Der Bertelsmann-Konzern verliert seine Vaterfigur Reinhard Mohn, und das mitten in einer der größten Krisen. Mohns Vermächtnis wiegt schwer - wird es nach seinem Tod erhalten?
Es war ein Ritual: Auf einem der weißen Tische in der Kantine der Bertelsmann-Zentrale in Gütersloh stand immer ein kleines Schild. "Reserviert ab 13 Uhr", war darauf zu lesen. Wenn Reinhard Mohn im Haus war - und das war er bis vor nicht allzu langer Zeit regelmäßig - , kam der Patriarch pünktlich zusammen mit einer Assistentin und ein, zwei Vertrauten zum Mittagessen.
Reinhard Mohn mit seiner Frau Liz auf einem Bild aus dem Jahr 1991. Liz Mohn vertritt die Familie seit geraumer Zeit. (© Foto: AP)
Anzeige
Mohn war präsent, auch wenn die Mitarbeiter in der Kantine kaum Notiz von ihm nahmen und ohnehin das ungeschriebene Gesetz galt, dass man den alten Herrn beim Mittagessen nicht behelligen oder gar in ein längeres Gespräch verwickeln sollte.
Jetzt ist Mohn nicht mehr da: An diesem Samstag starb der legendäre Firmengründer, der laut Manager Magazin zu den 20 reichsten Deutschen gehörte, mit 88 Jahren in seinem Haus in Steinhagen in der Nähe von Gütersloh.
Bertelsmann sei in tiefer Trauer, teilte Konzernchef Hartmut Ostrowski am Sonntag mit. Das Vermächtnis wiegt schwer. Wird es nach dem Tode Mohns erhalten?
Der Konzern war Mohns Leben - und bis zuletzt mischte er mit, sprach mit Mitarbeitern, ließ sich über alle Geschäfte informieren. Er musste auch mit ansehen, wie Bertelsmann, eines der größten Medienunternehmen der Welt, im Angesicht der Wirtschaftskrise tief in Schwierigkeiten geriet.
Überall wird gespart
Das Wachstum stockt, das Zeitungs- und Zeitschriftengeschäft beim Hamburger Verlag Gruner + Jahr leidet heftig. Die RTL-Gruppe, lange der wichtigste Gewinnbringer, bekommt die Wirtschaftskrise ebenfalls zu spüren - genau wie viele andere Unternehmensbereiche. Im ersten Halbjahr machte Bertelsmann einen Verlust von 333 Millionen Euro. Überall wird kräftig gespart. Gerade musste Ostrowski verkünden lassen, dass dem auch in der Zentrale 130 Stellen zum Opfer fallen.
"Mohn war eine wahre Identifikationsfigur", heißt es im Konzern. Die wird fehlen - gerade in den schwierigen Zeiten der großen Umbrüche und bei der Suche nach der Strategie. Mohns Einfluss war bis zuletzt da. "Auch wenn er gegenüber dem Konzernvorstand immer zurückhaltend agierte, so wurde doch keine der grundlegenden Entscheidungen der vergangenen Jahre ohne seinen Rat und seine Zustimmung gefällt", schreibt Ostrowski in einem internen Brief an die Mitarbeiter zum Tode Mohns. Und er versichert zugleich, er werde nicht an der Unternehmenskultur ("das größte Vermächtnis") rütteln.
Geregelt hatte Mohn alles bereits vor längerem. "Kontinuität war für ihn sehr wichtig", heißt es. Die Familie Mohn wird seit geraumer Zeit durch seine Frau Liz vertreten - intern und extern. Die Tochter Brigitte spielt eine immer wichtigere Rolle und bereitet sich offenbar darauf vor, irgendwann die Rolle der Sprecherin der Familie von ihrer Mutter zu übernehmen.
Das ließ Reinhard Mohn auch in seinem 2008 erschienenen Buch "Von der Welt lernen" durchblicken: Er lobt ausdrücklich die "zielgerichtete und verantwortungsvolle Art" der Tochter. Vor allem auf sie kommt es in Zukunft an. Sie muss den neuen Kurs in Gütersloh bestimmen.
Im operativen Geschäft war der alte Mohn schon fast 30 Jahren nicht mehr tätig. Zuletzt war er vor allem noch Mitglied der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft. Wer ihm hier folgen wird, ist noch nicht bekannt. Aber auch das dürfte Mohn geregelt haben, genau wie die Zukunft von Bertelsmann.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Neue Nutzungsbedingungen
Zum Glück ist er am we gestorben, sonst hätten wir Komentatoren die werten Leser mal richtig aufgeklärt was es mit diesem Mann so auf sich hat.
Der we-Termin Könnte fast ne pr-Aktion der bertelsmannstiftung sein.
Wer soll jetzt Deutschland beibringen, was zu denken ist ?
Es gebieten der Anstand und die Fairness einem Konzern und dessen obersten Lenker zu gedenken. Ebenso wichtig ist es, wenn die Presse sich in einem anderen Artikel mit einer ganzen Reihe von Hintergründen beschäftigt, die weniger verdienstvoll sind. Dazu gehört auch zweifellos, dass durch ein Konglomerat von Medien gerade durch die Bertelsmann Stiftung eine bisher noch nicht da gewesene Meinungsmanipulation stattfindet. Diese spielt sich im Grunde genommen im Hintergrund der gesamten Gesellschaft ab. Das beginnt bei den Gesetzes-Initiativen und hört bei weitem nicht bei der aktuellen massiven Einmischung in soziale und kulturelle Bereiche auf.