträgt lediglich fünf Prozent. Nicht abzuschätzen ist zudem, wie das Rauchverbot in der Gastronomie den Bierkonsum beeinflussen wird. Branchenkenner erwarten allein aufgrund der neuen gesetzlichen Bestimmung einen Absatzrückgang von bis zu einem Prozent.

Dass die Nachfrage kontinuierlich sinkt, ist für die Bierverkäufer allein schon schlimm genug. Aber sie stehen zusätzlich vor dem Problem, dass die Kosten rapide steigen. Nicht nur, dass Hopfen und Gerste teurer geworden sind. Auch die Glaspreise sind stark gestiegen.

Zudem treffen die hohen Energiepreise die Branche besonders, weil Brauen ein sehr energieintensiver, mit hohen Temperaturen verbundener Prozess ist. Einen Teil dieser Belastung haben die Brauer an die Verbraucher weitergegeben - seit Jahresbeginn ist der Kasten um bis zu einen Euro teurer geworden. Weitere Preiserhöhungen gelten als sicher. Vielleicht nicht mehr 2008. Aber spätestens im nächsten Frühjahr, so heißt es in der Branche, könnte es so weit sein.

Dass auch die international agierenden Brauereien auf die Herausforderungen des deutschen Marktes keine Antwort gefunden haben, stärkt das Selbstbewusstsein der heimischen Anbieter. "Wir müssen uns vor keinem Wettbewerber fürchten, auch nicht vor den Dependancen der Global Player", meint Kallmeyer.

Die Sorgen mit dem Geschäft in der Heimat ließen sich mildern, wenn die deutschen Brauereien über ein starkes Geschäft in Ländern verfügen würden, in denen die Verkaufszahlen steigen. Zumal sich mit dem Bierverkauf jenseits der Grenze wesentlich höhere Margen erzielen lassen als im Inland. "Nirgends ist Bier so billig wie in Deutschland", klagt Richard Weber, Präsident des Deutschen Brauerbundes und geschäftsführender Gesellschafter der Karlsberg-Brauerei. In Osteuropa beispielsweise, in China und auch in Südamerika steigt der Bierabsatz kontinuierlich.

Gerade hat Russland Deutschland als - gemessen an der Brauproduktion - weltweit drittgrößten Biermarkt abgelöst. Diese Entwicklungen werden die internationale Brauwirtschaft künftig weiter prägen. Zukunftsinvestitionen finden nicht mehr in Deutschland oder Westeuropa statt, sondern in Schwellenländern und neuen aufstrebenden Regionen.

Konzentrationswelle

Die deutschen Brauer sind in diesem internationalen Geschäft nur Zaungäste. Radeberger landet im internationalen Ranking mit einem Verkauf von 14 Millionen Hektolitern gerade auf Platz 23.

Der Marktanteil summiert sich auf knapp ein Prozent. Bitburger rangiert mit acht Millionen Hektolitern auf Platz 33, gefolgt von Oettinger. Dass die deutschen Brauer doch noch auf den Exportzug springen, gilt als ausgeschlossen. Die internationalen Märkte sind weitgehend besetzt. Es dominieren wenige Großkonzerne, wie Inbev, Anheuser-Busch, SAB-Miller sowie Heineken aus den Niederlanden, Carlsberg aus Dänemark und die japanische Kirin-Brauerei.

Am weltweiten Bierausstoß haben die 40 größten Braubetriebe einen Anteil von 85 Prozent. Und die Konzentrationswelle geht weiter. Das Bündnis von Inbev und Anheuser-Busch wird nicht der letzte Zusammenschluss unter den Brauereigruppen sein. Den deutschen Bierverkäufern bleibt dabei nur die Nabelschau. Aber auch sie rücken zusammen. Radeberger-Chef Kallmeyer will den Marktanteil seiner Gruppe bis 2010 von heute 15 Prozent auf 20 Prozent erhöhen. "Das geht nur über Firmenkäufe", sagt er.

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(SZ vom 13.06.2008/hgn)