Die jetzige Chance ist einmalig: Das Desaster der BayernLB muss für einen Neuanfang genutzt werden. Und zwar konsequent.
Es gibt Bilder, zu denen braucht man keinen Text. Weil sie bereits alles aussagen, was zu sagen wäre. Ein solches Bild, das über den Zustand der Bayerischen Landesbank mehr sagte als sämtliche Bilanztabellen, lieferten BayernLB-Chef Michael Kemmer und seine Verwaltungsräte Erwin Huber und Siegfried Naser am Dienstagabend der Presse. Kemmer als sichtlich gestresster Banker, der versucht, trotz aller Katastrophenmeldungen die Haltung zu bewahren; Naser als Vertreter des bayerischen Sparkassenverbandes und Huber als Gerade-noch-Finanzminister bei einem seiner letzten großen Auftritte.
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Drei blasse, müde Männer, die vor einem Milliarden-Scherbenhaufen stehen und, so hört man, inzwischen nicht nur auf der Bühne Sicherheitsabstand halten. Die seit Wochen für ein nur schwer durchschaubares Spiel mit vielen Zahlen stehen. Bei denen sich die Öffentlichkeit mal mehr, mal weniger informiert fühlt. Es wird um politisches Überleben, um Macht, und um die Gunst der Öffentlichkeit gekämpft - wenn es sein muss auch gegeneinander. Wer die Szene sah, ahnte: Die Landesbank hat nicht nur ein Milliardenproblem. Was sie vor allem braucht, ist eine neue, frische Identität. Allein schon wegen der vielen Mitarbeiter, die morgens ins Büro gehen und am Abend von ihren Freunden gefragt werden, was eigentlich los ist.
Was die BayernLB nun zunächst bekommen wird, ist eine Milliardenspritze vom Bund. Das sichert zwar das Überleben. Die eigentlichen Probleme aber werden nicht gelöst. Denn mit den Milliarden kommen aller Voraussicht nach auch neue Politiker, die bei der BayernLB mitreden wollen. Diesmal aus Berlin. Bei einer Bank, die in den vergangenen Jahren bei ihrer Umarmung durch die Politik beinahe erdrückt worden wäre, sind das keine guten Aussichten. Es sei denn, die Politik lernt dazu. Und bringt den Mut auf, ihre Milliardenhilfen mit Reformen zu verbinden.
Miserable Mit-Manager und Kontrolleure
Die Chance ist heute einmalig. Wenn nicht jetzt, wann dann? Mit den Politikern in den Aufsichtsgremien geht es los. Die haben sich - und zwar längst nicht nur bei der BayernLB - in den vergangenen Jahren als miserable Mit-Manager und Kontrolleure erwiesen. Wer die hohe Kunst des politischen Spielchens beherrscht, hat noch längst nicht den nötigen Sachverstand, um komplexe internationale Geldgeschäfte wie die einer Landesbank zu prüfen. Die BayernLB ist dafür ein gutes Beispiel. Das bedeutet allerdings auch: Derjenige, für den die Zukunftsplanung für die BayernLB mit einer Fusion mit der Landesbank Baden-Württemberg endet, plant zu kurzfristig. Es wäre ein erster Schritt: Gelder würden gespart, der Steuerzahler entlastet. Aber das Hauptproblem bliebe bestehen - nur, dass dann bayerische und schwäbische Politiker gemeinsam Gremienpolitik betreiben würden.
Zweitens gehören jetzt die Geschäftsmodelle der Banken auf den Prüfstand. Wer heute oder in Zukunft immer noch meinen sollte, er könne als Landesbanker das große Rad auf den internationalen Finanzmärkten mitdrehen und dabei Milliarden verzocken, sollte sich fragen, ob er mit seinen Ambitionen beim richtigen Institut ist. Oder ob er vielleicht nicht doch lieber in die Privatwirtschaft wechseln sollte. Zu den Aufgaben von Landesbanken gehört vor allem die Wirtschaftsförderung in den Bundesländern - alles andere sprengt den Rahmen eines öffentlichen Instituts. Außer: Die Banken öffnen sich im großen Stil für privates Kapital. Drittens muss die Frage erlaubt sein, wie viele Landesbanken künftig notwendig sein werden. Fest steht: Es werden weitere Landesbanken an die Türen des Staates klopfen. Die WestLB, die Landesbank Baden-Württemberg und andere könnten schon morgen ebenfalls ihren Milliardenbedarf anmelden.
Ihnen allen sollte dann deutlich gemacht werden: Ja, es gibt Hilfen - aber der Preis dafür ist hoch. Einige Landesbanken könnten künftig mit ihrer Eigenständigkeit dafür bezahlen. Die Frage, wie viele Landesbanken Deutschland braucht, ist schon häufig gestellt worden. Die richtige Antwort lautet: mindestens eine, besser zwei, höchstens drei. Mehr ist nicht drin.
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(SZ vom 23.10.2008/mel)
Mubarak-Prozess in Ägypten
Nach Bekanntwerden des desaströsen Mangements bei der Bayerischen Landes Bank und der ausgebliebenen Kontrolle durch die vermutlich hochdotierten Verwaltungsräte und vor allem der arglistig, ja betrügerischen Unterlassung der frühzeitigen Informationspflicht muß nach meiner Meinung ein totaler Schnitt bei den Verantwortlichen gemacht werden.
Nachdem der oberste Verantwortliche Herr Huber endlich und leider viel zu spät eingesehen hat , dass er für Führungsaufgaben gänzlich ungeeignet ist müssen andere wie Herr Naser und Herr Kemmer oder Herr Herrmann aber schnell ihre Posten räumen. Weitere Verantwortliche , die das ganze Ausmass des Desaters kannten und sich nicht aus Rücksicht auf ihre Karriere geäussert haben sind ebenfalls dringend zu ersetzen.
Die neue Regierung muss prüfen lassen inwieweit Regressansprüche an die Verantwortlichen gestellt werden können. Zumindest bezahlte Boni etc. sind sofort zurück zuzahlen, da es nicht angehen kann dass man für so eine miserable Leistung auch noch belohnt wird.
Die Chance ist einmalig: man sollte nicht den Bund d.h. den Steuerzahler ausrauben sondern die Bayern LB kurz und schmerzlos pleite gehen lassen. Einen Schaden hätten ausschließlich die mießen Termingeschäftshändler , welche sehenden Auges und absichtlich die BayenLB in den Abgrund gejagt haben. Soweit dann eine Sparkasse ebenfalls bankrott ginge, könnte diese immer noch zum Schutz der Kleinsparer Hilfe vom Bund erwarten. Einen weiteren Schaden hätten allerdings noch die Bankangestellten, aber diesen geschähe es recht, da sie ebenfalls sehenden Auges den Wahnsinnsgeschäften ihrer Kollegen zugesehen haben und nichts dagegen unternommen haben.
das Bild, auf das der Kommentar Bezug nimmt?
ist ihre Rolle bei der Umsetzung der Wirtschaftspolitik. Auf der einen Seite werden durchaus Projekte finanziert, die nicht nur sinnvoll, sondern auch rentabel sind. Auf der anderen Seite gibt es das Problem, dass Landesbanken eben auch dort noch eingesetzt werden, wo das Engagement wirtschaftlich zwar fragwürdig ist, aber aus politischen Gründen dennoch getätigt werden soll. Das ist der Bereich, wo die Regierung aus Beihilferestriktionen selbst keine direkte Unterstützung gewähren darf, aber sich dennoch engagieren möchte. Das ein oder andere mag dabei schon schief gehen. Aber dies macht nichts solange auf der Einnahmenseite en Plus steht.
Ob mit diesen eben errechneten 6,4 Milliarden wirklich das Ende des Maibaums erreicht ist? Die Zahl, für wieviel Geld die LBB Derivate gekauft und ihrem Bestand hat schwankt beträchlich (zwischen 21 und 24 Milliarden). Nächste Frage: Stimmen diese Zahlen überhaupt? Was ist, wenn deren Bewertung auch in Zukunft weiter sinkt? Kommen dann noch einmal 6,4 Milliarden und vielleicht nocheinmal 6,4 Milliarden auf uns zu?
Es wäre vielleicht auch der Zeitpunkt gekommen, da Journalisten (ergo Öffentlichkeit) einmal einen sehr unterkühlten Blick in den Derrivatebestand der Bank tun sollten. Und jene vielgepriesene Komplexität (vulgo: Versteckspiel) einfach mal aussen vor lassen.
Oder muss das sog. Volk höchstselbst am Haupteingang der LBB aufkreuzen und um physischen Einlass bitten?