Bernard Madoff Ende einer Schneeball-Schlacht

Bernard Madoffs Masche war seine Vornehmheit. Er betrieb auf der einen Seite eine normale Finanzfirma, die sich einen Namen als "Market Maker" gemacht hatte, also als Vermittler zwischen Käufern und Verkäufern großer Aktienpakete. Er wirkte beim Aufbau der Computerbörse Nasdaq mit und leitete viele Jahre dessen Verwaltungsrat. Dass er nebenher auch als Vermögensverwalter tätig war, wussten die meisten nicht. Als Anleger wurde man nur "auf Einladung" akzeptiert, Madoff sprach seine Klienten am Rande von Wohltätigkeitsveranstaltungen und in Country Clubs an. Außerdem brachte er viele andere Geldverwalter dazu, ihm ihr Geld anzuvertrauen. Viele dieser Firmen müssen jetzt ihrerseits mit Klagen ihrer Kunden rechnen.

Vieles an dem Fall ist bisher noch unklar. Zum Beispiel die Frage, wie viele der Milliarden Madoff tatsächlich investiert hat und wie viel er stattdessen einfach für sich abzweigte. Madoff besitzt unter anderem eine Wohnung an Manhattans vornehmer Upper Eastside, ein Haus in Roslyn im Bundesstaat New York und ein großes Anwesen auf Long Island. Rätselhaft ist auch, warum Madoff sein Schneeball-System so lange ungestört betreiben konnte.

Frühe Hinweise

Die Börsenaufsicht SEC untersuchte dessen Firma zwar im Jahre 2005, fand aber außer drei Bagatellen, in denen Aktienaufträge nicht zu dem für den Kunden besten Preis ausgeführt wurden, nichts Anstößiges. Dabei hatte es schon früh Warnungen gegeben. Harry Markopolos, ein Anlageexperte, der früher für einen Konkurrenten von Madoff arbeitete, zeigte 1999 Madoff bei der Börsenaufsicht SEC an. Er hatte dessen angebliche Anlagestrategie nachgerechnet und kam zu dem Ergebnis, dass dessen Renditen unmöglich real sein konnten. "Madoff Securities ist das größte Schneeball-System der Welt," schrieb Markopolos damals an die SEC. Er war stutzig geworden, weil Madoff behauptete, mit Investitionen in den Standard & Poor's Index Renditen von acht bis zehn Prozent zu erzielen, auch in Zeiten, in denen der Index im Keller war.

Offenbar verstand es Madoff meisterhaft, Menschen zu blenden, auch Politiker. Zwischen 2000 und 2008 spendete er 100.000 Dollar an die Demokratische Partei und 23.000 Dollar an einzelne Kandidaten, darunter an den für die Finanzmärkte zuständigen New Yorker Senator Charles Schumer. Der frühere Chef der SEC, Arthur Levitt, berief Madoff 2000 als Berater für Fragen des Computerhandels an den Börsen. Jetzt äußerte sich Levitt völlig entsetzt im Sender Bloomberg TV. Er habe "die Rollläden heruntergelassen" was Madoffs Geschäfte betrifft. "Ich kannte ihn seit 35 Jahren und ich bin absolut überrascht."