Betreiber des Unglücks-AKWs in Fukushima Tepco lässt andere zahlen

Umgerechnet acht Millliarden Euro Staatshilfe kassiert der Atomkonzern Tepco, um die Folgen der Nuklear-Katastrophe von Fukushima zu beseitigen. Sein eigenes Engagement ist weitaus geringer. Und den Opfern macht es Tepco schwer, Entschädigungen zu bekommen.

Von Christoph Neidhart

Japans Steuerzahler werden die Rechnung von Fukushima übernehmen. Damit die Betreiberin Tepco die Opfer der Nuklearkatastrophe, die sie verursacht hat, entschädigen kann, wird die Regierung von Premier Yoshihiko Noda Tepco 890 Milliarden Yen zustecken, wie sie am Freitag beschloss. Das sind 8,2 Milliarden Euro. Die andern regionalen Stromproduzenten Japans steuern 1,1 Milliarden Euro bei.

Tepco selbst will Kosten kürzen und seinerseits zwei Milliarden Euro aufbringen. Das Management hat die Löhne um 20 Prozent gekappt, jenen ehemaligen Angestellten, die über 80 Jahre alt sind, wurden sogar 30 Prozent der Renten gestrichen. Außerdem wird Tepco 7400 Stellen streichen. Das Management selbst jedoch kommt bisher ziemlich ungeschoren davon. Die Regierung erwartet von ihm lediglich "einschneidende Reformen".

An der AKW-Ruine kämpfen Tepco-Angestellte und vor allem schlecht bezahlte Zeitarbeiter von Vertragsfirmen noch immer um die Abschaltung der Reaktoren. Bis im Januar will Tepco die drei geschmolzenen Reaktoren ganz unter Kontrolle haben. Das ist nur ein Anfang: Wie man die vier beschädigten Abklingbecken zurückbaut, in denen geborstene radioaktive Brennstäbe unter freiem Himmel liegen, weiß niemand.

Fest steht aber: Die Demontage von Fukushima I wird etwa 30 Jahre dauern. Akira Tokuhiro, ein Japaner, der an der US-Universität Idaho Nuklear-Technologie lehrt, glaubt, dass dafür und die Dekontamination über Jahre etwa 10 000 Arbeitskräfte benötigt werden. Diese Kosten werden jedoch vom Geld, das Tepco jetzt vom Staat erhält, nicht gedeckt. Die knapp 10 Milliarden Euro dienen einzig der Entschädigung jener Menschen, die ihre Habe, ihr Zuhause und ihre Arbeit verloren haben. Und der Firmen, Bauern und Fischer, die wegen Schäden erlitten oder ganz aufgeben mussten.

Doch bei Entschädigungen geht es nur langsam voran. Die meisten Opfer haben noch kein Geld gesehen. Die Antragsformulare für die 76 000 betroffenen Haushalte wurden erst im September versandt. Sie umfassen 60 Seiten, das überfordert viele Leute. Und in Tepcos Beratungszentren muss man dafür lange Schlange stehen. Im Sommer versuchte Tepco, Obergrenzen für die Entschädigungen durchzusetzen und gewisse Schäden auszuschließen.

Da verwundert es nicht, wenn jetzt der Verdacht auftaucht, Tepco mache die Entschädigung bewusst schwierig. Wer evakuiert bleibt, muss künftig alle drei Monate einen solchen Antrag stellen. Das gilt für die meisten der über 100 000 Evakuierten. Obwohl die Regierung die sogenannte freiwillige Evakuierung der 20- bis 30-Kilometer-Zone formell aufgehoben hat, werden die Bewohner der meisten Dörfer frühestens im Frühjahr zurückkehren können.

Erst nachdem Tepco-Chef Toshio Nishizawa vom Parlament gerügt wurde, lieferte Tepco wenigstens ein kurzes Merkblatt nach. Außerdem hat Tepco versprochen, die Opfer künftig mehr zu "respektieren". Die Entschädigungen werden von Tepco abgewickelt, doch das Geld fließt nicht durch Tepcos Kasse, sondern wird von einer Gesellschaft ausbezahlt, die eigens dafür geschaffen wurde. Die 1,01 Billionen Yen werden also in der Konzern-Bilanz nicht auftauchen, die Entschädigungszahlungen auch nicht, nur Tepcos Beiträge an diese Gesellschaft. So schirmt Tepco seine Anleger gegen Regressionsforderungen ab.

Zahlen muss am Ende der Steuerzahler. Nach Angaben der Tageszeitung Mainichi werden bis März 2013 Entschädigungen in Höhe von 42 Milliarden Euro fällig. Tepco wird dazu wenig beitragen können. Die Firma hat am Freitag ihr Halbjahresergebnis bekannt gegeben und gewarnt, sie rechne mit einem Verlust von 576 Milliarden Yen fürs ganze Jahr, das sind 5,3 Milliarden Euro.