Endlich mehr Geld für die Armen? Weil die Wirtschaft besser läuft als erwartet, dürfen Hartz-IV-Empfänger auf eine kleine Erhöhung hoffen. Der Regelsatz steigt wohl um mindestens zehn Euro. Wer zu Hause einen Durchlauferhitzer hat, bekommt sogar schon seit Januar einen Zuschlag - doch viele Betroffene wissen das nicht.
Das Arbeitslosengeld II für Hartz-IV-Bezieher wird Anfang 2012 nach ersten Berechnungen der Bundesregierung um zehn Euro auf 374 Euro steigen. Dies sei allerdings nur eine vorläufige Schätzung, heißt es im Existenzminimumbericht der Bundesregierung (PDF-Datei), der am Mittwoch im Sozialausschuss des Bundestages beraten wurde.
Bild vergrößern
Euro-Banknoten in einer Hosentasche. (© dapd)
Anzeige
Die Anhebung um gut 2,7 Prozent setzt sich aus zwei Beträgen zusammen: Die Anpassung auf Grundlage der Preis- und Lohnentwicklung könnte demnach sieben Euro oder 1,9 Prozent ausmachen. Hinzu kommt ein im Frühjahr in den Hartz-IV-Verhandlungen vereinbarter Nachschlag von drei Euro. Für Kinder stiege demnach der Regelsatz nur in der Altersgruppe bis unter sechs Jahre, und zwar um vier auf 219 Euro im Monat. Entschieden wird über die Erhöhung erst im Herbst, wie ein Sprecher des Arbeitsministeriums bekräftigte.
Grundlage für die Anhebung sind die Daten zur Preis- und Lohnentwicklung im Zeitraum 1. Juli 2010 bis 30. Juni 2011. Endgültige Daten für das erste Halbjahr 2011 liegen erst im Herbst vor.
Die Erhöhung könnte noch stärker ausfallen, sollten sich die Annahmen der Bundesregierung zur Wirtschaftsentwicklung als zu pessimistisch erweisen: Grundlage der jetzigen Berechnungen sind die Annahmen aus dem Jahreswirtschaftsbericht vom Januar, die von der Regierung im April verbessert wurden.
Die Gemeinnützige Gesellschaft für Verbraucher und Sozialberatung (GVS) Berlin teilte am Mittwoch mit, dass einige Hartz-IV-Empfänger seit Jahresbeginn Anspruch auf acht Euro mehr im Monat haben. Konkret sind dies Leistungsbezieher, die ihre Warmwasserversorgung mit einem elektrischen Boiler oder Durchlauferhitzer betreiben müssen. Darüber hinaus könnten in einer Bedarfsgemeinschaft zusätzlich acht Euro für den Partner sowie zwischen sieben und zwei Euro pro Kind geltend gemacht werden.
Damit bekäme etwa eine vierköpfige Familie zwischen 240 und 324 Euro mehr Unterstützung pro Jahr als bisher. Nach Einschätzung der GVS kennen jedoch viele Hartz-IV-Empfänger diese neue Regelung nicht und haben die Leistung daher noch nicht beantragt.
- Hartz IV für Selbständige Arm gerechnet 14.06.2011
- Sozialleistungen Schwarz arbeiten, Hartz IV kassieren 27.06.2011
- Bildungspaket Lieber Sportverein statt Musikunterricht 27.06.2011
- Selbständige in Deutschland Die Kraft der guten Idee 14.06.2011
- Hilfe für Hartz-IV-Familien Bildungspaket findet wenig Abnehmer 05.06.2011
- Problem-Stadtstaat Bremen Land der roten Laternen 21.05.2011
(SZ vom 30.06.2011/Reuters/dapd/bbr)
Mubarak-Prozess in Ägypten
Interessiert schon jemanden - aber man kann die Leistungsempfänger leider schwer mobilisieren. Jeder wurschtelt alleine gegen seinen Sachbearbeiter und läßt sich hinhalten und verkohlen. Ich denke, Sie wissen was ich meine.
Schön wäre eine Anwaltskanzlei, die immer größere Gruppen von Leistungsempfängern unter ihre Fittiche nimmt. Da könnte man etwas Stimmung zaubern :-)
Immer alleine zum Sozialgericht schlappen und alle vier Wochen eine einstweilige Anordnung beantragen bringt zwar dem einzelnen im Moment was - kostet aber Zeit und meist Geld, weil die Überweisungen meist doch noch 1-2 Wochen zu spät kommen, d.h. Rücklastschriften, Mahngebühren usw. und Nerven.
Aber vielleicht kann man bald nach 10 Jahren Leistungsbezug nach SGB eine Prüfung bei der Anwaltskammer ablegen und ohne Studium anschließend eine Kanzlei aufmachen. Vielleicht sollte man der Uschi vorschlagen, dass sie das in der Öffentlichkeit sozusagen als unbürokratische Gratiszugabe aufs Bildungspaket werbewirksam verkaufen könnte...
Ach ja, und nie vergessen: In der Theorie hat man unzählige "Ansprüche", bis man die aber alle herausgefunden, beantragt und v.a. wirklich bekommen hat, ist der Zug schon längst abgefahren.
die SGB12er in München betrifft dies nicht.
(Übrigens wird auch hier im Artikel wieder NUR von hartz4 gesprochen- obwohl diese Erhöhungen immer auch SGB12 betreffen)
SGB12 wird in München seit paar Jahren bissel mehr ausgezahlt, da man feststellte, dass das Leben in München teurer ist als anderswo.
In Dachau und Fürstenfeldbruck hat man dies vor Kurzem still und heimlich wieder geändert und wieder auf Hartz4Höhe abgesenkt.
Das hat niemanden interessiert.
In München gleicht es sich langsam auch wieder an Hartz4 an- da man bei Hartz4 Erhöhung nicht mehr den Zusatzbetrag miterhöht.
Das ist still und heimlich eine Streichung des Zusatzbetrags für Münchner Kranke, Rentner und Behinderte mit SGB12.
Interessiert aber niemanden.
Supi:
324:12:4 ergibt dann 6,75 € pro Monat und Nase mehr. Das nenn ich mal "profitieren"....
Leute, schmeißt alles hin, damit ihr pünktlich Anfang 2012 AlG II bekommt.
Tschuldigung. Ironie aus.
da freuen sich aber bestimmt alle Hartz Empfänger, besonders jene die eigentlich mit einer kleinen Beschäftigung die langweilige Dekadenz aus ihrem Leben pusten wollen. Merke: Die Idee vom Wohlstand für Alle ist mit den Grundlagen des Kapitalismus keinesfalls vereinbar. Genau dies bestätigen unsere sozialen Sicherungssysteme fortwährend.