Beschäftigung in Deutschland Neue Jobs? Nur auf Zeit!

Die Arbeitslosenzahlen sinken und sinken - doch neue Jobs entstehen hauptsächlich in der Zeitarbeit. Die Zahl der Leiharbeiter stieg 2010 auf ein Rekordniveau. Festanstellungen sind dagegen die Ausnahme: Drei von vier neuen Arbeitsplätzen waren Minijobs, Teilzeit-Stellen oder befristet.

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Arbeitsplätze stark gestiegen - die Zahl der Arbeitslosen fiel 2010 erstmals seit Jahren unter die Drei-Millionen-Marke. Doch der Aufschwung kommt nicht bei jedem an. Das Statistische Bundesamt hat jetzt nachgerechnet: Die meisten neuen Jobs kamen aus der Zeitarbeitsbranche.

Die Zahl der abhängig Beschäftigten legte insgesamt um 322.000 zu. Davon waren allein 182.000 Zeitarbeitsstellen - das sind 57 Prozent. Werden auch befristete und geringfügig Beschäftigte sowie Teilzeitarbeit mit maximal 20 Arbeitsstunden hinzugezählt, entfallen mehr als drei Viertel des Anstiegs auf diese sogenannten atypischen Beschäftigungsformen.

Die Zahl der Zeitarbeiter lag 2010 absolut bei 742.000 - ein Rekord. Insgesamt stieg die Zahl der Minijobber, Teilzeitbeschäftigten und Mitarbeiter mit befristeten Jobs auf 7,84 Millionen. "Die Unternehmen haben vor allem Zeitarbeit und befristete Beschäftigung genutzt, um flexibel auf die konjunkturellen Veränderungen zu reagieren", schreibt das Statistikamt. Im Krisenjahr 2009 war die Zahl der atypisch Beschäftigten noch deutlich gesunken.

Linktipp: Kleine Einkommen sind in den vergangenen Jahren kleiner geworden. Die Forscher des DIW haben nachgerechnet, schreibt die Berliner Zeitung. Demnach hatten Beschäftigte in den unteren Einkommensgruppen im Jahr 2010 real etwa 16 bis 22 Prozent weniger in der Tasche als im Jahr 2000. Johannes Eber, der für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft arbeitet, gibt in seinem Blog Pixelökonom jedoch zu bedenken, dass der Vergleich etwas Falsches suggeriere: Nicht der einzelne Angestellte verdiene bis zu 22 Prozent weniger als vor zehn Jahren. In den unteren Einkommensklassen arbeiteten vielmehr nun Menschen, die früher arbeitslos gewesen seien.