Bayer-Chef Werner Wenning kritisiert Politiker, die allein Wirtschaftsbosse für die Krise verantwortlich machen - und warnt vor Populismus.

Der Chef des Leverkusener Chemiekonzerns Bayer, Werner Wenning, hat die Politiker vor Populismus auf Kosten der Wirtschaft gewarnt. "In dem Versuch, die Gründe für die Wirtschaftskrise rückblickend zu interpretieren, scheinen mir die Aussagen einiger führender Politiker sehr stark geprägt vom beginnenden Wahlkampf", sagte Wenning dem Handelsblatt.

Bayer-Chef Werner Wenning, dpa

Warnt vor Populismus in der Krise: Bayer-Chef Werner Wenning. (© Foto: dpa)

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Speziell die Kritik an Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sei weder sachlich begründet noch moralisch vertretbar, sagte er. Hier werde jemand nur kraft seines Amtes zum Buhmann für eine ganze Branche gestempelt.

Wenning sieht in der Krise noch "keine belastbaren Zeichen für eine nachhaltige Besserung". "Wir werden in der Industrie sicherlich Maßnahmen sehen, die auch langfristige Kapazitätsanpassungen beinhalten werden", sagte er. Die heutigen Strukturen jedenfalls seien so nicht haltbar.

Entlassungen ausgeschlossen

Auf die Frage, ob bei Bayer Entlassungen drohen, sagte Wenning: "Wir haben eine Standortsicherungsvereinbarung bis Ende 2009 abgeschlossen. Sie schließt betriebsbedingte Kündigungen aus. Daran halten wir uns selbstverständlich."

Das Management habe aber den Arbeitnehmervertretern angeboten, über eine Verlängerung dieser Vereinbarung zu verhandeln. Voraussetzung für den Erfolg sei allerdings Flexibilität auf beiden Seiten: "Ich glaube, dass wir mit den derzeitigen Möglichkeiten des Tarifvertrags nicht auskommen werden".

Zu den immer wieder auftauchenden Spekulationen um eine Übernahme von Bayer durch den Schweizer Pharmakonzern Novartis sagte Wenning: "Wir kommentieren generell keine Marktgerüchte. Und: Sie sehen mich hier völlig entspannt."

Ein nach wie vor gutes Marktumfeld sieht der Bayer-Chef trotz der Konjunkturkrise für die Bayer-Pflanzenschutzsparte Cropscience: "Die großen Agrarländer produzieren und exportieren weiter - und wir sehen im Augenblick keine gravierenden Finanzierungsprobleme bei unseren Kunden", sagte Wenning. Der Markt für Pflanzenschutzmittel wachse nach wie vor.

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(sueddeutsche.de/AP/Reuters/kaf/mel)