Betrugsverdacht gegen insolventen Stromanbieter Anklage gegen frühere Teldafax-Manager

Hunderttausende Kunden warten seit der Insolvenz des Stromanbieters Teldafax auf ihr Geld.

(Foto: dpa)

Mit billigem Strom gegen Vorauszahlung lockte Teldafax die Kunden. Seit Deutschlands größter Insolvenz warten mehr als eine halbe Million Gläubiger auf ihr Geld. Drei ehemalige Chefs müssen sich nun vor Gericht verantworten - weil sie schon viel früher gewusst haben sollen, dass die Firma pleite ist.

Nach anderthalbjährigen Ermittlungen ist gegen drei ehemalige Vorstände des insolventen Stromanbieters Teldafax Anklage erhoben worden. Die Anklage gegen Michael Josten, Klaus Bath und Gernot Koch laute auf "Insolvenzverschleppung, in vier Fällen Bankrotthandlungen und in 241 Fällen gewerbsmäßigen Betrug", teilte die Staatsanwaltschaft Bonn mit (PDF).

Teldafax hatte im Juni 2011 Insolvenz angemeldet. Gemessen an der Gläubigerzahl von 700.000 gilt der Fall als das größte Insolvenzverfahren in der Geschichte der Bundesrepublik. Gegen die Beschuldigten bestehe der "hinreichende Verdacht der vorsätzlichen Insolvenzverschleppung", erklärte die Staatsanwaltschaft.

Demnach waren die Teldafax Holding AG und deren Tochtergesellschaften Teldafax Services GmbH und Teldafax Energy GmbH spätestens seit Mitte 2009 zahlungsunfähig. Erste Berichte über eine Überschuldung im Herbst 2010 hatte das Unternehmen aber noch vehement zurückgewiesen. Viele Teldafax-Kunden hatten für ihren Strom Vorauszahlungen an das Unternehmen geleistet, für die sie nach der Pleite keine Gegenleistung mehr erhielten (Mehr Hintergründe in diesem SZ-Artikel).

Teldafax hatte sich einen Namen als Billiganbieter von Strom und Gas gemacht. Das Geschäftsmodell sah vor, dass Kunden dank spezieller Angebote günstig Energie bezogen, dafür aber Vorauszahlungen leisten mussten. Im Zuge der Insolvenz meldeten mehr als eine halbe Million Gläubiger Forderungen an. Das Handelsblatt berichtete am Freitag unter Berufung auf Kenner des Verfahrens, den drei Angeklagten drohten Haftstrafen von fünf bis zehn Jahren. Ein Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft wollte dazu auf Anfrage keine Angaben machen.

Michael Josten war Vorstandsvorsitzender von 2004 bis 2007, Bath folgte ihm und leitete das Unternehmen von 2007 bis 2011. Koch hatte den Chefposten in den letzten drei Wochen vor dem Insolvenzantrag im Juni 2011 inne.