Entscheidung im Aufsichtsrat Löscher muss gehen - Kaeser wird neuer Siemens-Chef

Finanzchef Joe Kaeser (links) folgt Peter Löscher, bisher Chef der Siemens AG (rechts).

(Foto: REUTERS)

Der Rauswurf von Peter Löscher stand seit Tagen im Raum, nun ist es soweit: Der Siemens-Chef muss abtreten. Es gibt im Aufsichtsrat eine Mehrheit für seine Abwahl. An der Spitze des Technologiekonzerns steht künftig der bisherige Finanzchef Joe Kaeser.

Siemens-Chef Peter Löscher muss abtreten. Das entschied sich am Samstag bei Treffen von Aufsichtsräten und des Aufsichtsratspräsidiums. Die Kontrolleure sprachen sich zudem für Finanzchef Joe Kaeser als Nachfolger aus.

Siemens erklärte am Samstagabend, der Aufsichtsrat werde bei seiner Sitzung am kommenden Mittwoch "über das vorzeitige Ausscheiden des Vorstandsvorsitzenden beschließen". Zudem solle ein anderes Vorstandsmitglied zum neuen Konzernchef ernannt werden. Dass Kaeser den Job bekommen soll, teilte Siemens noch nicht mit. Offenbar aus Rücksicht darauf, dass der Aufsichtsrat das erst formal beschließen muss.

Kaeser, 56, ist seit 1980 bei Siemens und seit zehn Jahren im Vorstand. Er gilt schon länger als der starke Mann hinter Löscher, hat auch Rückhalt bei vielen Mitarbeitern.

Löscher hatte in dieser Woche schon zum zweiten Mal innerhalb von nicht einmal drei Monaten seine Gewinnerwartungen zurücknehmen müssen. Erst am Donnerstag hatte er sein selbstgestecktes Renditenziel von zwölf Prozent bis zum Jahr 2014 aufgeben müssen. Eigentlich war schon lange offensichtlich, dass Löscher diese Gewinnprognose nicht erreichen kann. Aber er hielt unbeirrt daran fest.

Nachdem der Konzernchef letztendlich doch zurückruderte, kam das gebrochene Versprechen am Kapitalmarkt nicht gut an: Die Siemens-Aktie verlor in Folge zeitweise mehr als sieben Prozent an Wert. Fünf Milliarden Euro Börsenwert wurden innerhalb von Minuten vernichtet.

Auch unter den Arbeitnehmern nimmt die Unzufriedenheit zu. Mit seinem aktuellen Sparkurs und dem Abbau von 10.000 Stellen weltweit hat sich Löscher bei der Belegschaft unbeliebt gemacht. Im Konzern wird auch bemängelt, dass der bisherige Chef kein Konzept gehabt habe, was aus Siemens werden solle und seine Ziele vor allem über nicht eingehaltene Gewinnversprechungen definiert habe.

Löscher saß sechs Jahre bei Siemens im Chefbüro. Drei der vier großen Geschäftsbereiche des Technologiekonzerns laufen momentan nicht gut: Industrie, Energie sowie der relativ neue Bereich Infrastruktur und Städte. Nur die Gesundheitssparte gilt als erfolgreich.

Siemens hat 370.000 Mitarbeiter weltweit, macht 78 Milliarden Euro Umsatz und ist der drittgrößte deutsche Industriekonzern.