Von H. Schwarz, C. Gammelin, T. Öchsner

Im Tauziehen um eine Übernahme des angeschlagenen Autobauers Opel könnte es schnell zu einer Lösung kommen. Wirtschaftsminister Guttenberg wird mit Vertretern von Magna sprechen.

Der Autozulieferer Magna ist neben Fiat einer der möglichen Investoren. Die Bundesregierung drängt offenbar auf eine schnelle Lösung. Aus dem Wirtschaftsministerium hieß es, ein Einstieg des österreichisch-kanadischen Konzerns Magna bei Opel in Rüsselsheim werde "selbstverständlich ernsthaft" geprüft, genauso wie das Konzept von Fiat. Die Regierung werde dabei genau schauen, "wie viele Standorte und Arbeitsplätze in Deutschland erhalten werden können". Opel wollte sich nicht dazu äußern.

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Was passiert mit Opel? Die BUndesregierung fordert eine schnelle Lösung. (© Foto: AP)

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In Firmenkreisen wurde es als "sehr positives Signal" gewertet, dass der Wirtschaftsminister rasch ein Gespräch mit Magna suche. "Diese Geschichte ist wirklich prüfenswert", hieß es. Wie IG Metall und Opel-Betriebsrat favorisiert auch das Management des Autoherstellers momentan das Interesse von Magna an einer Beteiligung. Der Magna-Konzern mit 74.000 Mitarbeitern ist einer der weltgrößten Autozulieferer und produziert auch Fahrzeuge.

Die Führungsspitze von Opel hat aber auch Fiat nicht brüsk zurückgewiesen. Innerhalb der Union gibt es unterschiedliche Meinungen über ein Engagement von Fiat. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) erhob Bedenken gegen eine Übernahme durch die Italiener. Der Turiner Konzern habe "ähnliche Probleme wie Opel, wird ebenfalls Kapazität reduzieren müssen, um zu überleben", sagte Koch dem Hamburger Abendblatt.

Zugleich machte er sich für Magna stark. Gut daran sei, "dass es sehr viele Überschneidungen an Wissen und Können, aber keine Überschneidungen im täglichen Tun am Markt gibt." Guttenberg kritisiert Koch indirekt und warnte, einen möglichen Käufer abzustoßen. "Es ist unverantwortlich, bereits jetzt, ohne ein Konzept gesehen zu haben, gegen einen Interessenten zu wettern. Damit wird die Verhandlungsposition von Opel geschwächt."

Ein hoher EU-Diplomat sagte in Brüssel, die derzeitigen Spekulationen über einen Einstieg von Fiat oder Magna bei Opel "stören die Verhandlungen und nutzen am wenigsten den Beschäftigten von Opel". Es sei nicht gut, "wenn deutsche Politiker mit Opel Wahlkampf machen".

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hat zeitweise auch die Quandt-Familie um die Investorin Susanne Klatten über einen Einstieg bei Opel nachgedacht. Die Quandts halten eine maßgebliche Beteiligung am Münchner Autokonzern BMW. Informierte Kreise versicherten, es habe dazu sogar "ein Gespräch mit Opel" gegeben. Derzeit habe die Quandt-Familie aber wohl kein Interesse mehr.

BMW hat - ebenso wie Daimler - die Möglichkeit einer Opel-Beteiligung bereits zurückgewiesen. Technologisch und modellpolitisch hätten sich BMW und das Rüsselsheimer Unternehmen ergänzt. Mit einem gemeinsamen Großaktionär wäre eine Fusion der Konzerne aber nicht notwendig gewesen.

In Washington blieb am Wochenende die Entscheidung über eine Rückgabe der Opel-Patente offen. Diese hatte der amerikanische Mutterkonzern General Motors (GM) an das US-Finanzministerium verpfändet. Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Homann wird deshalb weiter in den USA verhandeln. Die Rückgabe von Patenten gilt als entscheidende Voraussetzung, damit Opel unabhängig von GM agieren kann.

Beide Unternehmen haben sich bereits darauf geeinigt. Ein Opel-Sprecher sagte, es gebe bisher keine Signale dafür, dass die Rückgabe der Patente an Opel und der Erlass von GM-Schulden bei Opel in Höhe von 2,3 Milliarden Dollar in Washington auf Widerstände treffe.

Neuer GM-Sanierungsplan

Der Opel-Mutterkonzern GM will der US-Regierung angeblich rasch einen neuen Sanierungsplan mit noch härteren Einschnitten vorlegen. Das bereits dritte Konzept könnte schon am Montag vorgestellt werden, berichtete die New York Times. Der Plan werde wahrscheinlich weitere Werkschließungen und Stellenabbau vorsehen sowie eine neue Absatzprognose enthalten.

Zudem könnte GM auch die mehr als 80 Jahre alte Marke Pontiac sterben lassen. GM muss bis zum 1. Juni ein tragfähiges Zukunftskonzept vorlegen. Die bisherigen Sanierungspläne hatte Washington als realitätsfern abgelehnt.

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(SZ vom 27.04.2009/bilu)