Beschäftigungsausblick der OECD Wie es dem Arbeitgeber gefällt

Viele Minijobs, viel Leiharbeit: In Deutschland wird die Festanstellung nach Tarifvertrag für viele Arbeitnehmer zum Luxus. Eine Folge: Die Unterschiede zwischen den Gehältern wachsen. Doch der deutsche Arbeitsmarkt hat noch ein weiteres großes Problem.

Die deutsche Arbeitswelt ist ungerechter geworden. Das belegt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, kurz OECD, in ihrer aktuellen Studie zur Beschäftigungssituation in ihren 34 Mitgliedsstaaten, zu denen außer den meisten europäischen Staaten, den USA und Kanada, auch die Türkei, Israel, Japan, Südkorea, Chile, Mexiko, Australien und Neuseeland gehören.

Der Anteil der Löhne, Gehälter und Lohnnebenleistungen am gesamten Nationaleinkommen, der sogenannte Lohnanteil sei geschrumpft, teilte die Organisation mit. Von 67 Prozent zu Beginn der neunziger Jahre sei der Anteil nun auf 62 Prozent gesunken. Die Unterschiede zwischen den Gehältern würden größer. Vor allem gering qualifizierte Arbeitnehmer verdienen immer weniger, zeigt die Studie.

Die OECD erklärt den Rückgang des Lohnanteils damit, dass die Produktivität der Industrie stetig gewachsen ist und die Wirtschaft insgesamt schneller wächst. Außerdem sei der Wettbewerb schärfer geworden. Dieser habe dazu geführt, dass viele Unternehmen sich aus den Branchentarifen verabschiedet hätten. Nur noch 62 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland hätten einen Tariflohnanspruch, Anfang der neunziger Jahre waren es noch 72 Prozent. Immer mehr Menschen hätten lediglich Minijobs oder seien Leiharbeiter. Viele Arbeitgeber seien heute nicht mehr Mitglieder in Arbeitgeberverbänden.

Jedoch sind laut Arbeitsagentur derzeit nur 6,6 Prozent der Deutschen ohne Arbeit. Das sind deutlich weniger Menschen als noch vor der Krise. In kaum einem anderen Industrieland sei die Arbeitslosigkeit in den vergangenen fünf Jahren so stark gesunken wie in Deutschland, stellt die OECD fest. Sie führt das zum Teil auf die Kurzarbeit zurück, außerdem auf flexible Arbeitszeiten, die immer häufiger auch in Tarifverträgen fest geschrieben werden. Auch die Rentenreform, die dazu führt, dass Arbeitgeber deutlich höhere Kosten haben als früher, wenn sie ältere Mitarbeiter entlassen, habe ihren Anteil an der hohen Beschäftigungsrate in Deutschland. Die OECD lobt außerdem die Arbeitsmarktreformen, die dazu beigetragen hätten, Arbeitsanreize zu setzen und außerdem Arbeitskräfteangebot und vorhandene Jobs in Einklang brachten. Die Effizienz der Arbeitsvermittlung in Deutschland sei in den vergangenen Jahren gestiegen, nicht zuletzt durch Mehr-Investitionen von 50 Prozent pro Arbeitssuchendem (zwischen 2007 und 2010).

Offenbar aber halfen diese Maßnahmen den Langzeitarbeitslosen nicht. Denn fast die Hälfte der Arbeitslosen in Deutschland ist laut OECD länger als ein Jahr ohne Job; der Großteil dieser Gruppe sogar länger als zwei Jahre. Im OECD-Raum liegt der Anteil der Langzeitarbeitslosigkeit hingegen nur bei 35 Prozent. Je länger ein Mensch ohne Arbeit ist, umso geringer sind die Chancen, dass er wieder eine Stelle bekommt: Wer weniger als zwölf Monate arbeitslos ist, findet in Deutschland mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit einen neuen Job. Bei einem Langzeitarbeitslosen verringert sich die Wahrscheinlichkeit auf 40 Prozent - das ist leicht unter OECD-Mittel. Die meisten Langzeitarbeitslosen sind ältere Menschen und Menschen mit geringer Qualifikation.

Besonders im Euro-Raum ist die Arbeitslosenquote sehr hoch, Spanien hat mit 24,6 Prozent derzeit die höchste Arbeitslosigkeit in der OECD. Noch bis Ende 2013, schätzt die OECD, wird die Arbeitslosigkeit auf diesem hohen Niveau bleiben oder höchstens geringfügig zurückgehen.

Allen Ländern gemeinsam sei, dass es die Krise vor allem jungen und schlecht ausgebildeten Menschen schwer mache, eine Arbeit zu finden. Auch ein Trend zu Zeitarbeit zeige sich quer durch alle Länder und deute darauf hin, dass Unternehmen der wirtschaftlichen Entwicklung nicht genug trauten, um unbefristete Einstellungen vorzunehmen.