Bertelsmann-Wachstum mit "50 Shades of Grey " Fessel-Sex sells

Kein Grund für Masochismus: Bertelsmann wächst, allerdings vor allem wegen des Erfolgs der Erotikromane "50 Shades of grey". In anderen Konzernsparten knistert es weniger.

Von Caspar Busse, Berlin

Wachstum heißt das Zauberwort in Gütersloh. Bertelsmann, der weltweit tätige Medienkonzern aus Ostwestfalen, hat immer nur ein Ziel: Es soll mehr Umsatz gemacht werden. Einst hatte der damalige Konzernchef Hartmut Ostrowski ein großes Ziel vorgegeben: Auf 30 Milliarden Euro sollten die Erlöse nach oben schießen. Geworden ist daraus: nichts. In Wirklichkeit ging es seit Jahren nach unten.

Jetzt versucht es Ostrowskis Nachfolger Thomas Rabe: 2014 soll der Bertelsmann-Umsatz 18 Milliarden Euro erreichen, versprach der gebürtige Luxemburger am Dienstag in Berlin. Zu weiteren Prognosen lässt er sich nicht hinreißen, er weiß, wie gefährlich so etwas sein kann. Deshalb dämpft Rabe auch alle Erwartungen: Wirtschaftskrise in Europa und der teure Umbau des Konzerns machten sich bemerkbar. Große Sprünge bei Umsatz und Gewinn seien deshalb nicht drin.

Ohnehin sähe es ganz schlecht aus, wenn Bertelsmann nicht das Buchgeschäft hätte. Denn die Tochterfirma Random House, der größte Buchverlag der Welt, lief im vergangenen Jahr besonders gut. Der Umsatz legte um 22 Prozent zu, der operative Gewinn sogar um 75 Prozent. Da gilt mal wieder die alte Weisheit: "Sex sells". Denn der Erfolg ist auch auf die erfolgreiche Romantrilogie 50 Shades of Grey zurückzuführen. Die literarisch nicht gerade wertvollen Erotikromane voller hausfrauenfreundlichem Fessel-Sex verkauften sich weltweit sehr sehr gut, allein in Deutschland bereits sieben Millionen mal.

Ausgerechnet also das Buchgeschäft, der Bereich, mit dem Bertelsmann vor rund 180 Jahren gestartet ist, und der Bereich, der so oft totgesagt wird. Random House hat konsequent auf die Digitalisierung gesetzt, inzwischen hat der Verlag schon mehr als 47.000 elektronische Titel im Angebot.

Abgesehen vom Buchgeschäft sieht es nicht gut aus: Die Hamburger Zeitschriftentochter Gruner + Jahr (Stern, Geo) leidet unter der schlechten Lage am Werbemarkt und unter hohen Sonderlasten, unter anderem durch die Einstellung der Financial Times Deutschland. Der Druckereibereich hat ohnehin zu kämpfen, gerade erst wurde die Schließung des Standorts Itzehoe beschlossen. Bei RTL läuft es noch ganz gut, aber der Gewinn sinkt. Und die Dienstleistungstochter Arvato kämpft ebenfalls mit schwachen Erträgen, sie soll umgebaut werden.

Alles andere als rosige Aussichten also, aber Bertelsmann-Chef Rabe gibt sich zuversichtlich uns sagt: "Schon heute kann ich sagen: Bertelsmann wird in den kommenden Jahren substanziell wachsen". Auf langfristige Zahlen freilich wird er sich nicht festlegen.