Bewertungen im Internet Bei Kundenbewertungen wird gelogen, was das Zeug hält

Wie gut ist die Kneipe? Für viele Kunden sind Bewertungen im Netz ausschlaggebend. Doch sie können leicht gefälscht werden.

(Foto: Günther Reger)
  • Viele Kunden vertrauen beim Online-Shopping auf Bewertungen. Diese werden aber massenweise gefälscht.
  • Die Portale versuchen bereits, gegen Fake-Bewertungen vorzugehen. Dennoch sind viele Bewertungen derzeit kaum aussagekräftig.
Von Martin Lechtape

"Sehr gutes Shampoo, das Fundament einer ordentlichen Bartpflege!", schreibt Lucas W. über das Bartshampoo für 20 Euro. Zusätzlich zum Shampoo hat Lucas W. am 1. Januar dieses Jahres noch sechs andere Produkte auf Amazon bewertet. Darunter ein Weinglas, ein Regal, das Buch "Kochbibel" und zwei Mal dasselbe Handy. Lucas W. hat diese Produkte vermutlich nie gekauft. Seine Urteile seien gefälscht, sagt zumindest der Bewertungstester Reviewmeta.

Das US-Unternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, Produktbewertungen auf Verkaufsplattformen zu prüfen und Fake-Kritiker zu entlarven. Insgesamt sieben Millionen Bewertungen hat Reviewmeta untersucht. 20 Prozent waren demnach gefälscht. So kommt es vor, dass ein Fünf-Sterne-Produkt recht schnell auf 2,5 Sterne abstürzt, wenn die Fake-Bewertungen herausgerechnet werden.

Für viele Einzelhändler ist das Onlinegeschäft inzwischen der größte Absatzmarkt. So gut wie jeder Dorfladen hat heute einen Onlineshop. Doch um Produkte zu verkaufen, brauchen die Unternehmer positive Rezensionen. Einer Studie des Digitalverbandes Bitkom zufolge sind Kundenbewertungen das wichtigste Entscheidungskriterium beim Online-Shopping. Noch wichtiger als der Preisvergleich.

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Vielen Einzelhändlern ist es deshalb egal, ob die Bewertungen echt sind oder nicht. Hauptsache, das Ranking stimmt. Und dafür gibt es Dienstleister: 70 Euro kosten 100 positive Facebook-Kommentare von Fanmondo.de. Das Unternehmen aus dem hessischen Nüsttal verkauft Kommentare, Likes und Abonnenten - mit Geld-zurück-Garantie. Der Konkurrent Fivestars hat sich auf Hotels und Restaurants spezialisiert. Für zwölf Bewertungen bei der Hotelbewertungsplattform Tripadvisor etwa nimmt Fivestars 119,95 Euro. Etwa 2000 Bewertungen verkauft das Unternehmen nach eigenen Angaben pro Monat.

Verbraucherschützer warnen: "Die Aussagekraft von Internetbewertungen geht inzwischen gegen null. Das System ist mehr als fraglich", sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Gefälschte Bewertungen seien da nur ein Problem. Denn auch wenn Kritiker das Produkt wirklich gekauft haben, gäben Onlinebewertungen generell nur ein subjektives Gefühl des Käufers wieder. Tryba rät Verbrauchern, sich stattdessen bei Testinstituten zu informieren, die Produkte verschiedener Marken vergleichen.

Alternativ können Käufer auf Reviewmeta.com prüfen, ob die Kommentare für das Amazon-Produkt, das sie kaufen wollen, gefälscht sind. Dazu muss der Käufer nur den Amazon-Link in eine Suchleiste einfügen, und der Algorithmus von Reviewmeta durchsucht alle Kommentare und Profile der Produktkritiker auf Hinweise. Kommentiert ein Kritiker beispielsweise ausschließlich die Produkte eines einzigen Herstellers oder enthalten viele Rezensionen die gleichen Formulierungen, deutet das auf einen Betrüger hin. Reviewmeta findet längst nicht alle gefälschten Bewertungen, und es gibt keine Garantie, dass das Unternehmen immer richtigliegt. Man kann aber festhalten: Verbraucher verlieren Geld, weil sie Produkte mit gefälschten Bewertungen kaufen.