Bei Lycos Europe versuchte Christoph Mohn alles, um sein Ziel zu erreichen, "das meistbesuchte Online-Netzwerk in Europa zu werden". Mit Suchmaschine, Informationsportal und Diskussionsforen wollte er auf Vaters Spuren zum Patron der digitalen Ära werden und verkündete: "Ich habe den Ehrgeiz zu zeigen, dass es geht."
Christoph Mohn (© Foto: dpa)
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Zuvor hatte er sich auf westfälische Art bewährt: Wehrdienst bei einer örtlichen Panzerkompanie, Studium der Betriebswirtschaft in Münster, danach Lehrjahre bei der Bertelsmann Music Group in New York, wo er seine Frau Shobhna kennenlernte, sowie zwei Beraterjahre bei McKinsey, einem treuen Begleiter Bertelsmanns.
Kurze Zeit war Mohn junior tatsächlich, gemessen an Reichweite, der Größte in Europa. Er hatte quer durch die Lande munter dazugekauft. Doch die Konkurrenz - Yahoo, Google, United Internet und viele andere - eroberten das Feld. Da nutzte auch das putzige Lycos-Maskottchen, ein schwarzer Labrador, nichts.
Angesichts der Mohn'schen Hundejahre blieb nur die Strategie, das eingesammelte Börsengeld nicht zu verbrennen. Ein neuer Aufsichtsrat mit dem Ex-Springer-Chef Jürgen Richter an der Spitze wachte über den Kurs; Tochterfirmen wie Spray wurden verkauft. Phasenweise machte Lycos Europe operativ sogar Gewinn. Doch den Markt eroberte Mohn nicht.
Kümmerlicher Umsatz, massiver Verlust
Im dritten Quartal 2008 zeigte sich wieder mal das ganze Problem von Lycos Europe: Bei einem kümmerlichen Umsatz von 13,6 Millionen Euro machte die Firma 7,4 Millionen Verlust. Solche Werte wurden in Gütersloh nur noch resignativ registriert. Manche Bertelsmann-Mitarbeiter hatten 2000, im Vertrauen auf den guten Namen Mohn, Aktien zum Ausgabekurs von 24 Euro gekauft. Inzwischen notiert das Papier bei rund 20 Cent.
Im Gesellschafterkreis stänkerte vor allem der Telefonkonzern Telefonica (Anteil per 31. Dezember 2007: 32,02 Prozent) gegen den Gütersloher Generalstab. Die stolzen Spanier waren einst vom Großstrategen Middelhoff mit Aussicht auf weitreichende Kooperationen geködert worden, aus denen jedoch nichts wurde. Vor der Unternehmenskammer des Berufungsgerichts Amsterdam beantragten die düpierten Telefonica-Manager in diesem Frühjahr, die Geschäfte von Lycos zu untersuchen. Kurz darauf wurde öffentlich bekannt, dass Telefonica und Bertelsmann einen Käufer für die Firma suchen.
Liquide Mittel brüderlich geteilt
Doch in der derzeitigen Finanzkrise ließ sich kein Deal machen - jedenfalls kein lohnender. Da beschlossen die Eigner, sich lieber die verbliebenen liquiden Mittel brüderlich zu teilen. Auch die Bertelsmann-Tocher Gruner + Jahr sowie die Hamburger Verlegerfamilie Jahr, die dank Middelhoffs Werben an Lycos Europe beteiligt sind, können sich in schwerer Zeit über eine Sonderzuweisung erfreuen.
Den vielen arbeitslos werdenden Lycos-Mitarbeitern sollen nun Jobs auf der internen Bertelsmann-Stellenbörse angeboten werden. Den Ärger wird das kaum beilegen - zumal nicht sicher ist, ob hier Menschlichkeit wirklich gewinnt.
Und Christoph Mohn? Er wird sich dem Vernehmen nach weiter mit Venture-Capital und Start-ups beschäftigen. Im Medienkonzern Bertelsmann hat, nach dem Lycos-Intermezzo, seine Schwester Brigitte die große Zukunft vor sich.
Sie wurde bereits in Reinhard Mohns jüngstem Buch ("Von der Welt lernen") auffällig gelobt. "Während sich unser Sohn Christoph durch große Eigenständigkeit auszeichnet, teilt Brigitte in ihrer zielgerichteten und verantwortungsvollen Art meine Auffassung, dass jedermann mit seiner Arbeit auch einen Beitrag für die Gemeinschaft zu erbringen hat", heißt es da.
Der derart weggelobte Lycos-Gründer hatte vergeblich gehofft, dass sich sein Langmut auszahlt. "Im privaten Rundfunk hat es schließlich auch 15 Jahre gedauert, bis anständige Renditen erwirtschaftet wurden", machte er sich noch 2002 für seine Internet-Aktivitäten Mut.
Nun bleiben von den Gütersloher Träumen nur Ruinen.
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(sueddeutsche.de/mel)
Ein Mohn braucht nicht vor Steuern zu flüchten, denn Bertelsmann hat ja die berüchtigte Bertelsmann Stiftung, die im Grunde nichts anderes ist, als eine legale Geldwäsche um einen Grossteil der Bertelsmann-Profite sicher vor dem Zugriff des Staates zu parken -- man fragt sich, wie viel es tatsächlich gekostet hat (also DM und ), um die "Gemeinnützigkeit" dieser Schimäre einer Stiftung auch durchzusetzen.
Wir erleben aber immer wieder, wie diese "Stiftung" auch in das aktuelle politische Geschehen eingreift und die Desinformationsdossiers aus dieser "Stiftung" an die Abgeordneten des Bundestages sind inzwischen Legende.
Aber Merkel trifft sich regelmässig mit Liz Mohn und Frieda Springer zum Tee, wo dann womöglich die Linie der Medien neu orientiert wird -- oder etwa die Linie der Bundeskanzlerin?.
... der nur nach objektiven, marktwirtschftlichen Kriterien geführt wird und nicht als den Medienriesen in Kollusion mit dem Springer-Konzern, der massiv über die Bertelsmann Stiftung (massiv Steuer-sparend für Bertelsmann) in die Gesellschaftspolitik dieses Staates eingreift.
Die Gesundheits"reform" wurde gerade den Verfassungsrichtern in Karlsruhe vorgelegt -- in die Wege geleitet wurde die von Liz Mohn und Frieda Springer über die Bertelsmann Stiftung und sie hat die rücksichtslose Privatisierung der Krankenhäuser und die Kollektivisierung der niedergelassenen Ärzte zum Ziel.
Wer weiterlesen möchte, kann sich ja mal die Bemerkungen hierzu von einem Allgemeinmediziner und CSU-Kreisrat aus Altötting reinziehen. Viel Spass bei der Lektüre:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=2965
Es ist unglaublich, wie korrupt unsere Politik agiert; kehren wir um, bevor wir griechische Verhältnisse bekommen -- auf dem Weg dahin sind wir bereits.
In Zeit des New Economy Hypes galten die sogenannten Portale als der Volltreffer schlechthin. Heute ist Lycos am Ende und Yahoo ist nicht mehr weit davon entfernt. Auf Google hätte damals kaum jemand gewettet.
Für den Herrn Mohn Junior war das doch bloß ein Spiel. Das kann man mit einem echten Unternehmer nicht vergleichen. Sein Geld war es auf jeden Fall nicht, das er verbrannt hat. Papi hat ihm eine Firma zum üben gegeben, aber jetzt hat der die Geduld verloren und kauft ihm ein weniger teures Spielzeug.
Hätte er die Firma mal lieber in Deutschland angesiedelt, dann gäbs jetzt evtl. Staatsknete und wer keinen Gewinn macht, braucht auch nicht vor Steuern zu flüchten.
Lycos ist ja nicht das einzige Portal, das den Bach runtergegangen ist bzw. noch runtergehen wird.
Auch Yahoo, AOL, GMX und wie sie alle heissen, leben doch nur noch von den Resten die Google ihnen übrig lässt.
Da sehe ich kein besonderes Scheitern von Lycos. All diese Portale wurden vor 7 Jahren enorm überbewertet und sind heute in der Realität angelangt.
Paging