Bienensterben durch Chemikalien? Bayer will offenen Dialog führen

Seit 2008 gilt es als sicher, dass Clothianidin ein Bienenkiller ist. In Südwestdeutschland starben 11 500 Bienenvölker. Die Maissaat war mit einem Beizmittel gegen den Maiswurzelbohrer behandelt worden, das den gefährlichen Wirkstoff enthielt. Die Körner wurden nicht richtig mit Erde bedeckt. So gelangte das Mittel ins Regenwasser und auf blühende Pflanzen. Die Bienen vergifteten sich an Pollen und am Wasser. Zeitweise verweigerten deutsche Behörden deshalb die Zulassung für alle gebeizten Saatgutmittel für Raps und Mais. Clothianidin wurde jedoch schon nach kurzer Zeit wieder zugelassen. Das Mittel wurde von Bayer und dem japanischen Pharmahersteller Takeda Chemical Industries entwickelt und ist in Deutschland unter dem Produktnamen Poncho zugelassen.

Der betroffene Hersteller Syngenta kritisierte den Zeitdruck, mit der die Bewertung der Sicherheitsbehörde zustande kam. Bereits vorliegende praktische und wissenschaftliche Erkenntnisse seien überhaupt nicht berücksichtigt. Das Syngenta-Mittel Thiamethoxam werde seit mehr als zehn Jahren in einigen europäischen Ländern eingesetzt. Bei korrekter Anwendung habe diese Technologie keinen negativen Einfluss auf die Bienengesundheit.

Muss die Landwirtschaft umweltfreundlicher werden?

Bayer prüft nach eigenen Angaben die Berichte und zeigt sich bereit, pragmatische Lösungen zu finden. Man arbeite daran, Datenlücken zu schließen und einen offenen Dialog zu pflegen. In Studien der Saatguthersteller werden die unter Verdacht geratenen Beizmittel als unverzichtbar für die Landwirtschaft dargestellt. Sie würden den Bauern viel Zeit sparen und einen geringeren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erlauben. Ein Verbot würde innerhalb der EU Verluste von 17 Milliarden Euro bedeuten, argumentieren die Hersteller. 50 000 Jobs stünden auf dem Spiel.

Der Streit um das Bienensterben hat auch eine politische Dimension. Es geht um die künftige Landwirtschaft in Europa, darum, ob sie ökologischer und umweltfreundlicher sein muss. Imker warnen seit Jahren vor der Ausbreitung von blütenarmen Monokulturen, die mit einem hohen Einsatz von Pestiziden und Dünger verbunden ist. Sie sehen in der zunehmenden Industrialisierung der Landwirtschaft eine der Hauptursachen für das Bienensterben. Aus Protest gegen diese Entwicklung luden Imker am Mittwoch säckeweise tote Bienen vor dem Kanzleramt ab.

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