BDD-Präsidentin Wippermann im Gespräch "Ein Detektiv darf keine Skrupel haben"

Detektivin Eveline Wippermann über das Einschleusen von Maulwürfen in Unternehmen, Gewissensbisse und die schwarzen Schafe in der Branche.

Interview: Tobias Dorfer

Eveline Wippermann ist seit 36 Jahren als Wirtschaftsdetektivin tätig. Sie ist geschäftsführende Gesellschafterin einer Detektei in Bielefeld, ihre Tätigkeitsbereiche sind gewerblicher Rechtsschutz, Mitarbeiterdelikte und die Erstellung von Sicherheitsanalysen. Seit dem Jahr 2000 ist Wippermann Präsidentin des Bundesverbands Deutscher Detektive (BDD).

"Eigentlich sind wir alle Schauspieler, aber wir benötigen kein Publikum", sagt Detektivin Eveline Wippermann.

(Foto: Foto: oh)

sueddeutsche.de: Frau Wippermann, im Zuge der Spitzel-Affäre bei der Telekom wurde bekannt, dass der Konzern offenbar einen Maulwurf in die Redaktion der Zeitschrift Capital einschleusen ließ. Schadet Ihre Branche sich mit solchen Nachrichten nicht selbst?

Eveline Wippermann: Die Vorfälle rund um die Telekom bringen in der Tat unsere gesamte Branche in Verruf. Nach meinen bisherigen Erkenntnissen hätte ich den Auftrag jedoch nicht angenommen.

sueddeutsche.de: Andere Detekteien haben scheinbar weniger Skrupel.

Wippermann: Unsere Branche ist voll von schwarzen Schafen. Der Beruf ist nicht geschützt, jeder kann als Detektiv arbeiten. Im Bundesverband sind nur etwa zehn Prozent der Detektive organisiert. Viele wollen die Anforderungen nicht akzeptieren und treten deshalb nicht ein.

sueddeutsche.de: Und diese Firmen schleusen Maulwürfe in Zeitungsredaktionen ein?

Wippermann: Möglicherweise. Einschleusungen in fremde Unternehmen sind in den meisten Fällen nicht zulässig, es sei denn, ein besonders hohes öffentliches Interesse liegt dem zugrunde. Ich halte mich daran. Wenn ein Geschäftsführer allerdings illegale Vorgänge im eigenen Unternehmen aufdecken will, dann sind Einschleusungen durchaus möglich und ein rechtlich zulässiges Mittel der Aufklärung.

sueddeutsche.de: Was muss vorgefallen sein, damit Firmen zu diesen Mitteln greifen?

Wippermann: Es muss der dringende Verdacht bestehen, dass im Unternehmen illegale Vorgänge passieren. Das kann Diebstahl sein, Unterschlagung oder Sabotage. Und selbst wenn dieser dringende Verdacht besteht, muss der Betriebsrat, sofern es einen gibt, die Einschleusung absegnen. All diese Bedingungen müssen erfüllt sein, bevor ich einen Auftrag annehme.

sueddeutsche.de: Wie lassen Sie sich diesen dringenden Verdacht nachweisen?

Wippermann: Zuerst muss mir der Auftraggeber ausführlich die Situation erklären. Der Verdacht muss ordentlich begründet werden. Ich selbst nehme solche Aufträge nur dann an, wenn mir der Auftraggeber dies mit einer 99-prozentigen Sicherheit erklären konnte. Eine absolute Sicherheit kann es nicht geben.

sueddeutsche.de: Wie lange sind Ihre Mitarbeiter im Unternehmen? Wenn der Detektiv seinen Job schon nach drei Tagen beendet, würde er sich verdächtig machen.

Wippermann: Schleusen wir einen Detektiv als Praktikanten ein, dann bleibt er zwei oder vier Wochen im Unternehmen. Ein leitender Angestellter könnte bereits während seiner Probezeit gehen. Beides würde nicht weiter auffallen.

sueddeutsche.de: Wie alt sind Ihre Mitarbeiter?

Wippermann: Der Jüngste ist 34 Jahre alt, dann geht's aufwärts.

sueddeutsche.de: Ziemlich alt für einen Praktikanten.

Wippermann: Wieso? Der Praktikant kann durchaus auch ein Student sein, der um die 30 ist. Mit 20-Jährigen arbeite ich jedenfalls nicht zusammen.

Lesen Sie im zweiten Teil, welche Voraussetzungen Eveline Wippermann einem künftigen Mitarbeiter abverlangt und was Detektiv-Filme im Kino mit ihrer täglichen Arbeit zu tun haben.