Opel hier, Opel dort: Mit aller Kraft wirft sich die Politik und besonders Wirtschaftsminister Guttenberg für den Autohersteller ins Zeug. Das sieht gut aus. Tatsächlich aber wird nur die Ohnmacht kaschiert.
"Bebend vor Energie" - so beschrieb einst Heinrich Böll den Fabrikanten Alfred Wunsiedel. Wunsiedel war ein Mann, bei dem "alles Tat" war. Er schritt durch die Gänge und rief seinen Mitarbeitern zu: "Es muss etwas geschehen." Artig antworteten die: "Es wird etwas geschehen."
Die deutsche Politik muss handeln, um ihre Glaubwürdigkeit zu wahren. Was sie tut, ist dabei kaum relevant. (© Bildmontage: sueddeutsche.de)
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Die modernen Wunsiedels sitzen in Berlin und nennen sich Minister. Sie rufen laut: "Es muss etwas geschehen!" So machen sie Deutschland glauben, dass sie nicht nur etwas in der Politik bewegen können, sondern auch in der Fabrik.
Fotos voller Energie
Darum laufen die Fäden für die Rettung von Opel jetzt scheinbar in Berlin zusammen: Dort werden die potentiellen Opel-Investoren vorstellig und präsentieren ihre Konzepte für die Rettung des Konzerns.
Das sieht gut aus und vermittelt die schöne Botschaft: Die tun etwas. Sie handeln für Deutschlands angeblich wichtigste Branche, an der - je nach Berechnung - mal jeder siebte, mal jeder 20. Arbeitsplatz hängt. Genau das wollen die Wähler sehen. Oder?
Nicht ohne Grund lässt Wirtschaftsfreiherr Karl-Theodor von und zu Guttenberg schon mal verkünden, dass erneut ein US-Aufenthalt geplant sei - an der Spitze einer Delegation, die mit General Motors verhandeln soll. Seit der Reise im März weiß er: Das gibt Fotos voller Energie. Es geschieht etwas.
Und doch: Hinter den Bildern der Tat aus Rüsselsheim, Berlin und Detroit steckt bittere Ohnmacht. Die Politik kann im Fall von Opel nichts ausrichten.
Aus zwei Gründen: Opel ist nicht erst seit der Finanzkrise in Schwierigkeiten, sondern hat an der Seite der Konzernmutter General Motors im internationalen Automobilgeschäft keinen Platz gefunden.
Da ist es nicht Sache von Kanzlerin Angela Merkel und Minister Guttenberg, falsche Strategien mit Milliarden Euro auszubügeln und an anderer Stelle den Verlust von vielen tausend Arbeitsplätzen zu akzeptieren.
Eine Rettung brächte im Wahljahr spontanen Beifall, doch bald darauf würde die Erkenntnis reifen, dass Opel für den Bund nicht bezahlbar ist.
Schon das Desinteresse der drei großen deutschen Hersteller an Opel macht stutzig. Die Autofirmen wissen nur zu gut: Opel kostet Geld und bringt nichts ein.
Sicher: Es gibt Interessenten für das Unternehmen mit dem Blitz im Logo. Neben dem italienischen Autohersteller Fiat sind dies der kanadisch-österreichische Zuliefererkonzern Magna und der US-Investor Ripplewood.
Was die drei in Berlin vortragen, wird sich gut anhören. Doch über die wahren Motive kann nur spekuliert werden. Letztlich wird in allen drei Fällen die Hoffnung überwiegen, dass der Bund den Einstieg mit Milliarden versüßt und eine mögliche Zerschlagung am Ende nochmals etwas einbringt. Aber auf längere Sicht viele Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten, rechnet sich nicht in dieser Branche.
Deutschland? Weit weg!
Weit schwerer wiegt freilich - und das ist der zweite Grund für die Ohnmacht der Politik -, dass alle relevanten Entscheidungen in Detroit getroffen werden. Bei General Motors laufen die Fäden zusammen, und nicht bei Guttenberg oder Merkel. Beide können sich noch so viel wünschen, aber nichts wirklich entscheiden.
Der US-Konzern hat viele Milliarden Dollar Schulden und zahllose Gläubiger im Nacken. Sie alle wollen ihr Geld zurückhaben. Da interessiert nicht, wie viele Arbeitsplätze bei Opel gerettet werden können, sondern was aus dem Unternehmen noch herauszuholen ist. Deutschland ist weit weg und Ende Mai ist in den USA der Stichtag: Dann könnte GM in die geordnete Insolvenz gehen.
Trotz aller Ohnmacht muss die deutsche Politik handeln, um ihre Glaubwürdigkeit zu wahren. Was sie tut, ist dabei kaum relevant. Hauptsache es schallt zurück: "Es wird etwas geschehen."
Böll offenbart übrigens nicht, was die Fabrik von Wunsiedel überhaupt herstellte: "Es wird wohl Seife gewesen sein."
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(sueddeutsche.de/mel/jja)
Putin und Hollande streiten um Intervention in Syrien
Der Film zum Thema:
http://www.fwu.de/mz/produkte/produktionen/2007/4610603.php?nav=mz_produkte&sub=1
isualK, ich glaube schon, daß zG guten Willens ist, aber er stößt nun eben auf alle rechtlichen Fallstricke, die internationale Verstrickungen eben mit sich bringen. Es ist immer wieder notwendig darauf hinzuweisen, daß Opel die indirekte Tochter einer amerikanischen Firma ist. Zudem scheint es ja auch noch irgendwelche Zwischenfirmen in Spanen und in der Schweiz zu geben. Und in jedem dieser Länder gilt ein eigenes Insolvenzrecht. So ist es für mich gut zu verstehen, daß sich die amerikanischen Gläubiger nicht mit der Idee anfreunden könen, daß noch schnell die GM-Konkursmasse durch eine Loslösung von Opel deutlich geschmälert wird.
Ich vermute, daß in Berlin ein großer Teil der Zeit damit verbracht wird, durch Probieren einen Weg zu finden: Der Bund macht Vorschläge und die Gegenseite, wo immer die ist, zieht ein Papier raus, daß die jeweiligen Interessen unterstützt. In Rüsselsheim werden nicht sehr viele Verträge liegen, die die ganze Verschachtungskette abdeckt. Die können dort wahrscheinlich froh sein, wenn sie selbst irgendwie wissen, wo sie bis zur nächsten vorgelagerten Firma stehen. Das ist doch auch nicht verwunderlich, denn Opel ist nunmal nur eine von vielen GM-Firmen und die Verträge liegen im legal department in Detroit und darauf hat Berlin keinen Zugriff.
wie auf dem Viehmarkt. Die Eigentümer, bald Insolvenzverwalter und US-Staat werden aus der deutschen Perle heraus zu schlagen versuchen, was machbar ist.
Jetzt sind starke Nerven und Geduld gefragt - und vielleicht die deutsche Pokerweltmeisterin.
Ja, damit sieht er aus wie Berlusconis unehelicher Sohn - also doch Fiat?
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