Alles auf Anfang? Investor Ripplewood will in Berlin Übernahmepläne für Opel vorlegen. Die Gespräche mit Magna stocken derweil.
Als ob es nicht schon quälend lange Verhandlungen gegeben hätte: Das Rennen um die Übernahme des Autoherstellers Opel ist wieder offen. In Verhandlungskreisen hieß es, die Gespräche zwischen dem Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) und dem Kfz-Zulieferer Magna kämen kaum voran.
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Verkehrte Welt: Der Opel-Schriftzug spiegelt sich in einem Verkehrsschild. Die Verhandlungen über die Zukunft des deutschen Automobilherstellers sind wieder völlig offen. (© Foto: dpa)
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GM rede deshalb schon seit Wochen parallel mit dem US-Finanzinvestor Ripplewood. Die Beteiligungsgesellschaft will ihre Pläne an diesem Mittwoch auch im Berliner Wirtschaftsministerium erläutern.
Die Bundesregierung, das US-Finanzministerium und GM hatten sich Ende Mai nach langen Verhandlungen darauf verständigt, Opel aus dem US-Konzern herauszulösen und mit dem Konsortium aus der österreichisch-kanadischen Unternehmensgruppe Magna und der russischen Sberbank über eine Mehrheitsbeteiligung zu verhandeln.
Die Zweifel wachsen
Mittlerweile wachsen aber die Zweifel, dass die Übernahme wirklich zustande kommt. So hieß es in den Kreisen, die Finanzierung sei immer noch nicht geklärt. Auch Sberbankchef German Gref hatte jüngst durchblicken lassen, er wolle das Geschäft nicht um jeden Preis durchziehen.
Neben Magna bemühen sich die Ripplewood-Tochter RHJ, der Fiat-Konzern und der chinesische Autobauer BAIC um Opel. Aus den Kreisen verlautete allerdings übereinstimmend, von den Magna-Konkurrenten könne sich derzeit allein RHJ ernsthaft Hoffnungen machen.
Die Ripplewood-Manager hätten schon in der Verhandlungsnacht Ende Mai im Kanzleramt unter allen Bietern den besten Eindruck hinterlassen. Wegen des Widerstands der Opel-Belegschaft und mehrerer Standortländer sei der Investor damals aber nicht zum Zuge gekommen.
Gefahr eines Technologietransfers
Offenbar bemühen sich die GM-Unterhändler derzeit, eine Alternative zu Magna zu entwickeln, die sie am Ende auch der Konzernführung und dem Aufsichtsrat präsentieren können. Für RHJ spreche dabei, dass die Gefahr eines Technologietransfers nach Russland oder China gebannt wäre, hieß es in den Kreisen. BAIC spiele wegen eben dieser Gefahr in den Überlegungen von GM und Bundesregierung weiterhin keine Rolle.
Ripplewood hat dem Vernehmen nach sein Angebot für Opel nachgebessert und garantiert mittlerweile den Erhalt aller vier deutschen Opel-Standorte. Der Finanzinvestor hatte zunächst das Werk in Bochum schließen und die Fabrik in Eisenach verkaufen wollen.
Trotz der Zugeständnisse gibt es bei den Gewerkschaften und den Standortländern weiter erhebliche Vorbehalte. Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz sagte der Süddeutschen Zeitung, er habe sich mit einem RHJ-Spitzenmanager getroffen. Dieser habe die grundsätzlichen Bedenken der Mitarbeiter aber nicht ausräumen können. Ripplewood sei offenbar eine Art "Steigbügelhalter", mit dessen Hilfe GM Opel am Ende wieder vollständig übernehmen wolle.
Auch der rheinland-pfälzische Regierungschef Kurt Beck (SPD), dem es um das Werk Kaiserslautern geht, plädierte gegen Ripplewood. "Das ist nur Störfeuer", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Ähnlich hatte sich zuvor bereits der IG-Metall-Bezirksleiter und Opel-Aufsichtsrat Armin Schild geäußert.
"Gezielt gestreute Gerüchte"
Er warf Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) vor, die Verhandlungen mit Magna durch gezielt gestreute Gerüchte zu hintertreiben. Aus dem Umfeld des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) verlautete dagegen, man stehe auch Ripplewood aufgeschlossen gegenüber.
In Verhandlungskreisen wurde darauf verwiesen, dass der Handlungsdruck immer größer werde: "Opel verbrennt jeden Tag Geld."
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(SZ vom 15.07.2009/pak)
Technologietransfer muß unbedingt verhindert werden. Das sollten wir uns schon was kosten lassen können. Die könnten sonst womöglich auch Autos bauen, die sich nicht verkaufen lassen. Ohne unser Geheimwissen bleibt für Russen und Asiaten nur die Eselskarre zur Fortbewegung.
@ kenchikuka
Das wird ja auch ausdrücklich im letzten Satz des Artikels gewürdigt: "Opel verbrennt jeden Tag Geld."
Die Verhandlungen waren von Anfang an zum Scheitern verurteilt, als Guttenberg hinter dem Rücken des Eigentümers GM seine Regierungskollegen in Washington besuchte (mit Vergnügungsabstecher nach New York), ohne überhaupt bei General Motors in Detroit vorzusprechen. Der GM-Chef in Detroit ist jedoch heute Fritz Henderson, früher Chef von Opel, der sich in Rüsselsheim weit besser auskennt als Herr Guttenberg. Hinter seinem Rücken zu verhandeln war nicht nur dumm, sondern eine grobe Unverschämtheit.
Ich dachte, die Bundesregierung (= der Steuerzahler) hat bereits Geld an Opel überwiesen?