SZ: Sind Sie sicher? Werden Sie sich nach der Musik nicht auch irgendwann von Zeitschriften und Zeitungen, also von Gruner + Jahr, verabschieden?

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Ostrowski: Nein, auf keinen Fall, an Gruner + Jahr halten wir fest. Und um Ihnen zuvorzukommen: Auch das Buchgeschäft Random House behalten wir, das hat große Perspektive.

SZ: Trotzdem entsteht der Eindruck, Bertelsmann wird immer mehr zu einem Dienstleistungskonzern ...

Ostrowski: Das ist richtig und falsch. Es stimmt, dass wir bei Dienstleistungen expandieren, das sind aber meist auch mediennahe Dienstleistungen. Das Inhaltegeschäft wird auch zukünftig dominieren. Wir waren, sind und werden ein Medienkonzern bleiben.

SZ: Die Turbulenzen auf den Finanzmärkten sind derzeit heftig. Sind Sie froh, dass Sie nicht - wie einst geplant - an der Börse sind?

Ostrowski: Wir waren schon immer froh, nicht an der Börse zu sein. Aber in solchen Zeiten ist es natürlich umso besser, nicht von Börsen- oder Private-Equity-Strukturen abhängig zu sein. Jetzt ist es besonders wichtig, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Ich glaube übrigens, dass privat geführte Unternehmen wie Bertelsmann als Gewinner aus der Finanzkrise herausgehen werden.

SZ: Warum?

Ostrowski: Bei Akquisitionen haben wir einfach eine bessere Ausgangsposition als vor zwei, drei, vier Jahren. Kredite für Unternehmensbeteiligungen sind heute einfach nicht mehr so leicht zu bekommen. Das wird den anderen Investoren Probleme machen, aber uns nicht.

SZ: Und die Konjunktur? Ein Abschwung müsste Sie treffen. Haben Sie davor Angst?

Ostrowski: Angst habe ich nicht, sondern ich bin zuversichtlich. Wir haben Substanz und haben in der realen Welt unseren Kunden etwas zu bieten.

SZ: Der größte Ertragsbringer ist die Fernsehgruppe RTL. Nach Ansicht mancher Experten muss man sich inzwischen um das werbefinanzierte Fernsehen mehr Sorgen machen als um die Zeitung.

Ostrowski: Die Perspektiven und die Erfolgsgeschichte der RTL Group sagen etwas anderes.

SZ: Erst wollten Sie RTL ganz übernehmen, jetzt prüfen Sie, ob Sie möglicherweise Aktien bei Übernahmemöglichkeiten abgeben. Das sieht aus wie ein Zickzackkurs.

Ostrowski: Was heißt hier Zickzack? Wir haben bei der RTL Group über Jahre unseren Anteil auf mehr als 90 Prozent erhöht. Es ist richtig, dass die geplante Aufstockung auf 100 Prozent an juristischen Problemen in Luxemburg gescheitert ist. Wenn wir jetzt über die Abgabe von Anteilen sprechen, ist das eine von mehreren Optionen.

SZ: Also Zukäufe - woran denken Sie?

Ostrowski: Es gibt viele Wachstumsmöglichkeiten, sowohl im europäischen Rundfunk - als auch im internationalen Produktionsgeschäft.

SZ: Was konkret?

Ostrowski: Die RTL Group hat gerade einen Zukauf in Griechenland angekündigt. Weitere Schritte sind möglich.

SZ: Es gibt Medienunternehmen, die sehr viel mehr ins Internet investieren als Sie. Glauben Sie nicht an die Bedeutung des Internets?

Ostrowski: Große Teile des Mediengeschäftes werden irgendwann über das Internet erfolgen. Unser Weg ist, bestehende Marken in dieses Medium zu übertragen. Das ist zugegebenermaßen anders als bei anderen Medienkonzernen, die groß zukaufen und investieren.

SZ: Warum machen Sie das nicht?

Ostrowski: Von mehr als 3000 Start-up-Firmen mit einer Geschäftsidee kamen in den USA nur etwa zehn Prozent in die zweite Finanzierungsrunde - nur ganz wenige wurden solche Erfolge wie Google oder Ebay. Wer kann von sich behaupten, solche Erfolge vorhersehen zu können? Wir setzen bewusst auf Eigenentwicklungen kombiniert mit kleineren Zukäufen.

SZ:Aber wenn jemand in diesem Bereich Kompetenz hat, dann doch ein großes Medienunternehmen wie Bertelsmann?

Ostrowski: Wir haben Kompetenz. Und aus dieser Kompetenz heraus können wir sagen: Das Risiko des Scheiterns einer Großinvestition im Internet ist deutlich größer als die Wahrscheinlichkeit eines Erfolges. Wir bauen das Geschäft lieber aus eigener Kraft auf, Schritt für Schritt.

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(SZ vom 26.9.2008/kim/mel)